Dass die Karlsruher ihre Kriegsstraße heute unter diesem Namen kennen, hat einen Grund - und der hat tatsächlich mit Krieg zu tun, genauer gesagt mit den sogenannten napoleonischen Kriegen: Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts will der französische Feldherr Napoleon Bonaparte die Landkarte in Europa zu seinem eigenen Vorteil verändern und auch das mit seiner Hilfe neu entstandene Land Baden spielt dabei eine Rolle.

Doch von Anfang an: Vor der Hausnummer 83 auf der Kriegsstraße in Karlsruhe steht eine interessante Skulptur. Die Plastik stammt aus der Werkstatt des Bildhauers Peter Lenk und zeigt Napoleon Bonaparte in den Armen einer Konstanzer Theater-Schauspielerin.

Kriegsstraße
Napoleon Bonaparte in den Armen einer Konstanzer Theater-Schauspielerin. | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Die Skulptur erinnert an den selbstgekrönten französischen Kaiser und Feldherrn, der öfter mit seinen Truppen und später den Truppen seiner Verbündeten durch Baden gezogen ist. Die Kriegsstraße wird ursprünglich im Jahr 1795 als Militärstraße angelegt, um die an den napoleonischen Kriegen beteiligten Truppen um das Stadtzentrum von Karlsruhe vorbeizuleiten. So dient sie zum Schutz der Karlsruher Bevölkerung.

Truppen ziehen durch Karlsruhe

Vom Original-Bauzustand der Kriegsstraße bleibt nur noch die Strecke zwischen dem Weinbrennerplatz und dem Kühlen Krug. Zwischen 1795 und 1796 wird die Straße vom Rüppurrer Tor bis zum Ettlinger Tor eingerichtet, damit die in den Kriegszeiten durchziehenden Truppen die Stadt umgehen können.

Ettlinger Tor
Die Kreuzung Kriegsstraße/Ettlinger Straße - noch vor dem fortgeschrittenen Bau des Autotunnels im Jahr 2018. | Bild: Corina Bohner

Von 1809 bis 1810 wird die Kriegsstraße bis zum Karlstor und zum ehemaligen Promenadewäldchen in der Weststadt weitergeführt, nachdem der Markgraf 1800 im Tausch die Beiertheimer Gemarkung für die Stadt erworben hat.

Napoleon Bonaparte führt mehrere Koalitionskriege

Zwischen 1792 und 1815 führt Napoleon mehrere sogenannte Koalitionskriege in Europa. Diese Kriege werden jeweils gegen Bündnisse von Ländern - sogenannte Koalitionen - geführt, beispielsweise gegen Preußen, Österreich und kleinere deutsche Staaten im Ersten Koalitionskrieg und gegen Russland, Österreich und Großbritannien im Zweiten Koalitionskrieg. Im ersten Krieg ist auch die Markgrafschaft Baden gegen Napoleon beteiligt.

Acabelle de Fleur
Napoleons Abbild steht bis heute auf der Kriegsstraße. | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Im Dritten Koalitionskrieg jedoch treten Baden, Württemberg und Bayern auf der Seite von Napoleon gegen die Alliierten Großbritannien, Russland, Schweden und Neapel ein. Das erreicht der französische Feldherr durch seine raffinierten politischen Strategien.

Außer Kriegen führt Napoleon Bonaparte immer auch eine strategische Bündnispolitik. Dazu gehört, dass er 1806 seine Adoptivtochter Stéphanie de Beauharnais mit dem Markgrafen Karl Friedrich von Baden verheiratet. Karl Friedrich ist der Sohn von Karl Ludwig von Baden und Amalie von Hessen-Darmstadt und der Enkel von Markgraf Karl Friedrich und Markgräfin Karoline Luise.

Vorteile für die Markgrafschaft Baden

Zwei neue Konzepte verschaffen Karl Friedrich jetzt gewisse Vorteile: der sogenannte Reichsdeputationshauptschluss und der neue Rheinbund. Das neue Land Baden entsteht am Anfang des 19. Jahrhunderts unter der Protektion Napoleons.

Der Reichsdeputationshauptschluss, der im Jahr 1803 gefasst wird, ist ein Beschluss, der festsetzt, dass die deutschen Fürsten für ihre linksrheinischen Gebietsverluste an Frankreich abgefunden werden sollen. Als Folge erhält Baden bis 1806 viele neue kleine Territorien.

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Bereits 1803 zum Kurfürsten erhoben, wird der Markgraf Karl Friedrich jetzt durch den Beitritt zum Rheinbund 1806 zum Großherzog von Baden. Der Rheinbund ist ein Bund deutscher Fürsten, die unter dem Druck Napoleons aus dem Verband des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation austreten.

Dieser Rheinbund ist ein Militärbündnis und seine Mitglieder sind verpflichtet, Frankreich militärisch zu unterstützen. Durch dieses Bündnis mit Napoleon kämpfen badische Soldaten in den weiteren Schlachten Napoleons mit.

Durch den Deutsch-Französische Krieg ändert sich alles

Einige Jahrzehnte später jedoch, im Jahre 1870 sieht die politische Lage in Frankreich ganz anders aus. Der Norddeutsche Bund – die Vereinigung aller deutschen Staaten nördlich der Mainlinie unter preußischer Führung – und die deutschen Südstaaten kämpfen im Deutsch-Französischen Krieg gegen das Französische Kaiserreich.

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Napoleon III, der französische Kaiser, kommt nach der Schlacht bei Sedan in Gefangenschaft und der Krieg endet 1871 mit einem Sieg für die Deutschen, der Gründung des Deutschen Reichs und dem Ende des Zweiten Französischen Kaiserreichs.

Eröffnung am 11.12.2021 in Karlsruhe (Innenstadt), Germany
Bild: Carmele/ TMC-Fotografie

Die Gebiete Elsaß und Lothringen werden von Deutschland annektiert und überall in Deutschland werden Kriegerdenkmäler errichtet, die zum großen Teil heute noch stehen. Wilhelm, der König von Preußen, nimmt den Titel "Deutscher Kaiser" an. Dazu ist er wenig motiviert, denn er achtet den Titel des preußischen Königs höher. Sein Schwiegersohn ist der badische Großherzog Friedrich I.

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Die Kriegsstraße als Kaiserstraße?

Der "Verkündiger" - ein Intelligenz- und Anzeigeblatt des Bahnhof-Stadtteils - berichtet am 11. August 1877, dass – anlässlich der Enthüllung des Karlsruher Kriegerdenkmals – der Vorschlag gemacht wurde, den Namen der Kriegsstraße in "Kaiser-Wilhelm-Straße" umzutaufen. Dieser Vorschlag wird jedoch abgewiesen, aus dem Grund, dass die Straße dann leicht mit der bestehenden Wilhelmstraße verwechselt werden könnte.

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Jedoch ließe sich die Sache einfacher machen, so schlägt der "Verkündiger" vor – indem man die Kriegsstraße in "Kaiserstraße" umbenennt. Zu diesem Zeitpunkt heißt die heutige Kaiserstraße noch Lange Straße. Erst zum Anlass der Goldenen Hochzeit von Kaiser Wilhelm und Kaiserin Augusta im Jahr 1879 wird die Lange Straße und nicht die Kriegsstraße in "Kaiserstraße" umgetauft.

 
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