Eigentlich könnten die Pläne für eine neue Biomüll-Vergärungsanlage längst in trockenen Tüchern sein - wäre da nicht die Qual der Wahl. Derzeit prüft die Stadtverwaltung alle zur Auswahl stehenden Verfahren: Die Nassvergärung, die Trockenvergärung, das HTC-Verfahren und zu guter Letzt eine biologisch-mechanische Anlage.

"Betriebskosten sind entscheidend"

"Bei unseren Planungen spielen wirtschaftliche, ökologische Faktoren ebenso eine Rolle wie Handhabung und Energieeinsparung", erläutert Umweltbürgermeister Klaus Stapf (Grüne) im ka-news-Gespräch. Ein großer Punkt seien auch die Betriebskosten. "Denn die wirken sich auf die Müllgebühren aus." Wenn man alle Varianten eingehend untersucht habe, werde die Stadt eine Empfehlung abgeben. Am Ende entscheidet dann der Gemeinderat über die Frage nach der Verwertungsanlage.

Bevor die Gemeinderatsfraktionen altenative Methoden ins Spiel brachten, hatte man in der Stadtverwaltung bereits zwei Gutachten zur Zukunft der Nassvergärungsanlage in Auftrag gegeben. Aus dieser Untersuchung ging eine Trockenvergärungsanlage als Sieger hervor. Die Stadt folgte in einer Gemeinderatssitzung im April deshalb zunächst dieser Empfehlung.

Nun sind die Karten allerdings neu gemischt, auch hat sich seit einigen Wochen die Bürgerinitiative Eisenhafengrund gegründet: Verärgerte Anwohner wollen Umweltzerstörung und unnötige zusätzliche Versiegelung im Eisenhafengrund verhindern. Um den Sorgen und Ideen der Bürger Gehör zu schenken, hat Bürgermeister Klaus Stapf ein Treffen mit der Initiative vereinbart. "Wir haben schon länger über Bürgerbeteiligung nachgedacht, das soll in Form eines Forums oder einer Diskussionsveranstaltung geschehen", erzählt er. "Wenn gute Anregungen da sind, nehmen wir die selbstverständlich auf." Er warnt davor, sich von Investitionskosten abschrecken zu lassen. "Entscheidend sind langfristig die Betriebskosten."

Ortschaftsrat Durlach begrüßt Infoveranstaltung

Auch im Ortschaftsrat Durlach hat man sich am Mittwoch mit dem Thema auseinandergesetzt. Wie Ortsvorsteherin Alexandra Ries berichtet, ist von Seiten der Grünen Fraktion ebenfalls Bürgerbeteiligung in Form einer Informationsveranstaltung angeregt worden. Das Stadtamt unterstütze dies gerne organisatorisch. "Inhaltlich und fachlich müsste das vom Amt für Abfallwirtschaft gestemmt werden", so Ries gegenüber ka-news. Grundsätzlich sei es erstrebenswert, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen.

Dies unterstützen auch die Karlsruher CDU-Fraktion im Gemeinderat sowie der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Wellenreuther. Sie teilen in einer Presseinformation mit, dass die geplante Entscheidung im Frühjahr 2013 zu ambitioniert scheine. Das Bürgerbeteiligungsverfahren solle nicht unter Zeitdruck stehen, findet Wellenreuther. Auch kritisiert Fraktionsvorsitzende Gabriele Luczak-Schwarz, dass die Informationen seitens der Stadtverwaltung noch unzureichend seien, um einen Entscheidungsprozess bereits ernsthaft voran zu treiben.

In Karlsruhe werden derzeit 13.500 Tonnen Bioabfälle jährlich eingesammelt. Mit dem bei der Vergärung entstehenden Gas können Strom und Wärme erzeugt werden. In Karlsruhe passiert dies auf der früheren Deponie Ost zwischen Durlach und Hohenwettersbach. Seit 1997 wird dort eine Biomüllanlage betrieben, die mit dem Nassvergärungsverfahren arbeitet. Sie versorgt die Baugebiete Fünfzig Morgen und Rehbuckel in Hohenwettersbach mit Fernwärme und Strom, der durch ein Blockheizkraftwerk erzeugt wird.

Weitere Informationen zum Thema und den bisherigen planerischen Details gibt es auch auf den Internetseiten der Stadt Karlsruhe (Vorlage TOP 5).

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