Herr Gondorf, bei FC St. Pauli mussten Sie gesperrt zuschauen. Ihr Fehlen hat man enorm bemerkt. Fällt es erst dann richtig auf wie wichtig Sie für die Mannschaft sind - wenn Sie nicht dabei sind?

Schwierige Frage. Ich hatte ja eine Art gefühlter Klausel, dass ich gegen St. Pauli nicht spielen darf, denn ich war ja auch in der Hinrunde nicht dabei. Auch da waren wir nicht erfolgreich. Aber ich glaube, man sollte die Situation unabhängig von meiner Person analysieren.

…und das heißt?

Es war eine schwierige Woche, in die wir gut gestartet sind. Dann kam der Tiefschlag beim HSV. Da haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht, aber auch viele Kräfte gelassen. Nach dem Ausscheiden kam beim Spiel in Pauli auch der Kopf dazu. Man hat dieses Negativerlebnis im Kopf. Und: Pauli ist eine echt starke Mannschaft.

KSC gegen Nürnberg im Wildpark
Bild: Mia

Es wurde da in der ersten Halbzeit richtig schwierig. Es war auch gut und wichtig, wie sich die Mannschaft nach der Halbzeit präsentierte. Aber: Man lief drei Toren hinterher, das ist nahezu nicht aufzuholen.

Der KSC war in Halbzeit eins sehr passiv. Nochmals zu ihrer Person. Hat da in Sachen Aggressivität und Zweikampfhärte der Antreiber und Kapitän gefehlt?

Das sind Attribute, die ich verkörpere. Das kann man nicht von der Hand weisen. Diese Attribute haben uns allgemein gefehlt, das hat der Trainer auch in der Halbzeitpause angesprochen. Die Mannschaft hat das in Halbzeit zwei umgesetzt, war mutiger, aggressiver - wir waren besser. Diese Reaktion war wichtig.

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Und Sie fehlten also dem Team nicht?

Ich rede nicht gerne über mich, aber klar - ich hätte vielleicht in der ersten Halbzeit das eine oder andere Mal etwas härter zugelangt. Aber: Jerome Gondorf hat gegen Paderborn gespielt – und da war es ähnlich wie in St. Pauli, da war ich da - aber auch nicht gut. Da war Jerome auch nicht präsent. Daher ist es schwer, diesen Blackout in Hamburg auf meine Person, auf mein Fehlen zu fokussieren. Ich hatte auch solche Spiele drin.

Der KSC ging kaum in Zweikämpfe und wenn - dann wurden anfangs gegen die Kiezkicker die meisten verloren. Wie oft sind Sie aufgesprungen im Spiel? War es sehr schlimm, das von der Bank aus anschauen zu müssen?

Es ging, ich konnte mich einigermaßen zurückhalten, auch wenn das nicht so einfach ist - eben, weil man nicht aktiv eingreifen kann. Ich habe in der Halbzeit versucht, den Jungs ein, zwei Dinge mitzugeben, die ich von außen gesehen habe.

Jerome Gondorf (KSC 8) kniet in der Hocke.
Jerome Gondorf (KSC 8) kniet in der Hocke. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Zum Beispiel?

Zu Tim Breithaupt habe ich gesagt: Wenn die versuchen weiter mit euch Zirkus zu spielen, dann muss man denen auch mal etwas weh tun. Keine brutalen Fouls, aber zeigen, dass man da ist. Er hat es gut umgesetzt, hat gezeigt: Ich bin da!! Zu "Wanne" (Marvin Wanitzek An. der Redaktion) konnte ich das nicht sagen, er hatte schon gelb.

Kann man sich an der zweiten Halbzeit aufrichten?

Definitiv. Die Mannschaft hat gezeigt wofür die steht.

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Jetzt kommt Regensburg. Aufgrund der Formkurve ist der KSC - trotz der Niederlage in Pauli - Favorit?

Mit einem Favoriten in einem Zweitligaspiel – da tue ich mich schwer, außer bei den richtigen Schwergewichten, wie zum Beispiel Bremen.

Wie schätzen Sie Regensburg ein?

