Bis 2015 wollte man aus dem Karlsruher Zoologischen Stadtgarten den schönsten Zoo Süddeutschlands zaubern - wie im Masterplan 2015 festgeschrieben sollten unter anderem das Elefanten- und Löwenhaus saniert, das Exotenhaus ausgebaut und neue Lebensräume geschaffen werden. Das ernüchternde Zwischenergebnis nach sieben Jahren: Fertig gestellt sind lediglich drei von etwa ein Dutzend Projekten.

SPD-Fraktion: "Wir haben viel Zeit verloren - die Hautpschuld trägt die Zooleitung"

Dass man mit der Plan-Umsetzung drastisch hinterher hinkt, machte jetzt die SPD-Fraktion in einem Antrag an den Gemeinderat deutlich. "Wir haben sehr viel Zeit verloren", moniert SPD-Stadträtin Gisela Fischer im Rahmen der öffentlichen Sitzung am Dienstagnachmittag - "dafür verantwortlich ist zum Teil die Politik - aber die Hauptschuld liegt ganz klar bei der Zooleitung."

Letztere leidet bekanntermaßen seit einigen Monaten an akuter Unstrukturiertheit, steht doch die Kündigung von Zoodirektorin Gisela von Hegel im Raum. Derzeit übernimmt Stellvertreter Clemens Becker die Verwaltung. "Die Führungsstruktur sowie die Verantwortungsbereiche müssen dringend geklärt werden", so Fischer weiter. Die SPD-Fraktion schlägt deshalb vor, direkt nach der Sommerpause einen Planungsworkshop für Experten und Verantwortliche einzuberufen und künftig schneller Entscheidungen zu fällen.

CDU fordert groben Zeitplan bis Juli - Grüne: "Nicht jeder Zoo braucht exotische Tiere"

Dem stimmt auch CDU-Stadträtin Bettina Meier-Augenstein zu: "Wir erwarten bis Juli einen groben Zeitplan für die weiteren Bauprojekte von der Stadtverwaltung." Anschließend solle im anstehenden Ausschuss für öffentliche Einrichtungen über die wichtigsten Punkte entschieden werden. Dass man bei der künftigen Planung des Karlsruher Zoos einen weiteren Gesichtspunkt nicht außer Acht lassen sollte, betont die Grüne-Fraktion im Gemeinderat: "Das neu erschienene Säugetiergutachten verlangt immense Veränderungen für den Zoologischen Stadtgarten", so Michael Borner. Konkret müsse man laut ihm die Situation der Affen verbessern - ihnen stehe eine bessere Betreuung und mehr Platz zu, das gleiche gelte für die Giraffen.

Dies seien Erkenntnisse, die nun gesetzlich festgeschrieben für alle Zoos bundesweit umgesetzt werden müssten - Karlsruhe könne sich daher nicht aus der Verantwortung ziehen. "Ich meine, nicht jeder Zoo muss solch exotische Tiere halten, wenn er ihnen in der artgerechten Pflege nicht gerecht werden kann", betont Borner eindringlich. Auch die KAL und FDP stehen eigenen Aussagen nach hinter dem effektiven Voranschreiten des Zookonzepts - ganz nach dem Motto "nicht schlafen, jetzt schaffen", wie KAL-Stadträtin Margot Döring proklamiert.

Bis 2015 schönster Zoo Süddeutschlands? Obert: "Wir haben uns zu viel vorgenommen"

Den Ernst der Lage hat auch Baubürgermeister Michael Obert, in dessen Verantwortungsbereich der Karlsruher Zoo fällt, erkannt: "Wir haben vor, der Forderung der SPD-Fraktion nachzugehen und demnächst einen Zeitplan vorzulegen." Nun sei man auch in der Lage, einige Fehler von damals reflektieren zu können: Zwar hätte man 2007 einen optimistischen Plan erstellt - doch ehrlicher Weise hatte man damals keine Ahnung, wie man diesen organisatorisch und personell stemmen sollte.

Hatte man sich vielleicht zu viel vorgenommen? Dieser Frage müsse man sich jetzt, angesichts der hinterher hinkenden Planung, stellen. "Auch wenn ich mit dieser Aussage ein Tabu breche, aber ich fürchte, wir müssen uns von dem Ziel, den schönsten zoologischen Stadtgarten Süddeutschlands zu beherbergen, verabschieden", erklärt Obert und schaut bedrückt in die Runde.

Nicht immer müsste der operative Nutzen einer Einrichtung im Vordergrund stehen - das Wort "schön" sei ohnehin schwer messbar. Auch dass man die Primaten-Situation angesichts des Säugetiergutachtens ändern müsse, gesteht der Baubürgermeister ein - weiter seien Verbesserungen an den Kassen vorgesehen. "Doch für all diese Sachen brauchen wir zugegebener Maßen Anlaufzeit - schließlich wollen wir, wenn wir etwas machen, es richtig tun."

Dem stimmt am Dienstag auch Oberbürgermeister Frank Mentrup zu: "Uns steht eine schwere Zeit bevor - Clemens Becker als stellvertretender Zoodirektor hat zur Zeit viel um die Ohren und muss ein Mammutprojekt stemmen. Wir werden jedoch langfristig eine Lösung finden, allen Interessen gerecht zu werden und personell eine bessere Struktur zu schaffen."

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