Der Blick in die Gegenwart zeigt: Die KSC-Mitglieder scheinen die Streitigkeiten beiseitegelegt zu haben. Keine zwei Stunden dauerte die diesjährige ordentliche Hauptversammlung in der Karlsruher Schwarzwaldhalle. Die meisten Abstimmungen liefen einstimmig ab, lediglich vier Wortmeldungen gab es am Ende - eine davon zu den fehlenden Anzeigetafeln.

Bringt der sportliche Erfolg die Versöhnung?
Aktuell läuft es sportlich bestens beim Karlsruher SC. Die Männermannschaft steht auf Platz 4 der 2. Fußballbundesliga, zudem konnte der Verein am Morgen der Mitgliederversammlung die lang ersehnte Verlängerung mit Cheftrainer Christian Eichner und Co-Trainer Zlatan Bajramovic verkünden.
Wenige Minuten nach Beginn der Veranstaltung kommt Präsident Holger Siegmund-Schultze auf diese positiven Entwicklungen zu sprechen.
"Ich freue mich sehr, und ich glaube, wir sind dir alle sehr dankbar, dass wir die Mission weiter mit dir erfüllen können", wendet sich Siegmund-Schultze an Christian Eichner, der mit seiner Mannschaft in den vorderen Reihen Platz genommen hat. Einen Tag zuvor verkündete der Verein die Vertragsverlängerung mit dem Cheftrainer.

Dafür gibt es viel Applaus von den zirka 400 Mitgliedern in der Halle. Dazu kommen laut Präsident Siegmund-Schultze zirka 1.000 Mitglieder, die online an der Versammlung teilnehmen, doch weder über Wortmeldungen noch Abstimmungen Einfluss nehmen dürfen.

Jugendarbeit soll KSC-Kassen füllen
"Wir sind nicht reich", fasst Siegmund-Schultze die finanzielle Situation des Vereins zusammen. Es gebe noch Verpflichtungen aus der Vergangenheit zu tilgen. Das neue Wildparkstadion habe gestiegene Einnahmen eingebracht, allerdings müssen auch Transfer- und TV-Einnahmen steigern.

Hierbei liege der Fokus klar auf der Ausbildung junger Spieler. Zum einen bringe jeder U23-Spieler für jede Spielminute 300 Euro zusätzliches TV-Geld ein, zum anderen könne man mit jungen Spielern systematisch Transfererlöse erzielen.

Die erste Mannschaft gehört zu den jüngsten Teams der 2. Bundesliga und spielt erfolgreichen Fußball. Die U23-Mannschaft wurde wieder eingeführt und soll so schnell wie möglich in die Oberliga aufsteigen. Zudem sind die Teams der U17 und U19 aktuell Tabellenführer in ihren jeweiligen Ligen. "Herzlichen Dank von unserer Seite für eure tolle Arbeit", wendet sich Siegmund-Schultze an die Trainerteams.
Siegmund-Schultze glaubt an den Aufstieg
Wachstum führe zu sportlichem Erfolg, erklärt Siegmund-Schultze, "und ich bin mir sicher, dass wir so in die 1. Bundesliga aufsteigen werden." Eine Aussage, für die er viel Applaus erntet. Er traut dem KSC zu, organisch zu wachsen, besonders da es keinen Druck von außen gebe, durch schlechte Finanzen oder hohe Erwartungen Dritter.

Er sehe aktuell eine "positive Aura" um den Verein herum, die sich in den steigenden Mitgliederzahlen und häufig ausverkauften Heimspielen niederschlage. Allerdings könne man nicht nur auf die Statistiken schauen. "Im KSC ist eine starke Gemeinschaft zu spüren und darauf sind wir ausgesprochen stolz", so Siegmund-Schultze.
Finanziell bestes Jahr der KSC-Geschichte
Geschäftsführer der Finanzen Michael Becker hält in seinem Finanzbericht mit positiven Nachrichten nicht hinter dem Berg: "Die Zahlen sagen, es ist das beste Jahr der KSC-Geschichte." 2023/2024 könne man einen Umsatz von 45 Millionen Euro verzeichnen, was auch auf den großen Mitgliederzuwachs zurückzuführen sei.
Die Schere zwischen der 1. und 2. Liga sei weiterhin sehr hoch, Vorbildvereine wie Mainz oder Freiburg würden jährlich 200 Millionen Euro Umsatz verzeichnen, doch Becker sehe in Karlsruhe Potential.

Eine leichte Euphorie-Bremse gibt es dann doch. Durch die Insolvenz der Gröner Group musste der Jahresabschluss von plus 388.000 Euro auf minus 184.000 Euro herunterkorrigiert werden. Wichtig sei jedoch, dass man es sich liquiditätsmäßig leisten könne, so Becker. Vor fünf Jahren hätte das noch anders ausgesehen.
Die Frage nach der Entlastung des Präsidiums
Es ist noch kein ganzes Jahr her, dass die KSC-Mitglieder über die Abberufung großer Teile des Beirats diskutierten. Nach fast 6 Stunden Versammlung und mehreren Hammelsprüngen stand die Nicht-Entlastung des damaligen Vizepräsidenten Martin Müller zu Buche.
Als dieser in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Februar dieses Jahres abgewählt wurde, herrschte alles andere als Einigkeit unter den Mitgliedern. Lediglich 61 Prozent also nicht einmal zwei Drittel stimmten für eine Abwahl.
Mitgliederrat tat sich schwer
Nachdem im letzten Jahr Vizepräsident Martin Müller die Entlastung entsagt wurde, bot diese Abstimmung auch in diesem Jahr mögliche Brisanz.
Dieter Gläser, Vorsitzender des Mitgliederrates, sprach in seiner Rede davon, man wolle die turbulenten letzten Jahre hinter sich lassen. "Nicht mehr nach hinten, sondern nach vorne schauen", sei das Motto.

Da in das letzte Geschäftsjahr auch die turbulente Abwahl von Martin Müller fiel, habe man im Mitgliederrat hart gerungen, aber empfehle nun doch die Entlastung des gesamten Präsidiums für die gesamte Zeit. Die Zeit sei gekommen, "die Vergangenheit abzuschließen und nur nach vorne zu schauen."
Wenige Wortmeldungen
Die Mitglieder scheinen damit voll übereinzustimmen, denn es gibt keine Wortmeldungen. Auch Gläser wirkt überrascht und spricht von der "kürzesten Aussprache, an die ich mich erinnern kann." So erfolgt die Entlastung des Präsidiums einstimmig, ganz ohne einzige Gegenstimme. Auch die Abstimmungen über die restlichen Anträge verläuft größtenteils reibungslos.

Neue Anzeigentafeln kommen im Januar
Ganz zum Schluss kommt ein Mitglied auf die Frage nach den fehlenden Anzeigetafeln zu sprechen. Präsident Siegmund-Schultze erklärt, da die Anzeigetafeln sehr groß seien, müsse ein Prüfstatiker schauen, dass das Stadiondach nicht unter der Last einstürzen könne.
Zum Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf am 25. Januar sollen die Tafeln jedoch angebracht sein. Somit kann Siegmund-Schultze die harmonische Versammlung um 19.50 Uhr nach etwas weniger als zwei Stunden schließen.