"Einfach machen – Patenschaften" heißt die Seite einer Hilfsorganisation, die Initiatorin Nadia Ayche aus Bruchsal seit Beginn des Jahrhunderthochwassers im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ins Leben rief. Ihre Intention: "Ich will schnell und unbürokratisch jedem Betroffenen mit Geld- oder Sachspenden helfen."

"We Ahr Family"

Dabei kommt ihr das deutschlandweit agierende Netzwerk aus freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern zugute, das den dort lebenden Menschen Hoffnung, Halt und Zuversicht bringt, frei nach dem Motto: "We Ahr Family." Viele Familien hätten alles verloren, doch Ayche möchte, dass trotz Pandemie und Krieg in der Ukraine die dortigen Menschen eine Perspektive haben, denn "Solidarität ist das Seil das hält, wenn alle Stricke reißen."

Nadia Ayche hilft im Ahrtal
Bild: Hans-Joachim Of

Jeder hat die schlimmen Bilder der Flutkatastrophe, die sich im vergangenen Sommer im Ahrtal ereignete, noch vor Augen. In der Nacht vom 15. Juli war die Ahr kein Flüsschen mehr. Tagelanger Regen hatte sie in ein Monster verwandelt und riss ganze Häuser mit. Über 180 Tote waren zu beklagen, das jüngste Opfer war ein Baby. Das Unwetter hatte fast das ganze Ahrtal in großen Teilen zerstört.

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Auch Eifelorte und Gebiete des Rheinlandes. Als die Sängerin, Songwriterin und Moderatorin die schrecklichen und schockierenden Bilder, "die man eigentlich nur aus anderen Ländern kennt", im Fernsehen sah, zeigte sie sich sehr betroffen und fasste den spontanen Entschluss: "Da muss ich helfen. Ich bin gut organisiert, ich gehe das an."

Hilfe läuft an

Und sie begann, im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihre Netzwerke zu aktivieren und Hilfstransporte zu organisieren. Die 47-jährige Künstlerin, die in der Vergangenheit schon beim Musical "Miss Saigon" eine Hauptrolle einnahm, eigene Produktionen veröffentlichte und mit der Formation "Mr.President" auf Tour war: "Ich habe alles an Sachspenden, was ich auftreiben konnte, dorthin geschickt."

Nadia Ayche hilft im Ahrtal
Bild: Hans-Joachim Of

Dank guter Kontakte sammelte sie im Laufe der Zeit eine große Anzahl von Gütern des täglichen Lebens, die von der an vielen Fronten aktiven Netzwerkerin teilweise persönlich in die Region gebracht oder den Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellt wurden.

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"Ich bin schnell im Umsetzen", lässt sie wissen. Zunächst waren das Bautrockner, Stromaggregate oder Kleidung, später auch Lebensmittel, Haushaltsgegenstände oder wie zuletzt gespendete Musikinstrumente für Vereine oder Bildungseinrichtungen. "Von 17 Schulen im Ahrtal wurden 16 durch die Flut in Mitleidenschaft gezogen", weiß Ayche.

"Ein schrecklicher Anblick"

Bei ihrer ersten Reise ins Ahrtal war sie sehr erschrocken und dachte: "Hier sieht es aus wie im Krieg." Tonnenweise sei das Hab und Gut der leidgeprüften Menschen angehäuft gewesen. "Ein schrecklicher Anblick." Im Moment würden zerstörte Häuser weiter repariert und aufgebaut, erste Familien kehren zurück, doch jede Situation, jedes Dorf sei anders.

Nadia Ayche hilft im Ahrtal
Bild: Hans-Joachim Of

Ayche ordnet ihre ganze Freizeit ihrem "Herzensprojekt" unter, ist Tag für Tag auf Achse, um zu organisieren, zu vermitteln, zu helfen. Und es geht immer weiter. Stets dabei ist ihr Maskottchen – der "ZufAHRsichtshase."

Die Ahrtaler seien, so Ayches Einschätzung, ein ganz besonderer Menschenschlag. Trotz vieler Probleme und Sorgen wird nicht gejammert, sondern positiv und mit Zuversicht nach vorne geschaut. "Sie nehmen ihr Schicksal an und sind froh, dass es Leute gibt, die einfach helfen. Eine sehr gute, sympathische Einstellung."

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Ihr Programm in der Vorwoche? 8.000 Euro Spendengelder an mehrere Betroffene und Helfer ausbezahlt. Anträge zusammen mit Familien ausgefüllt. Briefmarkenaktion für Sammler, die alles verloren haben, gestartet. Schulranzen vermittelt. Gefriertruhen gespendet bekommen. Kindergeburtstage organisiert.

Wohnmobilkontakt verschafft. Haushaltshilfe vermittelt und Umzug organisiert. Dazu Telefonate, E-Mails schreiben, Interviews im Radio oder TV. Auf ihrer eigenen Plattform "Einfach machen–Patenschaften.de" hat Ayche schon viele Menschen zusammengebracht und sagt: "Was vorstellbar ist, ist auch machbar."

CD-Einnahmen sollen Flutopfern helfen

Tatsache ist, dass sie bislang Tausende Euro an Spendengeldern "zusammengetrommelt" hat und auch mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Kontakt steht. "Viele Menschen haben mir dadurch auch eine gewisse Verantwortung übertragen, der ich mich gerne stelle", lässt sie wissen.

Nadia Ayche hilft im Ahrtal
Bild: Hans-Joachim Of

Da lag die Idee, ein Album mit Kinderliedern zu produzieren, dessen Erlös den Flutopfern im Ahrtal zu 100 Prozent zugutekommt, nahe. Die wunderschön gestaltete CD mit einer Spielzeit von 74 Minuten heißt "We AHR The Children", soll eine weitere Hilfe darstellen und den jüngsten Menschen in ihrer derzeitig schwierigen Lebenssituation, ein wenig Freude bereiten.

"Kinder leiden erfahrungsgemäß am meisten in einer solchen Lage. Zusätzlich nehmen sie die bedrückende Situation ihrer Eltern wahr. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich möglichst viele Menschen für das Album begeistern", so Ayche, selbst Mutter einer Tochter und eines Sohnes.

Fast eine Lebensaufgabe

Die Helferin schläft zwar gut, "doch wenn ich morgens die Augen öffne, denke ich zuerst an das Ahrtal." Eine Reaktion, die auf ihrer Social-Media-Seite eintraf, soll verdeutlichen, welch großes Engagement die selbstlose Künstlerin bis heute an den Tag legt.

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Dort heißt es: "Herzlichen Dank für alles, was du in diesem Jahr für uns getan hast. Du hattest immer ein offenes Ohr, liebe Worte, schenkst Mut und Hoffnung und tust so unendlich viel für uns Betroffene. Es gibt Engel auf Erden und das bist du! Danke für deine Bemühungen und deine Hilfe. Das werden wir niemals im Leben vergessen."

Fakt ist, dass es noch viele Jahre dauern wird, bis im Ahrtal wieder alles im Lot ist. Für Nadia Ayche ist dieser Einsatz fast zu einer Lebensaufgabe geworden.