Herr Freis, Sie absolvieren beim DFB, das Zertifikatprogramm "Management im Profifußball“. Warum?

Freis: Ich wollte als Spieler immer dazulernen und auch jetzt als Verantwortlicher, will ich meine Fähigkeiten und mein Wissen auf Managementebene erweitern. Vor allem will ich mich auf den Gebieten verbessern, auf denen ich bisher nicht so viele praktische Einblicke hatte. Logisch, dass bei mir das Scouting im Moment im Zentrum steht, aber wenn man sich anschaut, welche Schwerpunkte (zum Beispiel Sportrecht/Lizenzierung, Finanzmanagement, Sporttechnologie oder Leadership) in dem Programm zusätzlich bearbeitet werden, bietet das für mich einen echten Mehrwert.

Mit diesem Programm sollen die Teilnehmer auf eine zukünftige Führungsrolle im Profifußball vorbereitet werden und ich bin dem KSC äußerst dankbar, dass er mich bei diesem Programm angemeldet hat und aktiv unterstützt. Das empfinde ich als großen Vertrauensvorschuss, dem ich gerne gerecht werden möchte.

Wie lange dauert diese Ausbildung?

Freis: 18 Monate.

Sie sagen: "Dazu lernen…“ Sie haben Sportmanagement studiert, hilft das beim Zertifikatprogramm "Management im Profifußball“?

Freis: Dieses Studium war sehr theorieorientiert - ganz allgemein sportorientiert. Dieses Programm jetzt ist absolut fußballspezifisch. Der Profifußball steht im Mittelpunkt und diese Spezialisierung macht es neben dem Austausch mit den anderen Teilnehmern auch so wertvoll.

Worum geht’s da ganz konkret - Fußball spezifisch und wie ist das alles organisiert?

Freis: Die Methodik umfasst eine dezentrale Vorphase, die online stattfindet. Dann den Präsenzworkshop und die dezentrale Nachphase - wieder online über die DFB-Campus-Plattform. Schwerpunkt sind die drei übergeordneten Kompetenzbereiche: Bundesliga Know-How, sportliches Know-How und Management Know-How. Diese Komplexe werden durch Spezialisten intensiv differenziert erarbeitet. Beim ersten Modul hat beispielsweise Markus Krösche, Geschäftsführer von Eintracht Frankfurt, über sein Rollenverständnis einer Führungskraft referiert.

Die beiden Ex-KSC-Spieler Sebastian Freis und Maik Franz stehen auch nach ihrer gemeinsamen Vereinszeit weiter in Kontakt. (Archivbild)
Die beiden Ex-KSC-Spieler Sebastian Freis und Maik Franz stehen auch nach ihrer gemeinsamen Vereinszeit weiter in Kontakt. (Archivbild) | Bild: Carolin Reisenauer

Und im Moment ist was?

Freis: Im Moment ist Homeoffice angesagt. Die Präsenzphasen sind sehr kompakt gehalten, da fast jeder der Teilnehmer einen ausfüllenden Job in seinem Club hat. Es wird so geregelt, dass wir nicht freigestellt werden müssen und dass wir nicht viele Fehltage haben.

Wann ist dann die Präsenzphase?

Freis: Alle zwei Monate sind zwei Tage Präsenzunterricht. Das ist überschaubar und gut planbar. Wir waren da beim ersten Treffen in der neuen DFB-Akademie in Frankfurt. Das ist alles sehr beeindruckend.

Können Sie aus Ihrer riesigen Erfahrung als Profi in Liga eins und zwei etwas mitnehmen?

Freis: Grundsätzlich ist es so, dass sich der Fußball permanent verändert. Für das Scouting kann man aber aus seiner aktiven Zeit einiges mitnehmen.

Zum Beispiel?

Freis: Was braucht ein Spieler, um eine spezielle Position zu besetzen. Einiges ist auch für diese Management Ausbildung wichtig und anwendbar. Aus Erfahrung weiß ich unter welchen Prämissen wird ein Kader sinnvoll zusammengestellt. Welche Charaktere braucht eine Mannschaft, um erfolgreich zu sein. Und: Wie funktioniert eine Profi-Kabine? Welche Strömungen gehören dazu, um Erfolg zu haben? Ich habe das Zusammenspiel Trainer - Mannschaft in vielfältiger Form selbst erlebt - das hilft ungemein.

Treffen Sie bei den Teilnehmern "alte Bekannte“, kennen Sie jemand?

Freis: Etliche. Gerald Asamoah von Schalke, Nico Bungert aus Mainz, Roman Weidenfeller vom BVB - gegen die habe ich alle gespielt.

