Herr Motekallemi, Sie sagten einmal, Ihre Profikarriere wäre wegen "Verletzungen und falsche Entscheidungen“ nicht so gut gelaufen. Welche Verletzungsprobleme hatten Sie?

Insgesamt habe ich vier Kreuzbandrisse gesammelt, zwei rechts, zwei links. Damals war die medizinische Betreuung nicht so professionell. Ich war der Fußballer, dachte das bekomme ich schon wieder hin, dass es mit der Murmel klappt. Leider musste ich feststellen, dass ich meinen Körper nach diesen schweren Verletzungen nicht mehr für den Profisport bereitmachen konnte.

Sie standen in Italien, bei Brescia Calcio, unter Vertrag.

Ich war vier Jahre bei Brescia Calcio, damals Zweitligist in Italien, war dort Kadermitglied bei den Profis.

Ihre Position?

Ich war zentraler Mittelfeldspieler. Im Mittelfeld habe ich in der Jugend des KSC neben Jerome Gondorf, dem aktuellen Kapitän, gespielt.

Sirus Motekallemi
Sirus Motekallemi (Archivbild) | Bild: M. Ripberger

Und jetzt sind Sie im Wildpark Co-Trainer des Profiteams – damit auch Vorgesetzter von Gondorf. Was sind Ihre Aufgaben genau?

Ich bin unter anderem für die Liveanalyse und für die Nachbereitung der Spiele verantwortlich. Ich sitze mit dem iPad am Spielfeldrand, habe Kontakt mit dem Videoanalysten auf der Tribüne und schneide Szenen zusammen, die wir in der Halbzeit verwenden können und der Mannschaft zeigen. Wir sind in Sachen Spielvorbereitung, Trainingsgestaltung immer in einem offenen Austausch. Klar, dass Christian Eichner und Zlatan Bajramovic durch ihre lange Zusammenarbeit feste Abläufe haben, aber auch da bin ich involviert.

Und die Lieblingsaufgabe von all dem ist?

Am liebsten bin ich auf dem Trainingsplatz, gestalte die Einheiten dort mit. Ich leite aber auch das Individualtraining.

Zum Beispiel mit welchen Inhalten?

Torabschlüsse trainieren oder gezielt zusätzlich mit jungen Spielern arbeiten. Da gibt es zum Beispiel den Bereich des Kopfballspiels. Das haben wir erst kürzlich bei Paul Nebel oder Stephan Ambrosius gemacht.

Haben Sie Ihren Traumjob?

Ja, ich fühle mich enorm wohl in diesem Team. Es ist mein Traumjob. Der KSC ist mein Club, Karlsruhe meine Heimat. Ich fahre zehn Minuten zum Training. Ich darf die Mannschaft, den Verein in der Stadt vertreten. Für mich gibt es keine bessere Konstellation.

Sirus Motekallemi in Aktion
Sirus Motekallemi in Aktion (Archivbild von 2012) | Bild: marvinguengoer.de

Ihr Chef Christian Eichner hat Sie enorm gelobt: "Sirus erstellt Einzelvideos für Spieler, macht tolle Live-Analyse, leitet Einzeltraining - er macht tolle Arbeit.“ Dieses Lob tut sicher gut.

Das freut mich sehr, das höre ich natürlich gerne.

Gibt es eine Hierarchie im Trainerstab? Sind Sie die Nummer drei?

Wir treffen die meisten Entscheidungen gemeinsam, aber klar ist auch: Am Ende hat der Cheftrainer den Hut auf, am Ende entscheidet er. Ich sehe meine Position als die Nummer drei. Denn sowohl "Eiche“ wie Zlatan verfügen über eine riesengroße Erfahrung.

Zlatan Bajramovic meinte einmal, dass es nicht um Hierarchie ginge, es gehe darum, die Spieler besser zu machen "und da kann Sirus helfen: Er ist eine Bereicherung. Man hat eine neue Meinung und etwas Neues kann sehr wichtig sein.“

Auch das zu hören ist schön. Und es stimmt: Es geht nicht um Positionen oder Hierarchie, sondern darum, dass wir eine gute Arbeit abliefern. Es macht mir alles sehr großen Spaß. Aber es ist mir klar, dass ich mehr beratend tätig bin, dass Eiche und Zlatan mehr entscheiden.

Das klingt, als wären Sie rundum zufrieden und würden viel Anerkennung und Wertschätzung bekommen.

Das bin ich aktuell auch absolut.

