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Karlsruhe: Gerlinde Hämmerle sitzt auch künftig nicht im stillen Kämmerle

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Gerlinde Hämmerle sitzt auch künftig nicht im stillen Kämmerle

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    Gerlinde Hämmerle bei der Lesung im Kammertheater Karlsruhe sowie mit der Gruppe "Symbatico".
    Gerlinde Hämmerle bei der Lesung im Kammertheater Karlsruhe sowie mit der Gruppe "Symbatico". Foto: Hans-Joachim Of

    Die frühere Regierungspräsidentin und Bundestagsabgeordnete Gerlinde Hämmerle aus Karlsruhe wird auch im Alter von 84 Jahren nicht müde, mit wachem Geist Stellung zu gesellschaftlichen Fragen zu beziehen und die Werte der Demokratie hochzuhalten. Kürzlich war sie im Kammertheater Karlsruhe bei einem literarisch-musikalischen Nachmittag zu Gast und las aus den Werken ihres Lieblingsautors Erich Kästner.

    Welchen Bezug haben Sie zu Erich Kästner und was hatte es mit der Lesung auf sich. Sie kennen einige seiner Werke auswendig? 

    Hämmerle: "Ja, Kästner gehört unbestritten zu den ganz Großen der deutschen Literaturgeschichte und ich habe ihn schon immer sehr verehrt. Mühelos sprechen seine Werke wie 'Die Entwicklung der Menschheit' mit ihrer Mischung aus Humor, Gesellschaftskritik und Menschlichkeit alle Altersstufen an und sind ein Anker in einer sich immer schneller wandelnden Welt. Kästners Lyrik, Alltagssatire und politische Kritik ist aktuell wie eh und je und  fesseln nach wie vor.

    Gerlinde Hämmerle bei der Lesung im Kammertheater Karlsruhe sowie mit der Gruppe "Symbatico".
    Gerlinde Hämmerle bei der Lesung im Kammertheater Karlsruhe sowie mit der Gruppe "Symbatico". Foto: Hans-Joachim Of

    Dass Erich Kästner neben seinen Beiträgen zur Weltwirtschaftskrise und Nationalsozialismus auch viel Alltagssatire und eine Meinung zu Kultur und Bildung hatte, verdeutlichen auch die Gedichte 'Das Führerproblem', 'Ansprache an die Millionäre', 'Der Handstand auf der Lorely' oder 'Der dreizehnte Monat'.

    Sie sind ja selbst unter die Autoren gegangen und haben 2024 ein Büchlein mit ihren Erinnerungen als Kriegs- und Nachkriegskind mit den erstaunlichen und ereignisreichen Erlebnissen aus ihrer beruflichen und politischen Karriere, veröffentlicht und im Kammertheater der Öffentlichkeit vorgestellt.

    Hämmerle: "Mein Ansatz war, diese Aufzeichnungen und meine Erfahrungen besonders auch mit der jungen Generation zu teilen und ihr näher zu bringen". 

    Gerlinde Hämmerle bei der Lesung im Kammertheater Karlsruhe sowie mit der Gruppe "Symbatico".
    Gerlinde Hämmerle bei der Lesung im Kammertheater Karlsruhe sowie mit der Gruppe "Symbatico". Foto: Hans-Joachim Of

    Der Erlös beim ausverkauften Konzert ging dem Förderverein Hospiz Arista für Landkreis und Stadt Karlsruhe zu. Erzählen Sie.

    Hämmerle: "Das mache ich schon seit 15 Jahren. Wir stehen mit unserer Musikgruppe stets im Veranstaltungsprogramm des Hospiz und machen dafür gerne Werbung und Publicity für die Einrichtungen. Der erste Auftritt war im Foyer des Landratsamtes Karlsruhe und der vorerst letzte im Oktober im Ettlinger Schloss".   

     Als musikalische Begleitung hatten Sie bei der Lesung die Combo „Symbadico“ an Ihrer Seite und Sie hatten sogar mitgespielt. Wie kam es dazu?

