Herr Nebel, warum entschieden Sie, sich an den KSC ausleihen zu lassen?

Generell habe ich mich bereit gefühlt, den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen. In Mainz habe ich, in Richtung Herrenfußball, nicht so richtig den Durchbruch geschafft. Der Verein und ich haben viele Anfragen geprüft.

… die da waren?

Das würde ich gerne für mich behalten.

Der Mainzer Paul Nebel spielt gegen Frankfurts Kristijan Jakic (l.)
Der Mainzer Paul Nebel spielt gegen Frankfurts Kristijan Jakic (l.) | Bild: Torsten Silz/dpa/Archivbild

Warum dann KSC?

Da gibt es etliche Gründe. Wir hatten sehr gute Gespräche. Beim KSC will man ähnlich Fußball spielen wie in Mainz, das Leihgeschäft kann mir in meiner Entwicklung weiterhelfen. Vom KSC-Trainerteam habe ich ein sehr gutes Gefühl bekommen. Und: der KSC war mir schon immer sympathisch.

Sie sagen: Beim KSC spielt man ähnlich Fußball wie in Mainz. Aber: Bei Mainz spielt man meist ohne echten Außenspieler.

Ich denke nicht an das System, sondern an die Werte, daran wie man arbeiten will. Zum Beispiel, wie man gegen den Ball agieren will. Da gibt es bei den Trainern ähnliche Ansichten und mit denen kann ich mich identifizieren.

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Auf den Außenbahnen haben Sie mit Arase, Cueto, Choi, Schleusener, Batmaz - große Konkurrenz. Das wird nicht einfach.

Das ist mir klar. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich komme und sofort jede Partie von Anfang an spiele. Ich bin ein Typ, der alles gibt, der weiß, dass er kämpfen muss. Ich komme zwar vom vermeintlich größeren Verein, aber das heißt nichts. Ich weiß, ich muss kämpfen um mich durchzusetzen. Ich bin bereit, den Konkurrenzkampf anzunehmen. Ich will Gas geben, werde mich reinhauen. Ich werde ans Limit gehen.

Die Position auf der offensiven Außenbahn ist Ihre Lieblingsposition?

Ich bin flexibel. Ich spiele auch gern auf der Achter- oder Zehnerposition. Wenn ich außen spiele, ziehe ich immer wieder mal nach innen. Ich suche immer die Zwischenräume. Trainer Christian Eichner hat mir gesagt, dass das für ihn in Ordnung ist.

Paul Nebel im Zweikampf mit Jerôme Gondorf.
Paul Nebel im Zweikampf mit Jerôme Gondorf. | Bild: Mia

Es war zu lesen, dass Sie sich bei Tim Breithaupt über den KSC erkundigten?

Das stimmt. Nach den Gesprächen mit den Trainern habe ich versucht ein kompletteres Bild vom Verein zu bekommen. Tim kenne ich von der U-Nationalelf. Ich habe auch mit Daniel Brosinski geredet. Der spielte mit mir in Mainz, wurde hier ausgebildet, ist ein Karlsruher Junge, kennt noch immer einige.

Was haben denn diese Informanten gesagt?

Nur Gutes! All das gefiel mir, hat mich überzeugt zum KSC zu gehen.

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Sie werden als schneller, dribbelstarker und zielorientiert agierender Spieler beschrieben. Stimmt das?

Das sind meine Qualitäten. Ich kann Räume schaffen. Ich muss aber, wenn ich unter Druck stehe, bei riskanten Bällen, die ich sehr gerne spiele, bessere Entscheidungen treffen. Daran muss und werde ich mit den Trainern arbeiten. Die werden mir helfen, dass ich an mein Limit komme, dann kann ich dem KSC helfen.

Sie haben noch eine Stärke: Standards zu schießen. Aber: Die sind Sache von Philip Heise und Marvin Wanitzek. Werden Sie Ansprüche stellen?

Ansprüche nicht, aber ich werde im Training Standards üben und vielleicht so auf mich aufmerksam machen. Ich weiß, ich kann gute Standards schießen, vielleicht nehmen die Jungs das dann so wahr. Ich werde mich nicht hinstellen und sagen: ich will jetzt die Standards schießen, dazu sind die Jungs zu gut.

KSC-Auftakttraining 2022/23
Bild: Mia

Sie sprachen von "dem Team helfen." Aber: was sind Ihre persönlichen Ziele? Tore? Vorbereitungen?

Den nächsten Schritt machen, so viel spielen wie möglich. Es ist mir klar, dass es kein Selbstläufer ist. Ich werde hart arbeiten, damit ich mir die Einsätze verdiene. Aber eine Anzahl von Toren nennen? Nein. Ziel ist es so viel Tore und Assists zu haben wie möglich.

Haben Sie Hobbys?

Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Familie, das ist mir sehr wichtig. Ich komme aus der Nähe von Frankfurt und das ist zum Glück nicht allzu weit von Karlsruhe, da kann ich an einem freien Tag nach Hause fahren. Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen und liebe die Natur. Die gibt mir Ruhe.

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Auf Ihrem WhatsApp Bild scheint es so, als wären Sie modebewusst und musikbegeistert?

Ich bin nicht der Typ, der da riesigen Wert darauflegt, aber ich ziehe mich schon gerne modisch an. Dennoch: Es gibt viele wichtigere Dinge als Mode. Musikbegeistert bin ich wirklich.

Waren Sie, als das Bild aufgenommen wurde, auf einem Konzert?

(lacht): Nein, beim Public Viewing als Eintracht Frankfurt das Europa League Finale gespielt hat.

KSC-Auftakttraining 2022/23
Bild: Mia

Gibt es Unterschiede, die Sie zu Mainz erkennen?

Gravierende nicht. Aber: In der 1. Liga ist das Tempo im Training etwas höher. Ich hatte in Mainz das Gefühl, dass es eine große Familie ist und dieses Gefühl habe ich beim KSC auch. Man kümmert sich toll um mich, ich wurde gut aufgenommen.

Haben Sie ein Vorbild?

Von der Einstellung her, von der Arbeitsweise - Cristiano Ronaldo. Als Spielertyp: Eden Hazard, Coutinho.

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Das offizielle Ziel wird wohl heißen: Klassenerhalt.

Ich habe viele Spiele im Fernsehen geschaut, das ist eine robuste Liga, da geht´s zur Sache. Es wird eine harte Saison, aber wir haben einen guten Kader mit den Neuzugängen. Ich habe ein gutes Gefühl. Wichtig ist, dass wir an unser Limit kommen, dann können wir jeden ärgern. Geschlossen auftreten – dann ist immer etwas drin.

Neuzugang Mikkel Hoffmann, der aus Hamburg kommt, lobt die Stadt Karlsruhe. Kelvin Arase hatte keine Zeit sie kennenzulernen. Und Sie?

Ich wohne noch im Hotel, habe keinen Umzugsstress, kenne daher die Stadt schon etwas. Wir waren schon spazieren und in Restaurants. Alles sehr angenehm, ähnlich wie in Mainz, nicht zu groß, es lässt sich hier sehr gut leben.