Der morgendliche Nieselregen konnte die Eröffnung der Weihnachtsmärkte am heutigen Donnerstag um 11 Uhr offenkundig nicht bremsen. Als am bewölkten Vormittag die Tore und Barrikaden vor dem Christkindlesmarkt am Marktplatz und dem Waldweihnachtsmarkt auf dem Friedrichsplatz geöffnet werden, strömen die Menschenmassen nach und nach ein.

Eröffnung der Weihnachtsmärkte
Es dauert nicht lange, bis sich die ersten Schlangen bilden. | Bild: Lars Notararigo

Begeisterung ist dabei ebenso zu spüren wie ein leichter Rest von Vorsicht und Misstrauen - sowohl die Besucher als auch die Betreiber der Stände erinnern sich an die allzu schnellen Kurswechsel, die noch ein Jahr zuvor während der Pandemie herrschten und auch jetzt noch nicht ganz tot geglaubt sind.

"Befreiend, ohne Verkleidung im Gesicht zu kommen"

"Es ist ein wirklich sehr befreiendes Gefühl, auf den Weihnachtsmarkt zu können, ohne Absperrungen und Verkleidung im Gesicht", sagt zum Beispiel die Christkindlesmarktgängerin Martina. "Letztes Jahr mit den Einschränkungen bin ich zum Beispiel gar nicht hergekommen."

Eröffnung der Weihnachtsmärkte
Christkindlesmarktbesucherinnen Liane und Martine (v.l.) | Bild: Lars Notararigo

Inwieweit dieser Zustand bestehen kann, bleibe abzuwarten. "Wir haben natürlich die Erfahrung gemacht, dass sich die Verordnungen innerhalb eines Tages ändern, hoffen aber, dass das diesmal nicht der Fall ist", so Martina. Diese Hoffnung hegen auch andere Marktgänger.

"Dieses Jahr ist es eine andere Situation"

So meint ein junger Mann, der anonym bleiben möchte, "dass es heute immerhin eine völlig andere Situation ist. Letztes Jahr war noch die Delta-Variante vorherrschend. Heute mit Omikron kann man das Risiko zumindest besser abwägen, das man eingeht. Und ich finde, es ist einen Gang auf den Christkindlesmarkt wert." Eine Ansicht, deren hohe Verbreitung sich an der Zahl der Marktbesucher abzählen lässt.

Eröffnung der Weihnachtsmärkte
Ironischerweise bilden sich dank Glühwein die (Menschen)trauben. | Bild: Lars Notararigo

"Hier in Karlsruhe ist es einfach immer wieder schön. Und jetzt, ohne die Corona-Einschränkungen kommt auch mal wirkliche Weihnachtsstimmung auf", sagt Susanne, ebenfalls Besucherin. "Ich besuche zur Weihnachtszeit nämlich gerne viele Märkte in verschiedenen Städten und der Christkindlesmarkt ist immer ein Highlight und bietet immer etwas Neues."

Neue Stände, neue Plätze, neue Inhaber

Auf etwas Neues müssen sich dabei nicht nur die Besucher einstellen. Denn neben neuen Attraktionen wie dem Riesenrad müssen sich auch die Ständebetreiber auf neue Gegebenheiten einstellen. "Wir haben zum Beispiel einen ganz anderen Stammplatz als früher, jetzt, wo der Marktplatz renoviert wurde", sagt die Betreiberin des traditionell gewordenen Heiße Maroni-Standes.

Eröffnung der Weihnachtsmärkte
Bild: Lars Notararigo

Jene neue Verteilung der Plätze gereicht dem ein oder anderen aber auch zum Vorteil. Etwa dem Spirit of Liebs-Juwelierstand. "Wir haben jetzt einen Durchgangsstand in der Mitte des Platzes, das heißt, man kommt wahrscheinlich an uns vorbei, wenn man über den Markt geht", sagt Standbetreiber Philipp.

