Mit einem breiten Lächeln öffnet Corinna Hönes am Nachmittag des 25. Januars die Türen zum Cats Café. Hönes freut sich auf das Interview und über eine frische Lieferung Katzenfutter. "Das ist eine unglaublich liebe Spende. Unsere Unterstützer wissen, dass wir zu kämpfen haben", erklärt Hönes ihre Begeisterung. 

Katzencafé Interview Corinna Hönes
Bild: Thomas Riedel

Diese Lieferungen treffen regelmäßig ein und versorgen die Katzen mit allen nötigen Leckereien und Snacks, so die Inhaberin. "Dass vor allem in dieser schweren Zeit immer noch hinter uns gestanden wird, das gibt uns die nötige Zuversicht für die Zukunft."

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Katzen werden umsorgt

Mitarbeiterin Hannah Weinland freut sich ebenfalls und widmet sich weiter der Versorgung der neun Katzen, die entweder um ihre Aufmerksamkeit wetteifern oder die Neuankömmlinge - uns - in Empfang nehmen. Seit Anfang September verbringt Weinland knapp vier Nachmittage in der Woche damit, die Vierbeiner zu bespaßen, zu füttern und sich um ihre Hinterlassenschaften zu kümmern.

"Ich bin meistens zwei bis drei Stunden hier und schaue nach dem Rechten. Etwas länger, wenn ich mich zu sehr von den Katzen ablenken lasse", sagt die Mitarbeiterin.

Eine der Katzen ist mittlerweile zu Hönes umgezogen. "Stasja schien ein wenig unglücklich zu sein und deshalb habe ich sie mit nach Hause genommen. Ich kann meinen Katzen keinen Wunsch abschlagen", meint sie. Auch die Katzen Tatjana und Mona hätten seit Längerem eine neue Bleibe bei ehemaligen Mitarbeitern gefunden.

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Von Höhen und Tiefen

Über die Mitarbeiter will Hönes zunächst gar nicht sprechen - tut es dann aber doch. "Es lief alles wie am Schnürchen, bis wir die beiden ins Boot geholt haben", erklärt die Inhaberin und nimmt auf einer Sitzbank Platz. Im Nachgang erklärt sie, dass von einem Ehepaar die Rede ist, das ihr und ihrem Partner ab Herbst 2021 eigentlich die Arbeit im Café erleichtern sollte - bis dann alles aus den Fugen geriet.

Katzencafé Interview Corinna Hönes
Bild: Thomas Riedel

Zu Beginn habe Hönes gemeinsam mit ihrem Freund das Tagesgeschäft im Cats Café vollkommen alleine gestemmt. "Er hat die Küche übernommen und ich den Service. Am Wochenende haben dann gelegentlich ein bis zwei Mitarbeiter ausgeholfen", erklärt die Inhaberin. Das habe von der Eröffnung im November 2017 bis Anfang 2020 gut geklappt, dann der Tiefschlag: Im März 2020 tritt der erste Corona-Lockdown in Kraft

"Alles allein gemacht"

Nach dem Ende der Zwangspause rappelt sich das Café wieder auf. "Ich habe 24 Stunden am Tag gearbeitet, um das Cats Café am Laufen zu halten", berichtet Hönes. An Wochenenden hätten zwar auch nach dem Lockdown weiterhin Mitarbeiter ausgeholfen, doch nach ihrem Gefühl habe Hönes "alles allein gemacht". Wie genau sie und ihr Partner diese schwierige Zeit überbrückten, darüber spricht die Inhaberin nicht.

Katzencafé Interview Corinna Hönes
Corinna Hönes, Inhaberin des Cats Cafés in Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

Bei einem Punkt ist sich Hönes allerdings sicher: "Als wir das allein gemacht haben, lief das Café besser. Wir konnten sogar unsere Schulden allmählich abbauen." Doch die alleinige Last und langen Arbeitstage hätten zunehmend ihren Tribut gefordert, erklärt Hönes. "Ich konnte dann irgendwann einfach nicht mehr. Wir haben Unterstützung gebraucht" - und die habe die Inhaberin anfangs auch bekommen.

