"In einer boomenden Stadt muss immer weiter gebaut werden", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup bei der Vorstellung der Bauprojekte 2022. "Immerhin sind noch immer viele Straßen überlastet, einige Haltestellen müssen barrierefrei werden und es gibt vieles an Stromleitungen, Kommunikation und Digitalisierung aufzustocken", so Mentrup weiter. "Ein Lichtblick ist allerdings die bald fertiggestellte Kombilösung."

Frank Mentrup
Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup. | Bild: Melissa Betsch

Am 26. März nämlich soll der Karoline-Luise-Tunnel in der Kriegsstraße nach vielen Verzögerungen eröffnet werden, womit die Kombilösung gemeinsam mit dem U-Strab-Tunnel endgültig fertiggestellt sei. "Das ist für die Stadt Karlsruhe auf sehr vielen ein wichtiger Erfolg. Einerseits da der Verkehr damit flexibler und sicherer ist, andererseits da es nun eine verbesserte Infrastruktur mit mehr Ausfahrtmöglichkeiten für Fahrer gibt", sagt der OB.

Über 500 Anmeldungen für Bauvorhaben

"Außerdem können wir uns nun den Arbeiten um das ehemalige Baustellengebiet der Kombilösung widmen, dem wir aufgrund der Tunnel nicht alle Aufmerksamkeit widmen könnten", fügt er hinzu. Und dass die Kombilösung den kleineren Bauvorhaben nun nicht mehr im Wege steht (weder baulich noch finanziell) macht sich deutlich bemerkbar. "Wir zählen insgesamt 526 Vorabanmeldungen für Bauvorhaben verschiedenster Art, die auf das Jahr 2022 datiert sind", so Martin Kissel, Leiter des Tiefbauamtes.

Martin Kissel, Leiter des Tiefbauamts Karlsruhe.
Martin Kissel, Leiter des Tiefbauamts Karlsruhe. | Bild: Ingo Rothermund

"Dazu zählen Großprojekte wie der fertiggestellte Karoline-Luise-Tunnel oder die Sanierung des Edeltrudtunnels, die nach einer mehrmonatigen Baupause nun wieder aufgenommen wird. Ebenso aber sehr viele Straßen, von der A5 bis hin zur B36 und innerstädtischen Straßen", erklärt Kissel. Was man auch nicht außer Acht lassen darf sind die unterirdischen Baumaßnahmen - etwa zur Erneuerung des Stromnetzes oder Glasfaserkabelverlegungen für schnelleres Internet."

Die Modernisierung des Edeltrudtunnels

"Wir sind wirklich froh, schon zwei Abschnitte des Tunnels erledigt zu haben", meint Kissel. Nun stehe aber die nächste Bauphase an. "Von Januar wollen wir bis voraussichtlich zum Frühjahr 2023 16 Strahlventilatoren installieren, über 5000 LEDs einbauen und 220 Kilometer an Kabeln verlegen. Wir erneuern die Lüftung, die Beleuchtung sowie die Strom- und Wasserversorgung."

Das könnte Sie auch interessieren

Zum Zweck, den Straßenverkehr nicht zu sehr einzuschränken, wolle man den Tunnel im Laufe des Jahres durch Trennwände in drei vertikale Segmente einteilen, jede davon werde einzeln bearbeitet. "Auf diese Weise können wir zu jeder Zeit vier Spuren - zwei in jede Richtung - für den Autoverkehr freigeben", so Kissel. 

Fahrbahnerneuerung auf der A5 

Nach einem ganzen Jahr Baupause soll ab Mai auch wieder die Autobahn instand gesetzt werden. Zwischen der Ausfahrt Ettlingen und dem Autobahnkreuz Karlsruhe werden daher zwei Fahrbahnstreifen von der Fahrbahnrichtung Frankfurt auf die Gegenfahrbahn in Richtung Basel umgeleitet, wie Kissel erklärt. "Bis Ende Oktober sollte der Verkehr auf diese Weise kompromittiert sein." 

Erneuerungen der Bundesstraßen B3, B10 und B36

Vor allem die Kriegsstraße und deren Umgebung könne mit der fertiggestellten Kombilösung nun ebenfalls durch einige Baumaßnahmen auf Vordermann gebracht werden. Aber auch die Innenstadt hat einige Erneuerungen vor sich.

