Der Karlsruher Paul Senge, der erste badische Pilot und ein Pionier der deutschen Luftfahrt, macht 1911 seine ersten Flugversuche auf dem Exerzierplatz. Zwischen 1909 und 1911 landen auch verschiedene Zeppeline auf dem Platz, unter anderem 1911 das Luftschiff "Schwaben" (LZ 10) und 1913 die "Viktoria Luise."

Der Zeppelin kommt in Mode

Im Jahr 1913, als Paul Senge tödlich abstürzt, ereignet sich auf dem Exerzierplatz noch ein Unfall: Das Militärschiff "Ersatz Z1" (später LZ 15 benannt) muss auf dem Platz notlanden und wird vollkommen zerstört. Die Zeppeline sind Starrluftschiffe aus deutscher Herstellung, die nach ihrem Erfinder Ferdinand Graf von Zeppelin benannt werden.

Zeppelin "Bodensee" im Oktober 1919.
Zeppelin "Bodensee" im Oktober 1919. | Bild: gemeinfrei

Von 1900 bis 1940 werden sie sowohl für Passagierfahrten als auch für Militärzwecke eingesetzt. Die Luftfahrt ist seit Jahren ein wichtiges Thema für das deutsche Militär. 1887 entsteht in der Preußischen Armee eine Luftschiffabteilung und 1896 werden Fesselballons eingeführt, die als Beobachtungsplattformen dienen.

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Im Jahr 1906 wird die "Versuchskompanie für Motorschiffahrt" aufgestellt und 1910 hält das Flugzeug Einzug in die Militärluftfahrt. Zwei Jahre später entsteht die Königlich-Preußische Fliegertruppe. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ist das große Ziel, eine Luftflotte für militärische Zwecke aufzubauen.

Die Landung eines Zeppelins auf dem Exerzierplatz in Karlsruhe sorgt damals immer für große Begeisterung in der Bevölkerung. "Unsere Residenznachbarn waren gestern vom Zeppelinfieber erfasst", schreibt Ettlingens Mittelbadischer Kurier am 30. September 1911. Das Luftschiff "Schwaben", von Oos kommend, soll um 12 Uhr auf dem Exerzierplatz landen und eine riesige Menschenmenge hat sich angesammelt.

"Ein recht reges Leben" wegen einer Zeppelin-Landung

Das Flugschiff muss wegen einer dunklen Wolkenwand und stürmischen Wetters mehrere Stunden warten, bis es landen kann. Der Zeppelin LZ 10 "Schwaben" ist ein Verkehrsluftschiff der Deutschen Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft (Delag) und wird seit Juli 1911 im innerdeutschen Passagierluftverkehr eingesetzt.

Zeppelin "Schwaben": Anflug, Landung, Empfang auf dem Exerzierplatz am 29.9.1911
Zeppelin "Schwaben": Anflug, Landung, Empfang auf dem Exerzierplatz am 29.9.1911 | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XI (1608)

Karlsruhes Zeitung "Der Volksfreund" beschreibt, wie "ein recht reges Leben" in den Vormittagsstunden des 29. September in der Stadt herrscht – alles bewegt sich in Richtung Exerzierplatz. In der Straßenbahn sind alle Wagen voll, Tausende sind unterwegs. “Bald war der Exerzierplatz von zwei breiten Menschenringen umsäumt“, berichtet die Zeitung.

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In der Mitte stehen mehrere Abteilungen der Feuerwehr. Sie haben die Aufgabe, das Luftschiff auf dem Boden festzuhalten. Das Schiff erscheint gegen 13 Uhr, verschwindet jedoch gleich wieder wegen des schlechten Wetters. Als es bis 14 Uhr noch nicht wieder erscheint, marschiert das auf den Platz bestellten Militär ab und die Menge verliert die Hoffnung, dass das Schiff nochmals kommt.

Von den zwei Menschenringen bleibt nur noch einer übrig. Als sich aber das Wetter bessert und die wärmende Sonne erscheint, hört man das Summen der Propeller und die "Schwaben" kommt in Sicht. "Es war ein prächtiger Anblick", schreibt die Presse, "so das Luftschiff in seiner ganzen imposanten Größe zu sehen." Nach dem Passagierwechsel fliegt der Zeppelin wieder nach Oos zurück.

LZ 15 wird zerstört

Ein Jahr vor dem Ersten Weltkrieg verläuft das Schicksal des Militärluftschiffs LZ 15 nicht so glücklich. Der Zeppelin LZ 15 ist das fünfzehnte Luftschiff des Grafen Zeppelin und das fünfte Luftschiff des deutschen Heeres. Am Nachmittag des 19. März 1913 kann das Schiff seinen Heimathafen Baden-Oos nicht mehr erreichen und muss unter der Führung von Kapitän Horn und nach einer zwanzigstündigen Fahrt mangels Benzins auf dem Exerzierplatz notlanden.

