In der Karlsruher Südstadt herrscht nach Feierabend reges Treiben an der Ecke Fautenbruch-/Rüppurrer Straße: Hier stehen Prostituierte und bieten Vorbeifahrenden ihre Dienste an. Das sieht nicht jeder gerne.

Prostituierte stehen bei Südstadt-Zugang zum Oberwald

Ein ka-Reporter schreibt an die Redaktion: "Durch die anhaltenden Freier kommt es immer wieder zu gefährlichen Überholmanövern - außerdem verwechseln sie öfter mal Joggerinnen mit Prostituierten." Abgesehen davon, dass dies den Verkehr behindere, scheuten sich seine Frau und seine 16-jährige Tochter, dort nach 18 Uhr entlang zu laufen. Selbst ein Einkauf zu Fuß zum benachbarten Raiffeisenmarkt stehe nicht mehr auf dem Plan.

"Das ist außerdem der direkte und einzige Zugang zu unserem Naherholungsgebiet Oberwald - dort sollte doch eigentlich Raum zum Erholen und Abschalten sein", findet er.

 

Doch die Prostituierten stehen dort legal. Zum einen ist Prostitution in Deutschland ein anerkanntes Gewerbe, zum anderen stehen sie dort - genau wie an den 15 anderen Orten in Karlsruhe - außerhalb des Sperrbezirks. Dieser wird derzeit von folgenden Straßen begrenzt: Mendelssohnplatz, Ludwig-Erhard-Allee, Wolfartsweierer Straße, Gottesauer Platz, Georg-Friedrich-Straße, Karl-Wilhelm-Platz, Durlacher-Tor, Kaiserstraße, Waldhornstraße, Zirkel, Herrenstraße, Karlstor, Kriegsstraße, Ettlinger-Tor-Platz, Ettlinger Straße, Rüppurrer Straße, Stuttgarter Straße, Sybelstraße, Luisenstraße, Morgenstraße, Wielandstraße und Rüppurrer Straße. Erst im April 2011 war der Bezirk per Gemeinderatsbeschluss leicht erweitert worden.

Außerhalb dieser Zone ist alles erlaubt, selbst wenn es sich um reine Wohngebiete handelt: Prostitution in Wohnungen, Wohnwagen oder auch auf der Straße. "Es hat in letzter Zeit eine deutliche Zunahme gegeben", sagt Björn Weiße, Leiter des Ordnungsamtes. Wie er auf ka-news-Anfrage erläutert, sind dem Ordnungsamt bei Anwohnerbeschwerden jedoch die Hände gebunden. "Natürlich schauen wir nach dem Rechten, etwa ob durch den Straßenstrich der Straßenverkehr behindert wird. Ansonsten können wir auch nicht mehr tun, als das Gespräch zu suchen", sagt er. Allerdings gebe es ja in der Regel auch Gründe, warum die Damen sich für ein bestimmtes Gebiet entscheiden. Bringe man sie dazu, woanders zu stehen, verlagere man das Problem lediglich.

75 bis 80 Prozent ausländischer Herkunft

Die Ursache für die Zunahme in letzter Zeit sei ohnehin politischer Natur, so Weiße. Die Osterweiterung der Europäischen Union ermögliche es Arbeitskräften aus Osteuropa in Deutschland legal zu arbeiten - eine Gelegenheit, die vermehrt auch Frauen wahrnehmen würden - unter anderem eben als Prostituierte.

Das bestätigt auch die Polizei Karlsruhe. "Früher hat unsere AG Rotlicht 15 Personen an zwei Orten beobachtet - heute sind es 55 an 16 Orten", so ein Sprecher. Etwa 75 bis 80 Prozent davon seien ausländischer Herkunft - davon komme wiederum die Hälfte aus Osteuropa.

Drei Beamte seien deshalb ständig für die AG Rotlicht im Einsatz, kontrollierten Personalien und behielten die Entwicklung im Blick. Angenommen, jemand stünde in einem Wohngebiet, in dem ständig Kinder auf der Straße spielten, würde die Polizei einen Platzverweis aussprechen. "Wir haben damit aber bisher keine Probleme", erläutert der Sprecher. Die Prostituierten wollten selbst eher in Ruhe gelassen werden und provozierten keinen Ärger. Ebenso suchten sie mit ihren Freiern keine Orte auf, an denen jemand Anstoß nehme.

Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe gibt es insgesamt etwa 380 Prostituierte. Da im Gewerbe ein starker Wechsel stattfindet, sind dies übers Jahr verteilt rund 800 Personen. Sie arbeiten in zehn Bordellen, 82 Wohnungen sowie SM-Studios und Saunaclubs. In Gemeinden mit weniger als 35.000 Einwohnern besteht die Möglichkeit, Prostitution zu untersagen.

Pforzheim und Bruchsal kämpfen gegen Straßenstrich

Stein des Anstoßes ist der Straßenstrich auch in Pforzheim oder Bruchsal. Anfang Juli teilte die Polizei Pforzheim mit, dass man versuche die Ansiedlung eines Straßenstrichs in der Kanzlerstraße zu verhindern. Dort habe man Frauen angetroffen, die zuvor in Karlsruhe Geldbußen bezahlt hatten und so verdrängt worden waren. Sie haben keinen festen Wohnsitz in Deutschland. "Eine der Frauen musste eine Sicherheitsleistung in Höhe von 500 Euro bezahlen. Diese Vorgehensweise zeigt mehr Erfolg als das bloße Erteilen eines Platzverweises", heißt es von Seiten der Pforzheimer Polizei.

In Bruchsal hat sich Ende Juni der Gemeinderat mit den leichtbekleideten Damen am Straßenrand beschäftigt. Diese hatten für Unmut in der Bevölkerung gesorgt - doch auch dort konnte die Polizei lediglich betonen, dass die Prostituierten legal ihrem Geschäft nachgingen. Mehr als 20 Personenkontrollen seien tadellos verlaufen. Eindämmen könne man die Sache auch nur mehr oder minder mit Platzverweisen. Zum Beispiel dort, wo langsam fahrende Autos den Verkehr behinderten. Bruchsal will nun beim Regierungspräsidium Karlsruhe einen Sperrbezirk beantragen, innerhalb dessen man zumindest ein generelles Verbot aussprechen könne.

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