Eine gute, richtig gute Mannschaft. Die waren am Ende der Hinrunde auf Rang fünf. Da ist der KSC nicht Favorit. Sie haben eine schwierige Phase, haben aber oft gezeigt, was sie draufhaben. Zudem ist Regensburg immer unangenehm zu spielen. Die haben Qualität. Es kommt - wie so oft - auf uns an. Wie wir uns präsentieren, wie engagiert wir sind, was wir für eine Intensität auf den Platz bringen, um so auch zu spielerischen Lösungen zu kommen.

Christian Eichner und Phillip Hoffmann beim Training.
Christian Eichner und Phillip Hoffmann beim Training. | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Kommen wir zu Ihrer Situation: Sie sind unumstrittene Stammkraft, sind ein Führungsspieler - Sie sind aber auch schon 33 Jahre alt. Denken Sie an die weitere Zukunft?

Nein. Ich konzentriere mich auf das Jetzt. Ich bin im Kader unter den Top drei bei den Laufleistungen, ich fühle mich körperlich topfit. Zudem ist 33 kein großes Alter. Ich weiß, diese Frage wird in der Zukunft häufiger kommen, je älter man wird.

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Aber: Für mich ist das kein Thema! Ich bin der Meinung: im Fußball geht es um Qualität - oder keine Qualität. So lange ich die Möglichkeit habe, meine Qualitäten einzubringen und die gefragt sind – so lange werde ich ein wichtiger Teil der Mannschaft sein. Das ist immer mein Ziel - um alles andere mache ich mir keine Gedanken.

Sie haben Vertrag bis Sommer 2023 - werden Sie verlängern? Vielleicht sogar vorzeitig?

Wenn der KSC auf mich zukommt, wohl wahrscheinlich. Aber wir haben ja erst kürzlich verlängert. Ich habe noch lange Vertrag. Es geht darum zu bestätigen, dass ich auf dem Platz wichtig bin - das andere ist nicht wichtig.

Sie sind mit Daniel Gordon befreundet. Ist er ein kleines Vorbild. Holen Sie sich da Tipps? Frotzelt man?

Es stimmt - wir sind sehr gut befreundet. Das Alter ist aber bei uns kein Thema. Wir stehen intensiv im Austausch - fußballspezifisch. Wie können wir uns als Mannschaft verbessern? Wir wollen beide das Maximum herausholen. Wir sehen Dinge vielleicht kritischer als junge Spieler, weil die anders groß wurden. Heute in einem NLZ - da ist man verwöhnter als vor einigen Jahren. Gordi und ich wollen positive Impulse auf die Mannschaft übertragen.

November 2014: Jerôme Gondorf und Daniel Gordon - damals noch in getrennten Farben unterwegs - diskutieren mit dem Schiedsrichter.
November 2014: Jerôme Gondorf und Daniel Gordon - damals noch in getrennten Farben unterwegs - diskutieren mit dem Schiedsrichter. Foto: Huebner/Ulrich | Bild: fu-fotografie

Gordon will Trainer werden. Machen Sie sich Gedanken, was nach der aktiven Laufbahn kommen könnte? Trainer? Management?

Wie gesagt: ich mache mir keine intensiven Gedanken – aber da ist wirklich beides denkbar.

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In Sachen Zukunftsplanungen sind dem KSC, zum einen durch das Missmanagement der zurückliegenden Jahre, die Hände gebunden - zum anderen sind Planungen davon abhängig, ob Torjäger Philipp Hofmann bleibt. Was sagt ihr Gefühl zu "Hoffis" Zukunft?

Schwierige Frage. Hoffi weiß, dass er hier ein gutes Team hat, dass er die Chance hat, hier top zu performen. Er weiß, dass ihm dieser Verein half, die Karriere wieder in Hochform zu bringen. Aber - er ist für etliche Vereine sehr interessant: Einen ablösefreien Stürmer zu bekommen, der in der zweiten Liga eine zweistellige Trefferquote garantiert - der ist sehr interessant. Mein Gefühl? Mal so - mal so. Ich hoffe er bleibt, aber ich weiß es nicht.