  • B 36 Eckenerstraße - Michelinstraße
    Bauzeit: Januar 2022 bis April 2023 
    • Ein Fahrstreifen je Richtung auf der B 36
    • Rheinhafenstraße Sperrung in Bauphasen
    • Daxlander Straße Sperrung in Bauphasen
    • Zeppelinstraße Sperrung in Bauphasen
    • B 36 Michelinstraße zwischen Zeppelin- und Blohnstraße kurzzeitige Sperrung in einer Bauphase
  • B36 Eckenerstraße /Rheinhafenstraße
    Bauzeit: 8. Juli bis 17. August
    • Gleisbau
    • Leitungsbau Gas /Wasser
    • Fahrbahnerneuerung
    Aufgrund dieser Baustelle sei die Rheinhafenstraße nur noch Indirekt über Wendestellen erreichbar.
  • B36 Neureuter Straße /Knielingen
    Bauzeit: Voraussichtlich zwei bis vier Wochen im September
    • Fahrbahnerneuerung nördlich der Sudetenstraße
    • Fahrbahnerneuerung zwischen Boschstraße und Siemensallee
    • Beide Baustellen sollen eine Verkehrsführung mit Überleitung auf die Gegenfahrbahn zur Folge haben
  • B10 Grötzinger Kreuz – Rintheim /Elfmorgenbruch
    Bauzeit: Ende April bis Juli
    • Überleitung auf die Gegenfahrbahn, zeitweise Sperrung von Fahrtrichtungen zwischen Elfmorgenbruchstraße und Kreisstraße K 9659
    • Ende April bis Ende Mai, wechselweise Teilsperrungen AS KA-Nord, zwei Bauabschnitte jeweils ca. 2-3 Wochen
    • Wechselweise Sperrung der Zu- und Abfahrt K 9659, zwei Bauabschnitte
  • B3 (Südtangente) - Fiduciastraße -Killisfeldstraße
    Bauzeit: Februar 2022 bis April 2023
    • Fiduciastraße, Killisfeldstraße, Raiherwiesenstraße: einstreifige Fahrbahnsperrung
    • Südtangente und Fiduciastraße: Entfall von Richtungsstreifen von Februar bis April
    • Ortsumfahrung Wolfartsweier: Für zwei Wochen gesperrt in Richtung Südtangente
    • Killisfeldstraße zwischen Ottostraße und Im Blumenwinkel: Umleitung um die Anliegerstraße von Mai 2022 bis April 2023

Erneuerungen der innerstädtischen Straßen

Vor allem die Kriegsstraße und deren Umgebung könne mit der fertiggestellten Kombilösung nun ebenfalls durch einige Baumaßnahmen auf Vordermann gebracht werden. Aber auch die Innenstadt hat einige Erneuerungen vor sich.

  • Kriegsstraße
    Baubeginn: Ende März nach Inbetriebnahme Karoline-Luise-Tunnels
    • Nordfahrbahn Karlstor bis Hirschstraße: Ende März bis Ende April, Sperrung der Fahrtrichtung
    • Südfahrbahn Hirschstraße bis Karlstor: Ende März bis Anfang Juni, Sperrung der Fahrtrichtung
    • Karlstor bis Ritterstraße: Ende April bis Anfang Juni, Engstelle
  • Zentrum - Oststadt - Waldstadt - Rintheim
    • Theodor-Heuss-Allee: Straßenbau Januar bis Ende Juni, Vollsperrung;
    • Adenauerring zwischen Kurze Allee und Friedrichstaler Allee: Straßenbau, Juli bis Oktober 1-streifige Verkehrsführung
    • Rintheimer Querallee: Fernwärme, Juli bis September
    • Haid-und-Neu-Straße: Straßenbau, September bis November
    • Rintheimer Querallee: Telekommunikation, noch nicht abgestimmt
  • Karlstraße /Mathystraße
    Bauzeit: Anfang März bis 23. April Vorarbeiten, 24. April bis 7. Juni Gleisarbeiten
    • Gleissperrung zwischen Mathystraße und Ebertstraße
    • Sperrung Karlstraße zwischen Bahnhofstraße und Mathystraße
    • Sperrung Mathystraße zwischen Renckstraße und Karlstraße, beide Fahrtrichtungen
    • Sperrung Karlstraße zwischen Südendstraße und Vorholzstraße, beide Fahrtrichtungen
    • Abwicklung Leitungsbau und Straßenbau ist in den Bauphasen beinhaltet
  • Brauerstraße
    • Südendstraße zwischen Brauerstraße und Lorenzstraße: Fahrbahnerneuerung und Vollsperrung, 20. Juni bis etwa 3. Juli
    • Brauerstraße zwischen Südendstraße und Hermann-Veit-Straße: Fahrbahnerneuerung und Sperrung der Fahrtrichtung, 4. bis 20. Juli
    • Brauerstraße /Gartenstraße: Erneuerung der Ampelanlagen, mit Verkehrsbehinderungen ab 20. Juni bis August ist zu rechnen
    • Brauerstraße zwischen Gartenstraße und Hermann-Veit-Straße: Leerrohrsystem Verkehrsmanagement, ab 20. Juni ein Fahrstreifen in Richtung Ostfahrbahn 9 und 15 Uhr gesperrt
  • Fritz-Erler-Straße
    Baubeginn: Ende März nach Inbetriebnahme Karoline-Luise-Tunnels
    Lückenschließung des Radwegs in der Fritz-Erler-Straße, über die gesamte Bauzeit bleibe die Fahrbahn in Richtung Mendelssohnplatz gesperrt.