    Hämmerle (lachend): "Na ja, ich spiele Gitarre, so wie früher bei den Pfadfindern und habe das durch Hannes Wader bekannt gewordene Anti-Kriegslied aus dem 1. Weltkrieg mit dem Titel 'Es zogen einst fünf wilde Schwäne' sowie das zweite, ebenfalls durch Hannes Wader bekannte, Stück 'Heute hier, morgen dort' mitgesungen. Mit dem musikalischen Leiter Klaus Schäfer an Gitarre und Saxophon ist die Gruppe bestens besetzt.

    Die weiteren Mitglieder sind Michael Ambrosoli am Akkordeon, Henning Körner am Saxophon, Martin Löffel am Bass, Sven Münchgesang am Schlagzeug, Volker Nelson an der Gitarre und Birgit Kuisl an der Trompete. Zudem spielte die Combo  natürlich Erich Kästner-Musik aus der Zeit von 1899 bis 1974 von Charleston und der Dreigroschenoper bis hin zu Abba.

    Gerlinde Hämmerle bei der Lesung im Kammertheater Karlsruhe sowie mit der Gruppe "Symbatico".
    Gerlinde Hämmerle bei der Lesung im Kammertheater Karlsruhe sowie mit der Gruppe "Symbatico". Foto: Hans-Joachim Of

    Mit den stimmungsvollen Liedern 'Chanson für Hochwohlgeborene', 'Sing, Sing, Sing' oder Kästners 'Maskenball im Hochgebirge' konnten wir, ebenso wie bei den Musikstücken 'Guantanamera', 'Limelight', frei nach Charly Chaplin, Kurt Weil's 'Haifisch Song' oder 'Mein kleiner, grüner Kaktus', das die Comedian Harmonist's bekannt machten, das Publikum für uns einnehmen. Das hat natürlich allen viel Spaß gemacht“. 

    Sie sind nach einer schweren Erkrankung und Operation auf einen Rollator angewiesen und trotzdem neugierig auf das Leben und oft unterwegs. Eberhard Oehler, Vorsitzender des Fördervereins Hospiz "Arista", hatte erwähnt, dass sie nicht im Ruhestand seien, sondern dass i.R. eigentlich "in Reichweite" bedeute. Ihre Ziele für die nahe Zukunft? 

    Hämmerle: "Neben den Führungen im Landesmuseum mit der 'Badischen Revolution', wo wir mit der Band auch Revolutionslieder spielen, freue ich mich auf den 75. Geburtstag von Heribert Rech, dem  ehemaligen Innenminister von Baden-Württemberg, der am 25. April nach Bad Schönborn eingeladen hat. Das Museum hat leider nur noch bis zum Herbst offen. Danach ist für einige Jahre wegen der Generalsanierung geschlossen". 

    Gerlinde Hämmerle bei der Lesung im Kammertheater Karlsruhe sowie mit der Gruppe "Symbatico".
    Gerlinde Hämmerle bei der Lesung im Kammertheater Karlsruhe sowie mit der Gruppe "Symbatico". Foto: Hans-Joachim Of

    Gerlinde Hämmerle

    Gerlinde Hämmerle wurde am 5. Juni 1940 in Wolfach geboren und studierte nach dem Abitur am Fichte-Gymnasium Karlsruhe und einer Ausbildung an der Frauenfachschule in der Folge an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe Lehramt und trat in den Schuldienst ein. Ab 1985 war sie Studiendirektorin und teilweise stellvertretende Schulleiterin an der Helene-Lange-Schule in Karlsruhe. Gerlinde Hämmerle ist seit 1967 SPD-Mitglied, war in der Folge Mitglied im Gemeinderat in Karlsruhe und im Deutschen Bundestag. Nach ihrem Ausscheiden war sie von 1994 bis 2005 Regierungspräsidentin im Regierungspräsidium Karlsruhe. Seit über 20 Jahren ist sie die Vorsitzende der "Freunde des Badischen Landesmuseums" und hat seit 2005 auch den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg und seit 2006 die Heimatmedaille des Landes. 

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