Der Klimawandel ist auch bei den Karlsruhern in aller Munde. Schüler protestieren regelmäßig auf den "Fridays For Future"-Demos, das Thema "Urban Gardening" wird immer beliebter und man fürchtet sich bereits vor einer Wiederholung des Supersommers 2018 oder den Rekordtemperaturen von Ende Juni. "Wir müssen jetzt die Weichen stellen, um das Klima in der Stadt - auch für die nachfolgenden Generationen - erträglich zu gestalten", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup.

Blick in den Innenhof "Am Fasanengarten".
Blick in den Innenhof "Am Fasanengarten". | Bild: Peter Eich

 

Dabei setzt sich Karlsruhe schon seit Jahren für ein grüneres Leitbild ein. Das ist der Grünen-Fraktion im Gemeinderat nicht genug. Sie stellten im Februar einen Antrag an die Stadt, wie man helfen könnte, das Stadtklima zu verbessern: durch verstärkte Maßnahmen zur Dach- und Fassadenbegrünung.

Warum Dächer bepflanzen?

Laut Renate Rastätter, naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, haben Dachbegrünungen einen hohen Stellenwert für das Stadtklima: "In den Sommermonaten mit den jährlich steigenden Temperaturen können sie zur Wärmereduzierung beitragen. Sie filtern Schadstoffe aus der Luft und verbessern so die Luftqualität." Außerdem könne die Biodiversität gestärkt werden, da eine wertvolle Futterquelle für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge geschaffen werde.

Renate Rastätter Grüne
Bild: Grüne Karlsruhe

Auch die Stadt weiß: "Grundsätzlich wirken sich Grünflächen günstig auf das lokale Klima aus, weil sie sich am Tag weniger stark erwärmen als versiegelte Flächen und nach Sonnenuntergang schneller und stärker abkühlen", heißt es in der Antwort der Stadtverwaltung.

Dabei spielt nicht nur das veränderte, mitunter heißere Klima eine Rolle. Auch die dichte Bebauung in der Stadt machen weitere Grünflächen auf Dächern notwendig - zum Ausgleich der Bebauung. 

Doch nicht immer bleibt das Grün

Seit November 2014 wurde zudem vom Landesministerium ein Gesetz für Häuslebauer veranlasst, das besagt, dass eine Dachbegrünung angelegt werden muss, wenn kein Garten vorhanden ist.  Dies ist in den Bebauungsplänen der Stadt vorgesehen.

Innenstadt mit Schloss
Bild: ka-Reporter Peter Eich

Jedoch kritisieren die Grünen in ihrem Antrag, dass dies laut Aussagen von Anwohnern nicht immer umgesetzt werde: "Stattdessen werden gelegentlich Stein- und Schotterflächen auf Dächern angelegt." Zudem gäbe es Fälle, bei denen bereits angelegte Dachbegrünungen später wieder aufgegeben wurden.

Die Stadt betont in einer Stellungnahme, dass Kontrollen beim Bauordnungsamt durchgeführt werden. "Die Schlussabnahme eines Gebäudes erfolgt erst dann, wenn die Vorschriften des Bebauungsplans bezüglich einer Dachbegrünung erfüllt wurden. Außerdem erfordert auch der Rückbau von Dachbegrünungen einen Antrag, damit sich Hausbesitzer von diesem Gesetz befreien lassen können!" 

Auch gestalterische Vorteile hat eine Dachbegrünung: Dieses Haus passt perfekt in seine Umgebung. Foto: BGL
Auch gestalterische Vorteile hat eine Dachbegrünung: Dieses Haus passt perfekt in seine Umgebung. Foto: BGL

Regelmäßig gibt es daher Luftbildsichtungen über der Stadt Karlsruhe. "Es ist uns auf dieser Grundlage kein Projekt bekannt, bei dem eine Dachbegrünung wieder entfernt wurde", heißt es aus der Stadtverwaltung weiter. Es sind eher Neue dazugekommen: Im Jahr 2006 gab es in Karlsruhe bereits etwa 19.000 Quadratmeter grüne Dachfläche. Heute, über zehn Jahre später, sind zirka 60.000 Quadratmeter der Dächer in der City grün, vorwiegend durch eine extensive Begrünung, etwas seltener sind Dachgärten zu finden.

