Herr Eichner, der KSC hat nach der Hinrunde 18 Punkte auf dem Konto. Sind Sie Zufrieden?

Eichner: Mit dem Beginn der Saison und den letzten Wochen nicht, dazwischen haben wir durchaus ansehnlichen Fußball gespielt. Wir müssen die Dinge akzeptieren, wie sie sich aktuell darstellen – und vor allem mit ihnen richtig umgehen. Wenn man sechs Spiele in Folge nicht gewinnt, wird es eben schwer, mehr als 18 Punkte zu verbuchen. Zudem hatten wir am Anfang der Runde eine ähnliche Phase.

Das Ziel 20 Punkte nach der Hinrunde zu haben, wurde nicht erreicht. Aber: Es wurde auch nur knapp verfehlt…

Eichner: Man muss festhalten, dass die Liga in dieser Spielzeit noch ausgeglichener unterwegs und noch enger zusammengerückt ist. Und was die Punktedifferenz betrifft: Nur weil es knapp ist, bin ich dennoch nicht zufrieden.

Es war auffällig, dass Ihrem Team entweder defensive Stabilität oder die Torgefahr fehlte...

Eichner: Wir haben es oft verpasst, das 1:0 zu machen, obwohl die Chancen da waren. Dann kam die Defensive Instabilität dazu - daraus resultierten die Negativergebnisse. Was man aber auch als Zwischenstand festhalten kann: Wäre jetzt, nachdem die Hälfte der Saison absolviert ist, Schluss, dann hätten wir unser Ziel, den Klassenerhalt, erreicht.

Karlsruhes Trainer Christian Eichner gibt Anweisungen.
Karlsruhes Trainer Christian Eichner gibt Anweisungen. | Bild: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Ist ein "Alpha-Tier“ - wie es Kapitän Jerome Gondorf ist - zu wenig?

Eichner: Das ist so nicht ganz richtig. Wir haben mit Marius Gersbeck einen, der so eine Rolle auch ausübt. Marcel Franke ist auf einem guten Weg, in diese Rolle reinzuwachsen. Dass wir drumherum ein paar ruhigere Jungs haben, das wissen wir.

Aber es ist doch überraschend. Es steht fast ein Dutzend Spieler im Kader, das knapp unter oder etwas über 30 Jahre alt ist, folglich viel Erfahrung hat. Doch in Extremsituationen sind die zu leise.

Eichner: Das ist ein Thema für die gesamte Mannschaft. Wir müssen unbequemer werden, auch zueinander. Das war schon in der vergangenen Saison ein Thema. Es ist ein schmaler Grat, in der guten Gemeinschaft, die wir haben, in den richtigen Momenten unbequem zu sein – das gilt auch für die Spieler untereinander. Diese Mitte zu finden, das ist nicht leicht.

Anderes Thema: Wie sind Sie mit den Neuzugängen zufrieden?

Eichner: Das muss man differenziert betrachten. Marcel Franke hat das gebracht, was wir uns erhofften. Die Stabilität, die Stephan Ambrosius, anfangs in die Defensivarbeit eingebracht hat, tat uns gut. Paul Nebel spielt das erste Mal regelmäßig im Profifußball. Es gibt noch ein paar Jungs, die sicher mehr von sich selbst erwarteten und erhofften.

Sie erwähnen Ambrosius. Er und Florian Ballas und kamen nach sehr langer Verletzungspause, fast ohne Spielpraxis, zum KSC. Beide zogen sich prompt Muskelverletzungen zu. Hat Sie das überrascht?

Eichner: Man muss vorab deutlich festhalten: Hätte Stephan Ambrosius keinen Kreuzbandriss gehabt, dann hätten wir gar keinen Zugriff auf so einen Spieler gehabt. Er war weit länger als ein Jahr raus, auch Ballas hatte rund ein Jahr fast nicht gespielt. Das wussten wir, wie auch um die Risken, die das mit sich bringt.

Florian Ballas, Abwehrspieler beim Karlsruher SC.
Florian Ballas, Abwehrspieler beim Karlsruher SC. | Bild: Uli Deck/dpa/Archivbild

Kommen Neuzugänge im Winter?

Eichner: Stand heute nicht. Natürlich bin ich als Trainer im ständigen Austausch mit dem Sportdirektor und spreche die eine oder anderer Empfehlung aus. Aber über das Thema Neuzugänge müssen wir gar nicht sprechen, denn zunächst haben wir eine andere Aufgabe.

Die wäre?

Eichner: Wir müssen schauen, dass wir den Kader verkleinern.

Zurück zu den Empfehlungen, welche spricht der Trainer aus, was sind seine konkreten Vorstelllungen in Sachen Neuzugängen?

Eichner: Darüber rede ich nicht öffentlich, das besprechen wir intern.