Haben Sie gegen Weidenfeller ein Tor erzielt?

Freis: Mein allererstes Bundesligator 2007 für den KSC habe ich gegen Roman im Wildpark erzielt. Er konnte sich aber natürlich nicht mehr daran erinnern als ich ihn darauf angesprochen habe.

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Ist mit der Teilnahme am Management-Kurs jetzt die Entscheidung endgültig gefallen: Sebastian Freis wird kein Trainer?

Freis: Man soll ja nie - nie sagen, aber diese Entscheidung habe ich zu 99 Prozent ganz bewusst getroffen. Ich wollte von Anfang an nicht in diese Richtung gehen. Dennoch habe ich einen Trainerschein gemacht. Auch, um mich selbst zu überprüfen, ob das nicht doch etwas für mich wäre. Und bei diesem Kurs habe ich bemerkt, dass ich mich mittlerweile am Schreibtisch beziehungsweise ohne Kickschuhe wohler fühle als beim täglichen Training auf dem Feld.

Kommen wir zur aktuellen KSC-Situation. Sind Sie mit der Leistung und der Punkteausbeute zufrieden?

Freis: Wir stehen aktuell auf Platz 13, was grundsätzlich okay ist. Aber die Situation ist trügerisch, weil wir zu den Abstiegsplätzen aktuell nur einen Punkt Vorsprung haben. Ich vertraue unserem Kader und Trainerteam, dass sie gemeinsam in der Rückrunde die sichere 40-Punkte Marke erreichen, dafür sind allerdings mehr Punkte und konstantere Leistungen als in der Hinrunde nötig. Auch im Hinblick auf die Kaderplanung wäre eine sorgenfreie Rückrunde sehr wichtig.

Sebastian Freis war der Torschütze zum 1:0 gegen die TSG Neustrelitz.
Sebastian Freis war der Torschütze zum 1:0 gegen die TSG Neustrelitz (Archivbild aus dem Jahr 2009). | Bild: Carolin Reisenauer

In der vergangenen Saison wurden zehn - alles andere als billige - Feldspieler verpflichtet: Keiner schaffte es zum Stammspieler. Dieses Horrorszenario traf bisher nicht wieder ein. Die Trefferquote ist besser. Ist das ihr Verdienst?

Freis: Das ist kein Verdienst von mir allein – sondern von uns, denn die Strukturen beim Scouting wurden erheblich verbessert. Das ist Teamarbeit - ich bin als Leiter für dieses Team verantwortlich. Ich bin aber auch auf die Zusammenarbeit mit Oliver Kreuzer und Necat Aygün angewiesen. Sie entscheiden in letzter Instanz. Wir wissen, dass es strukturell noch nicht alles optimal ausgestaltet ist. Aber: Wir wollen uns verbessern, wollen dass die Trefferquote von Jahr zu Jahr besser wird, und daran arbeiten wir.

Bekannt ist, dass Sie Marcel Franke als Mitspieler kennen, dass Sie ihn empfohlen haben und er ist bisher eine Verstärkung

Freis: Marcel hat sehr, sehr gute Spiele gehabt und der Mannschaft Stabilität gegeben, er hatte aber auch Spiele, in denen er Probleme hatte. Trotzdem hat er die Rolle, die wir ihm zugedacht haben, absolut erfüllt.

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Und welche Rolle war für ihn angedacht?

Freis: Wir haben ihn als Stammspieler mit Führungsqualität gesehen und das ist er. Im Scouting sollte man zuvor immer definieren: Welche Rolle soll der Neuzugang erfüllen? Da gibt es Spieler für die Stammelf, aber auch Perspektivspieler, denen man Zeit geben muss, sich zu entwickeln. Wir versuchen im Scouting sogar die Zeit einzuschätzen, bis der Spieler so weit sein kann.

Sind Sie mit den anderen Neuzugängen zufrieden? Haben die ihre zugedachte Rolle erfüllt?

Freis: Viele - sicher nicht alle. Da ist zum Beispiel Mikkel Kaufmann, er selbst und wir auch haben ihm mehr Startelfeinsätze als bisher zugetraut und zugedacht. Im letzten Spiel gegen Pauli hat er aber gezeigt, wie wertvoll er für unsere Mannschaft sein kann. Dass Simone Rapp die Position eines unumstrittenen Stammspielers nicht sofort einnimmt, haben wir durchaus einkalkuliert. Kelvin Arase hat gute Ansätze gezeigt, braucht aber noch etwas Zeit. Paul Nebel hingegen hatte zuvor hauptsächlich Einsätze in der Regionalliga, er hat sogar mehr gespielt als prognostiziert war.