"Das ist Karlsruhe seinen Söhnen schuldig", untermauerte am Dienstagabend CDU-Stadtrat Thorsten Ehlgötz den Antrag, ein Ehren-Paket für Carl Benz und Karl Drais zu schnüren. Das sei die Geburtsstadt von Benz und Drais den Erfindern schuldig.

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Die Fraktion der CDU im Gemeinderat forderte deshalb in einem Antrag an die Stadtverwaltung einen Nachbau des Motorwagens Carl Benz' für das Stadtmuseum, Gedenktafeln sowie Schilder am Ortseingang und an der Südtangente. Unabhängig davon seien bereits die Denkmäler für Benz und Drais gereinigt worden, gab die Stadtverwaltung in ihrer Antwort zu bedenken.

Arnt Bokemüller vom Verein "Tribut an Carl Benz" fühlt sich durch den Antrag im Gemeinderat endlich erhört. Am Dienstag begrüßte er die Erfinder-Urenkelin Jutta Benz in Karlsruhe. Nach einem Besuch am Nachbau des Motorwagens in der Rheinstraße lauschte Benz außerdem der Diskussion im Gemeinderat.

"Ich bin es gewohnt, dass mein Ur-Großvater vergessen wird", sagte Jutta Benz im Gespräch mit ka-news. "Aber Karlsruhe wacht gerade auf - und um aufzuwachen ist es nie zu spät. Ich hoffe der Wecker ist gestellt." Denn ihrer Meinung nach habe Karlsruhe lange Zeit vergessen, dass der Erfinder des Autos in der Fächerstadt geboren ist. Bisher habe sie nur aus privaten Kontakten von den Bemühungen in Karlsruhe mitbekommen und gerne würde sie Ortsschilder, wie von der CDU im Antrag vorgeschlagen, in Karlsruhe sehen. "Auch an der Autobahn ist ein solches Hinweisschild vorstellbar. Und gerade wo hier so viele Baustellen sind, sollte die Stadt an die Wurzeln der Mobilität erinnern", so Benz weiter.

Umfrageergebnis: "Karlsruhe muss mehr für seine Tüftler und Erfinder machen."

Zum Stadtgeburtstag 2011, als die Stadt unter dem Motto "Karlsruhe nimmt Fahrt auf" feierte, konnte Jutta Benz nicht anwesend sein. In verschiedenen Veranstaltungen wurde hier den Erfindern der Mobilität gedacht. Aber auch für das Jubiläum 2015 wird die Urenkelin eingeladen sein, versicherte Gesa Müller von der Hagen. "Das Thema Mobilität wird beim Stadtgeburtstag einen zentralen Punkt einnehmen, und wir hoffen, dass Frau Benz in Karlsruhe dabei sein wird", sagte die Cheforganisatorin des Stadtjubliäums im Gespräch mit ka-news. Jutta Benz schloss nicht aus, die Fächerstadt öfter zu besuchen und die Stadt zu unterstützen und zu beraten. "Aber nur wenn ich den Eindruck habe, dass die Ideen sinnvoll sind."

Die meisten Teilnehmer unserer nicht repräsentativen Umfrage zum Thema sehen die Stadt in der Pflicht. 55,64 Prozent sagen: "Karlsruhe müsste viel mehr aus seinen Tüftlern und Erfindern machen." Mehr als ein weiteres Viertel der Umfrageteilnehmer meint, dass "mehr nicht schaden könnte." Diese 26,55 Prozent sind aber der Meinung, dass solche Dinge nur umgesetzt werden sollten, wenn das Geld dann nicht an anderer Stelle fehlt. 12,73 Prozent hingegen sind der Ansicht, dass keinesfalls mehr getan werden muss. "Karlsruhe tut hier genug", so das Votum. 5,08 Prozent gaben an, dass das Thema bei ihnen kein Interesse hervorrufe.

Weniger eindeutig ist die Antwort der Stadt Karlsruhe auf den Antrag der CDU-Gemeinderatsfraktion. Dauerhafte XXL-Schilder am Ortseingang für Drais und Benz lehnt die Stadtverwaltung ab. Eine Dauerleihgabe oder ein Kauf des Nachbaus werde hingegen geprüft, ebenso die Anbringung der Gedenktafeln an den Nachbauten der ehemaligen Wohnorte. Jedoch stellte die Verwaltung auch klar, dass Benz und Drais vor allem in den Jahren 2010 und 2011 durch gezielte Kampagnen gewürdigt wurden.

Ehren-Paket: Keine einhellige Meinung im Karlsruher Gemeinderat

"Es ist wichtig, dass wir diese Namen weiter hinaustragen und mit Karlsruhe weiter in Verbindung bringen", sagte CDU-Stadtrat Ehlgötz am Dienstagabend. Das Stadtmarketing sei hier in der Pflicht und müsse für die Umsetzung sorgen. Lüppo Cramer von der Karlsruher Liste (KAL) unterstützte die Aussage der Stadt, dass die Erfindungen sowie Benz und Drais eher in einen aktuellen Bezug eingebaut werden sollten. "Wir müssen sie in die Gegenwart holen", sagte der KAL-Stadtrat. Auch die FDP bemängelte, dass der "Antrag sich nur nach hinten richtet." Karlsruhe mache längst genug dafür, so Karl-Heinz Jooß.

Jooß sieht auch die Firma Daimler in der Pflicht, die den Namen Benz bereits aus ihrem Firmennamen gestrichen hat. Elke Ernemann von der SPD sprach sich hingegen für eine Erweiterung des Paketes auf den Karlsruher Bauingenieur Robert Gerwig aus - zumal einige Punkte des Antrags bereits umgesetzt worden seien. Ernemann und Grünen-Stadtrat Johannes Honné lehnen ebenfalls dauerhafte Schilder am Ortseingang ab.

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