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Juliane, Philipp und Lisa (v.l.) betreiben einen Juwelierstand. | Bild: Lars Notararigo

"Man merkt auch, dass die Leute in besserer Stimmung sind", sagt Verkäuferin Juliane, ebenfalls Teil des Juwelierstandes. "Ohne die Corona-Regeln ist mehr los und die Leute haben auch viel weihnachtlichere Laune. Natürlich hält sich der Andrang vormittags aber noch in Grenzen."

"Ich bin froh um die Ruhe"

Der ein oder andere ist dabei durchaus froh, zu einer Zeit zu kommen, wo der Marktplatz noch nicht übervoll ist. "So ist es deutlich entspannter und ruhiger als abends, wenn der Platz überläuft", sagt Besucherin Sandra. "Da ist es auch ein wenig sicherer, was Corona angeht. Und als Mutter von Kindern ist abends auf den Weihnachtsmarkt zu gehen sowieso keine so wirkliche Option."

Eröffnung der Weihnachtsmärkte
Manche Bereiche sind Vormittags noch recht leer. | Bild: Lars Notararigo

Wer etwas mehr Ruhe dem vielbelebten Marktplatz vorzieht und auch ein wenig Kinderprogramm sucht, habe sowieso die Möglichkeit, einen Block weiter seine Weihnachtsstimmung auf dem Friedrichsplatz zu suchen.

Der Waldweihnachtsmarkt auf dem Friedrichsplatz

Nachdem der Waldweihnachtsmarkt auf dem Friedrichsplatz nämlich gezwungenermaßen eine Corona-Pause einlegen musste, ist er 2022 erstmals wieder eröffnet. Sehr zur Freude von Gästen und Betrieben.

Eröffnung der Weihnachtsmärkte
Zwischen den Tannenwipfeln genießen Gäste von nah und fern die Vorweihnachtszeit. | Bild: Lars Notararigo

"Hier ist die Luft gut und wir finden den Friedrichsplatz so viel schöner als den Marktplatz", sagt zum Beispiel die an der Waldweihnacht eintreffende Claudia. "Es ist wirklich schön, dass der Markt wieder stattfindet, und das alles ohne Masken und Eintrittskontrollen."

Eröffnung der Weihnachtsmärkte
Gerrit, Claudia und Felix freuen sich sehr auf die Weihnachtszeit in Karlsruhe. | Bild: Lars Notararigo

Dass sich auch die Budenbetreiber sehr erleichtert und froh über die Rückkehr auf den Friedrichsplatz zeigen, versteht sich beinahe von selbst. "Wir sind sehr glücklich, uns wieder frei beweglich und mit vollem Sortiment unserem Weihnachtspublikum präsentieren zu dürfen", sagt etwa Peter Reithmeier, Betreiber des Standes Bienenhof Karlsruhe.

Eröffnung der Weihnachtsmärkte
Bild: Lars Notararigo

"Vor allem deshalb, weil wir unseren Stammplatz wieder haben und auch alle unsere Zweigstellen wieder aufnehmen können", so Reithmeier weiter. "Nach Ettlingen konnten wir mit dem Bienenhof auch zurückkehren."

"Die Leute sind aggressiver geworden"

Soweit scheint die Rückkehr zu einer verhältnismäßigen Normalität nur Vorteile zu bringen. Allerdings sind nicht alle Mitarbeiter der Märkte gänzlich vom anschwellenden Zustrom der Marktbesucher begeistert. Das Personal, dass bei den Toilettencontainern für Sicherheit und Ordnung sorgen soll, zeigt sich skeptisch.

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Petra und Sebastian von der Aufsicht der sanitären Anlagen. | Bild: Lars Notararigo

"Die Leute sind aggressiver geworden, zickiger und enthemmter, seit die Corona-Maßnahmen wegfallen", sagt Sebastian, der gemeinsam mit seiner Kollegin Petra Aufsichtsdienst für die WCs hat. "Und wenn sie etwas getrunken haben werden sie nur schlimmer." Ob die gute Stimmung der Märkte auch durchgehend friedlich bleibt, müsse sich also noch zeigen.

 
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