Ein "Reallabor" zugunsten des Radverkehrs

Nicht nur die Ausarbeitung und Aneinanderknüpfung der Radwege in der Fritz-Erler-Straße solle künftig zu mehr Attraktivität für den Karlsruher Radverkehr führen. "In der Herrenalber Straße unternehmen wir einen Verkehrsversuch - oder wie man heutzutage wohl sagt ein Reallabor", sagt OB Mentrup. "Ab Februar wird einer der Fahrbahnstreifen der Herrenalber Straße für drei Monate für den ausschließlichen Radverkehr umfunktioniert." Die Stadt werde im Nachhinein auswerten, ob dies den Radverkehr entlaste und die Reduzierung des Autoverkehrs mit diesem Projekt kompatibel ist.

Schnelleres Internet für Karlsruhe

Neben Kraftfahrzeugen, Rädern und Fußgängern werde aber auch der Datenverkehr nicht außer Acht gelassen. "Wir stehen in Kontakt mit einer ganzen Reihe von Telekommunikationsunternehmen", sagt Jürgen Lohmeyer, Baustellenkoordinator der Stadt Karlsruhe. "Bereits fünf Stadtteile sollen mit leistungsfähigerem Glasfaserkabel ausgelegt werden und somit bald deutlich besseres Internet haben."

Jürgen Lohmeyer, Baustellenkoordinator der Stadt Karlsruhe.
Jürgen Lohmeyer, Baustellenkoordinator der Stadt Karlsruhe. | Bild: Needham|Mohawkvisuals

Diese Stadtteile seien Rheinhafen, Mühlburg, die Weststadt, die Südstadt und die Oststadt. "Die dabei agierenden Firmen können nach Bedarf für das Projekt Baustellen in Karlsruhe anlegen, wobei die Stadt keine rechtliche Grundlage hat, die genauen Standorte der Baustellen festzulegen, daher können wir noch nicht sagen, wann und wo die Baumaßnahmen stattfinden werden. Wir haben allerdings ein Rückmeldeabkommen mit den Firmen geschlossen."

Das könnte Sie auch interessieren

Für die Bauarbeiten könnten vor allem Gehwege und Parkplätze über längere Zeit blockiert werden. "Es wird sich vor allem auf den ruhenden und nicht auf den fließenden Verkehr auswirken. Das kann Probleme verursachen, gerade da Parkplätze in Coronazeiten ein noch höheres Gut geworden sind. Für eine fortschreitende Digitalisierung ist dieser Schritt aber unabdingbar", so Lohmeyer.

Die Kosten stehen bereits fest

Auf die Frage, wie diese Baustellen finanziert werden und ob die Stadt womöglich mit einer Kostenerhöhung rechne, erklärt Kissel: "Die für diesjährigen Baustellen anfallenden Kosten laufen bereits über das Haushaltsprogramm  und sind fest eingeplant. Von Kostenerhöhungen ist mir nichts bekannt." Auch der Oberbürgermeister hat zu diesem Thema etwas zu sagen.

"Natürlich kosten gerade die Erneuerungs- und Modernisierungsarbeiten ihr Geld, aber wir investieren damit auch in die Zukunft. Wenn wir nicht jedes Jahr Geld für Sanierungen zur Hand nehmen, holt uns die Nachlässigkeit irgendwann ein und es entstehen noch höhere Kosten", wie Mentrup schließt.