"Das war ein Fehler"

So stellten sich im Herbst 2021 zwei potenzielle neue Mitarbeiter vor: Das vorhin genannte Ehepaar. "Die beiden schienen einen kompetenten Eindruck zu machen. Sie hatten Erfahrung in der Gastronomie und Hotelgewerbe", so Hönes. Prompt seien die beiden also eingestellt worden und mit wichtigen Pflichten rund um das Café betraut worden. "Ich habe alles an sie abgegeben. Personalbudget, Einkaufsplanung, alles", erklärt die Inhaberin. "Das war ein Fehler."

Katzencafé Interview Corinna Hönes
Bild: Thomas Riedel

Binnen weniger Wochen seien etliche neue Mitarbeiter angestellt und Lebensmittel zu überteuerten Preisen eingekauft worden, so Hönes. "Meine Vorgabe von 5.000 Euro Personalkosten wurden einfach missachtet." Am Ende sei die Inhaberin vor den dreifachen monatlichen Ausgaben gestanden - und erneut in die Schulden gerutscht. 

Katzencafé Interview Corinna Hönes
Bild: Thomas Riedel

"Ich konnte einfach nichts machen. Ich war von meiner Arbeit ausgelaugt, litt an Burn-out und konnte den beiden kein Einhalt gebieten - auf meine Anweisungen haben sie nicht gehört", erklärt sie. So sei das Café über Monate heruntergewirtschaftet worden. Als infolge der gestiegenen Ausgaben die ersten Lohnzahlungen ausbleiben, zieht das neue Personal die Reißleine. "Auf einen Schlag haben sich alle wochenlang krankgemeldet - und ich musste wieder einspringen", so Hönes. 

Es geht vor Gericht

Im Spätsommer 2022 hätten sich dann die letzten Krankmeldungen in Kündigungen verwandelt und das Café sei wieder ihr und ihrem Partner überlassen worden, sagt die Inhaberin. "Ich habe versucht, die Gehälter irgendwie zusammen zu bekommen, sogar auf Kosten meiner eigenen Existenzgrundlage. Teilweise hat es geklappt."

Trotzdem lässt sich nicht verhindern, dass fünf Mitarbeiter Klage gegen Hönes wegen nicht gezahlter Löhne einreichen. Der Versuch, sich außergerichtlich zu einigen, scheitert. Das bestätigt auch eine ehemalige Katzencafé-Mitarbeiterin, die ka-news.de am 16. Januar bei einer der Verhandlungen am Arbeitsgericht trifft.

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Die Inhaberin selbst ist an dem Tag der Verhandlung nicht anwesend. "Das hat mir mein Rechtsbeistand nahegelegt", erklärt Hönes.

Ein Lichtblick

Wenige Wochen später erscheint schließlich Daria Levendeeva im Cats Café - ein Lichtblick. Nachdem die ehemalige Mitarbeiterin für eine gewisse Zeit aushilft, unterbreitet sie Hönes schließlich ein Angebot: "Ich kann das Café übernehmen."

Katzencafé Interview Corinna Hönes
Bild: Thomas Riedel

Levendeeva habe schon seit Eröffnung tatkräftig im Cats Café unterstützt und den Wunsch geäußert, eines Tages ein eigenes zu unterhalten, meint Hönes. "Deshalb hat es mich so unglaublich gefreut, dass sie das Café an unserem Standort mitsamt allen Katzen weiterführen will." Das sei ein Happy End für die Stammkunden, den hilfsbereiten Vermieter und vor allem für die Katzen."

Katzencafé Interview Corinna Hönes
Damit für die Katzen im Notfall gesorgt ist, gibt es eine Kontaktliste mit "Adoptiveltern". | Bild: Thomas Riedel

Alles bleibt dann aber wohl doch nicht so wie es ist. "Neue Farbe, neues Logo, neuer Name und ausschließlich vegetarisch/vegane Küche. Das wir die Gäste im neuen Café erwarten", erklärt Hönes. Sie selbst werde nur noch sporadisch an den Wochenenden aushelfen und beratend zur Seite stehen.

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"Ich, werde mich hauptsächlich dem Merchandise widmen und mit meinem Shop bald online gehen", meint sie. Die Marke "Cats Café" sei bereits patentiert. Wann die Internetseite - die ehemalig die offizielle Seite des Cafés war - allerdings online ginge, das könne sie noch nicht sagen.