"Ungenutzte, betonierte Fläche ist ver­lo­re­ner Raum"

Grundsätzlich sieht die Stadt die Bedeutung von Dach- und Fassadenbegrünung für das Stadtklima jedoch als unbestritten an. Hier ist Karlsruhe Vorreiter: Seit 1982 gibt es das Förderprogramm für Bürger zur Begrünung von Höfen, Dächern und Fassaden. "Jede ungenutzte, betonierte Fläche ist verlorener Raum", so begründet das Gartenbauamt der Stadt Karlsruhe sein Engagement.

Damit das nicht überhand nimmt, kann jeder Karlsruher etwas für ein verbessertes Stadtklima tun - ganz gleich, ob er seinen Vorgarten grüner gestaltet oder die Fassade mit Ranken zuwuchert. "Hier spielen verschiedene Parameter mit rein", so Klaus Weindel vom Gartenbauamt gegenüber ka-news.de. "Technische Rahmenbedingungen, Statik, Dachkonstruktion und bautechnische Regeln zählen etwa dazu." Nicht jedes Dach verträgt einen Garten. Sicherheit geht immer vor. 

Die Kosten für eine Dachbegrünung gehören nicht zwingend zu den Betriebskosten.
Begrünung auf einem Flachdach. (Symbolbild) | Bild: Stephanie Pilick/dpa

Um fehlende Genehmigung muss sich kein Hausbesitzer Sorgen machen, denn Fassadenbegrünungen sind genehmigungsfrei: "So lange sie auf dem eigenen Grundstück sind. Es muss sich lediglich, je nach Projekt, gegebenenfalls mit dem Bauordnungsamt und dem Tiefbauamt abgesprochen werden", so Weindel weiter. 

Fassadenfarbe überflüssig: Ein von wildem Wein fast völlig zugewachsener Hausgiebel im brandenburgischen Sieversdorf. Foto: Patrick Pleul
Fassadenfarbe überflüssig: Ein von wildem Wein fast völlig zugewachsener Hausgiebel im brandenburgischen Sieversdorf. Foto: Patrick Pleul

Wer nun ein grüneres Haus in Erwägung zieht: Von seiten der Stadt gibt es ein Förderprogramm. Das beinhaltet kostenfreie Beratungen im gesamten Stadtgebiet und eine finanzielle Unterstützung von bis zu 4.000 Euro pro Anwesen in den Stadtteilen Innenstadt, Weststadt, Mühlburg, Oststadt, Südstadt, Südweststadt und im Ortskern von Durlach. Dadurch soll das Korridorthema "Grüne Stadt" mehr in den Vordergrund gerückt und die Bürger zur Eigenleistung motiviert werden.

Dateiname : Förderprogramm zur Begrünung von Höfen, Dächern und Fassaden
Dateigröße : 1370507
Datum : 23.04.2019
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Ausweitung des Förderprogramms in Aussicht

Die Grünen-Fraktion um Renate Rastätter fordert außerdem, dass das Förderprogramm auf weitere Stadtteile ausgeweitet wird. Dies wird von der Stadt begrüßt. "Das Förderprogramm soll weiterentwickelt und auf die aktuelle Bedarfslage angepasst werden", heißt es aus dem Rathaus.

Den Bürgern wird also die Möglichkeit gegeben, mit Unterstützung der Stadt ihren Teil gegen den Klimawandel und für ein grüneres Karlsruhe beizutragen - wohl bald auch in weiteren Stadtteilen.

Wettbewerb als Anregung

Wer schon grüner wohnt, der kann sein Refugium bei verschiedenen Wettbewerben, wie den Blumenschmuck- oder Hinterhofwettbewerb, zur Schau stellen, um die Eigenleistungen zu fördern und zu würdigen. 

Wer diese kleine Oase sucht, wird in der Hohenzollernstraße in Beiertheim fündig. Für diesen Hinterhof gab's ebenfalls einen dritten Platz.
Wer diese kleine Oase sucht, wird in der Hohenzollernstraße in Beiertheim fündig. (Archivbild). | Bild: ps

Als Anreiz können sich Gärtnereibegeisterte vom 24. April bis 17. August bei den "Offenen Pforten 2019" einen Blick in ausgewählte Karlsruher Privatgärten werfen und sich so Inspirationen für die eigene grüne Oase holen. 

Dateiname : Offene Pforte Karlsruhe 2019
Dateigröße : 1248154
Datum : 23.04.2019
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