Sie waren zuvor in der KSC-Jugend engagiert. Seit Sie Co-Trainer bei den Profis sind hat sich doch sicher einiges geändert. Die öffentliche Wahrnehmung, die zeitliche Belastung?

Das stimmt, aber was die öffentliche Wahrnehmung angeht, hält sich das in Grenzen. Es ist nicht so, dass ich alle zwei Meter angesprochen werde. Es hat mir auch in der Jugend viel Spaß gemacht, aber das jetzt ist einfach eine tolle Sache.

Aus der KSC-Nachwuchsabteilung schafften einige Trainer den Sprung ins Profigeschäft. Markus Kauczinski, Lukas Kwasniok, Tim Walter und auch Christian Eichner. Ein Ziel für Sie?

Natürlich kenne ich die Historie der von Ihnen erwähnten Trainer und freue mich für alle. Ich gebe Gas, will lernen und schaue, wo der Weg hinführt. Aber es ist nicht so, dass ich sage: Ich muss Bundesligatrainer werden – einfach mal schauen, wo es hinführt.

Karlsruhes Trainer Christian Eichner gibt Anweisungen.
Karlsruhes Trainer Christian Eichner gibt Anweisungen. | Bild: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Zusammengefasst: Cheftrainer ist irgendwann ein Ziel, vielleicht sogar Christian Eichner abzulösen?

Motekallemi (lacht) Das mit Eiche ablösen - auf keinen Fall! Ich würde mir wünschen, dass wir in der aktuellen Konstellation noch sehr lange zusammenarbeiten. Ich bin happy in der momentanen Situation, kann da viel mitnehmen. Was in ein paar Jahren sein wird, das weiß niemand.

Wie lautet Ihre Selbstbeschreibung? Wo haben Sie Stärken - wo Schwächen?

Ich bin impulsiv, temperamentvoll aber insgesamt ein umgänglicher Typ und versuche loyal zu sein. Ich versuche immer authentisch zu bleiben. Der zwischenmenschliche Bereich könnte eine Stärke sein. Schwäche? Es fehlt mir ganz einfach das eine oder andere Jahr im Profifußball, die Erfahrung von dort.

Haben Sie ein Trainervorbild?

Nicht konkret. In Italien wechselte gefühlt alle zwei, drei Monate der Trainer. Roland Reichel, er war badischer Auswahltrainer, war richtig gut. In der KSC-Jugend: Wilfried Trenkel. Er war ein Supertrainer, ihm habe ich viel zu verdanken. Auch Markus Kauczinski. Ich hatte einige gute Lehrer.

Ihr Chef Christian Eichner ist enorm fleißig. Ist um zehn Uhr Trainingsbeginn, sitzt er oft um kurz nach 8 Uhr in seinem Büro. Sind Sie ähnlich?

Ich habe einen kürzeren Anfahrtsweg als Eiche und versuche wirklich vor ihm da zu sein. Aber - das gelingt nicht so oft. Der KSC kann stolz sein so einen Trainer - der auch enorm viel Menschlichkeit reinbringt - zu haben.

Im Moment erwerben Sie die DFB-A-Trainerlizenz. Können Sie da noch etwas lernen?

Aber sicher. Durch die Umstellung beim Erwerb der Trainerlizenzen seitens des DFB sind die Anforderungen hoch - aber auch die Inhalte top. Es dauert rund neun Monate, mit Präsenzphasen, Hausaufgaben, Praktika. Sicher hilft mir meine Praxiserfahrung.

Simone Rapp mit Co-Trainer Sirus Motekallemi.
Simone Rapp mit Co-Trainer Sirus Motekallemi. | Bild: Mia

Anderes Thema: Es wird gemunkelt, die Verpflichtung von Simone Rapp ging auf Ihre Kontakte zu dessen italienischem Berater zurück. Was ist da dran?

Ich würde mir nie anmaßen, dass eine Spielerverpflichtung auf mich zurückgeht. Dafür haben wir eine Scoutingabteilung. Es war so, dass der Erstkontakt bei Simone Rapp über einen Berater zu mir zustande kam. Ich habe das an das Trainerteam und die Scoutingabteilung weitergegeben, dann wurde gemeinsam diese Entscheidung getroffen.

Trauen Sie es dem KSC zu, dass die Elf den Klassenerhalt unproblematisch erreicht?

Das ist unser Ziel und das traue ich der Mannschaft absolut zu. Wir haben oft gezeigt, dass wir mithalten können, dass wir Punkte holen können.