"Jeder weiß, dass es das gibt, jeder schaut weg", hatte Grünen-Stadtrat Michael Borner seine Rede eingeleitet. Das sei eine Doppelmoral, die auch in der Einschätzung der Verwaltung zu dem Thema herauszulesen sei.

Rund 250 Frauen und wenige Männer arbeiteten nach Erkenntnissen der Polizei-Arbeitsgruppe Rotlicht in Karlsruhe als Prostituierte, die Dunkelziffer sei vermutlich höher, so die Grünen in ihrem Antrag. Zwei Drittel dieser Prostituierten hätten keinen deutschen Pass, die Situation sei geprägt von Konkurrenzdruck, fehlenden Perspektiven, Gewalt- und Abhängigkeitsverhältnissen. "Aus Unkenntnis über Unterstützungsangebote, aufgrund von Sprachbarrieren und nach Diskriminierungserfahrungen nehmen viele Prostituierte - Frauen wie Männer - dringend notwendige Hilfen bei der Bewältigung ihrer Probleme nicht in Anspruch."

Sozialbürgermeister Lenz: "Der Bereich, den es betrifft, ist hochkriminell"

Ein Runder Tisch würde hier einen Rahmen bieten, alle Akteure einzubinden und so koordiniert erfolgreicher zu helfen. Ziel müsse etwa eine aufsuchende Sozialarbeit und die Verbesserung der Arbeits- und Sozialbedingungen sein. Die Berater dürften nicht nur im Büro sitzen und auf Kundschaft warten, sondern müssten raus zu den Betroffenen gehen.

Anders sah das die Stadtverwaltung und verwies in ihrer Stellungnahme auf ein gut funktionierendes Beratungsnetz. Die Schaffung eines Runden Tisches wäre mit großem Aufwand verbunden, ohne dass er die Situation der Prostituierten wesentlich verbessern würde. "Sie erleben mich selten mit gezogener Handbremse, wenn es um soziale Themen geht", so Sozialbürgermeister Martin Lenz, aber in diesem Fall ginge es nicht anders. "Der Bereich, den es betrifft, ist hochkriminell", so Lenz. Mit reiner Sozialarbeit käme man da nicht weit - hier sei vor allem die Polizei gefragt und diese sei auch tätig.

Deutschland - ein "Eldorado für gekauften Billigsex"

Ähnlich sahen es die meisten übrigen Stadträte. Einzig die beiden Stadträte der Linken schlossen sich dem Antrag der Grünen an; CDU, SPD und FDP kündigten dagegen an, dem Antrag nicht zuzustimmen. Lüppo Cramer von der Karlsruher Liste (KAL) lobte, dass das Thema auf die Agenda gebracht worden sei - der Antrag gehe aber längst nicht weit genug. Die Legalisierung von Prostitution habe Deutschland zu einem "Eldorado für gekauften Billigsex" gemacht. Mit einem Runden Tisch mit lauter Leuten, die es gut meinten, käme man da nicht weiter.

Am Ende verzichteten die Grünen auf eine Abstimmung über ihren Antrag. Das Thema Prostitution soll nun im Sozialausschuss behandelt werden - zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten und der Polizei.

Mehr zum Thema:

Missglückter Raub an einer Prostituierten: 28-Jähriger festgenommen

Überfall im Rotlichtmilieu: Prostituierte 300 Meter von Auto mitgeschleift