Hatten oder haben Sie Angst um Ihren Job?

Eichner: Die Situation mit der Mannschaft hat mich nicht kalt gelassen. Ich bin verantwortlich, wir wollen so viel Erfolg wie möglich. Es waren einige unangenehme Wochen, das gehört dazu. Mich persönlich treibt aber keine Job-Angst um.

Anders gefragt: Wie zuverlässig schätzen Sie die Jobzusage von Sportdirektor Oliver Kreuzer ein? Seine Zusagen und Beteuerungen in Sachen Trainerverbleib hatten hin und wieder eine Halbwertzeit von Stunden oder Tagen. Man denke zum Beispiel an Ihren Vorgänger Alois Schwarz, der wurde ein paar Stunden nach Kreuzerzusage entlassen.

Eichner: Ich kann und werde nur das bewerten, was man zu mir selbst sagt. Mir wurde auch vom ganzen Club der Rücken gestärkt. Das tut gut. Es wurde das wiederholt, was man in guten Zeiten sagte.

Sportchef Oliver Kreuzer vom Karlsruher SC steht im Stadion.
Sportchef Oliver Kreuzer vom Karlsruher SC steht im Stadion. | Bild: David Inderlied/dpa/Archivbild

Sie sagten, die Dreierkette zu vertiefen ist ein Ziel in der WM Pause. Woran werden Sie in den Trainingseinheiten noch arbeiten, um den Umschwung zu erreichen.

Eichner: Gegen Pauli haben wir drei Systeme gespielt, das verschwimmt oft in der Wahrnehmung. Unabhängig von der Grundformation: Wir müssen wieder besser verteidigen. Daher werden wir im Training den Fokus noch mehr auf die Abwehrarbeit legen. Wer macht was wann wie? – dann, wenn der Gegner den Ball hat. Das ist kein neues Thema, aber es bedarf einer Auffrischung.

Gibt es einen "Überflieger“ im Kader oder auch einen der besonders enttäuscht hat?

Eichner: Von einzelnen Enttäuschungen zu reden, das werde ich öffentlich nie machen. Davon halte ich menschlich nichts. Ich sehe die Gruppe als Ganzes, und die wollen und werden wir weiterentwickeln.

Daniel O’Shaughnessy, vor weniger als einem Jahr als Abwehrchef angekündigt, war zuletzt nicht im Kader. Steht er bei Rückrundenauftakt noch auf dem KSC Lohnzettel?

Eichner: Das ist schwer vorherzusagen. Aber jeder Spieler weiß, wie seine Aussichten für die Rückserie aussehen.

Mikkel Kaufmann forderte öffentlich mehr Einsatzzeiten, ein paar Wochen danach, gegen Pauli, stand er in der Startelf.

Eichner: Wir haben die ganze Vorrunde sehr oft geredet und viele Szenen gemeinsam besprochen. Mikkel weiß, was er zu tun hat, um öfters zu spielen.

Sie sagten danach: Mikkel muss insgesamt während der Woche seine Quote erhöhen, was die Trainingsarbeit und Verlässlichkeit angeht. Was heißt das konkret? Was bedeutet Verlässlichkeit - waren es Disziplinprobleme, die hatte er in Hamburg

Eichner: Ich spreche über sportliche Themen: Er weiß, was die Trainer von ihm auf seiner Position erwarten. Das hatte nichts mit Disziplin zu tun. Quote - zum Beispiel: Dass bei Pässen eine hohe Trefferquote wichtig ist. Und: Ein Stürmer muss Bälle festmachen, sich wieder zeigen. "Give and go“ ist elementar und muss eine seiner Stärken werden. Wenn es so weiterläuft, im Training und wie gegen Pauli, dann gibt es keinen Grund, ihn nicht spielen zu lassen.

Mikkel Kaufmann
Mikkel Kaufmann mit Eichner beim Training. | Bild: Mia

Der KSC hat das Ziel ausgegeben, eine sorglose Runde zu spielen. Wird das gelingen?

Eichner: Bisher gelingt es. Wir standen abgesehen vom Saisonstart nie unter dem Strich, wir sind zuletzt etwas vom Erfolgsweg abgekommen, waren in beiden Sechzehnern nicht immer so präsent und treffsicher. Ich befürchte, dass es in dieser Saison bis zum Ende spannend bleiben wird.

Abschlussfrage: Schauen Sie Spiele der WM an?

Eichner: Ich werde die WM anschauen, das gehört zu meinem Beruf als Chef-Trainer einer deutschen Profimannschaft. Für mich persönlich ist eine WM im Winter nicht sinnvoll. Ich hoffe, dass der Sport über diese WM die Chance hat zu helfen, auf die Probleme aufmerksam zu machen - und zu verändern, zu verbessern. Und: Ich bin Fan der deutschen Nationalmannschaft.