Zeppelin "Schwaben" Anflug, Landung, Empfang auf dem Exerzierplatz am 29.9.1911
Zeppelin "Schwaben" Anflug, Landung, Empfang auf dem Exerzierplatz am 29.9.1911 | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XI (1608)

Hier bricht es wegen schlechten Wetters entzwei – glücklicherweise wird niemand dabei verletzt. Wie konnte das geschehen? Der Zeppelin erscheint nachmittags gegen 13.30 Uhr über Karlsruhe – wegen des starken Wirbelwindes ist es nicht möglich weiter nach Oos zu fliegen. Augenzeugen berichten, wie das Luftschiff mit allen Kräften gegen den Sturm kämpft, aber ohne Erfolg und es wird weiter Richtung Karlsruhe getrieben.

Tausende von Leuten schauen zwei Stunden lang "mit Staunen und Furcht" zu. Öfters fliegt der Zeppelin so niedrig, dass er fast die Häuser und Bäume streift. Gegen 15 Uhr lässt sich das Militärschiff Richtung Exerzierplatz treiben. Tausende von Menschen, die seine Bewegungen von ihren Fenstern und Balkonen beobachten, lassen alles stehen und laufen zum Exerzierplatz.

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Mit unter den ersten, die den Platz erreichen sind die Fotografen. Die Polizei ist aber wachsam und beschlagnahmt viele Fotoapparate. Vom Luftschiff aus werden Notsignale gesendet und daraufhin wird das anwesende Militärpersonal vom 1. Badischen Leibgrenadierregiment Nr. 109 (Karlsruhes Hausregiment) zusammengezogen. Der Luftkreuzer nähert sich dem Exerzierplatz und versucht zu landen – was zuerst durch die wilde Menschenmenge verhindert wird. Teilweise steht der Zeppelin auch komplett still und kommt nicht vorwärts.

Menschen werden in die Luft gezogen

Es bedarf der ganzen Geschicklichkeit der Führer, das Schiff weiter zu bringen. Endlich gegen 15.30 Uhr ist es möglich, sich der Erde zu nähern. Mit Hilfe der Soldaten wird das Schiff auf den Boden gezogen. Das Luftschiff ist unbeschädigt und die Menge freut sich riesig. Soldaten und reitende Offiziere müssen die vorwärts stürmende Menge zurückdrängen.

Wohnbungalows entlang dem Naturschutzgebiet "Alter Flugplatz"
Wohnbungalows entlang dem Naturschutzgebiet "Alter Flugplatz" | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Der Sturm lässt aber nicht nach und der hintere Teil des Schiffs geht in die Luft, obwohl zwei Dutzend Grenadiere an den Tauen hängen. Endlich ist es so weit und es scheint alles in Ordnung zu sein – die Menschenmenge kehrt wieder in die Stadt zurück.

Kurz nach 17 Uhr jedoch kommt wieder ein starker Windstoß, bei dem das Luftschiff stark steigt und sogar zwei Soldaten mit in die Höhe reißt – glücklicherweise ist niemand verletzt, aber die Spitze bricht beim Aufstoß auf dem Boden ab. Dann dreht sich das Luftschiff und knickt in der Mitte entzwei. Die Soldaten stoßen sofort die Ballonetts auf, damit das Gas entweichen kann und eine Explosion vermieden wird. Es ist nichts mehr zu retten.

Die deutsche Luftfahrt wächst weiter

Das Militärschiff LZ 15 war erst ein paar Monate alt. Der Volksfreund beendet seinen Bericht mit einer Warnung an England und Frankreich, die gerade ein Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ominös erscheint:

Wenn die "Nachbarn jenseits der Vogesen und die Vettern jenseits des Kanals ihrer Schadenfreude unverhohlen die Zügel schießen lassen" – hat Deutschland jedoch die Gewissheit, versichert die Zeitung, dass Unfälle wie diese unsere bisherigen Erfolge im Luftschiffwesen nicht verkleinern können und man kann sicher sein, dass wir eine deutsche Luftflotte errichten werden.

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Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs besitzt die deutsche Armee neun Luftschiffe, 22 Heißluftballons und 233 Flugzeuge, die alle in erster Linie Aufklärungszwecken dienen. Diese Zahlen nehmen rapide zu und sowohl die Flugtechnologie als auch die Fähigkeiten der Piloten verbessern sich. Bis Ende des Jahres 1915 stehen dem Deutschen Reich rund 844 Flugzeuge zur Verfügung. Die große Mehrheit sind Bomber und Aufklärer.

 
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