Stefan Storz folgt auf Reiner Kuklinski (67), der das städtische Unternehmen knapp zwölf Jahre führte und im April 2018 in den Ruhestand ging. Kuklinskis Schwerpunkte waren Kundenzufriedenheit, Quartiers- und Energiekonzepte, Entwicklung neuer Stadtteile und Schaffung von neuem Wohnraum.

Themen, die auch Stefan Storz weiterhin begleiten werden. Karlsruhe ist als Wohnort attraktiv: Im Dezember 2017 lebten 305.220 Menschen mit Hauptwohnsitz in der Fächerstadt - Tendenz steigend. Und sie alle benötigen Wohnraum.
Nachverdichtung ist Thema in Karlsruhe
Wo soll der zusätzliche Wohnraum herkommen? Entweder durch Neubau in der Region oder durch Nachverdichtung - sogenannte Ergänzungsbebauung - auf bereits bebauter Fläche. "Wir sind immer auf der Suche nach Flächen, die wir nutzen können", so Storz im Gespräch mit ka-news, "wir müssen Potentiale suchen und erkennen." In der Region verstärkt die Immobiliengesellschaft ihr Engagement, hat einen Wettbewerb für die Bebauung in der Stadtmitte Rheinstetten gewonnen und wird neue Wohnungen in Stutensee bauen.

Im Innenstadtbereich sind wiederum andere Lösungen gefragt. Grundsätzlich gibt es noch einiges an nutzbarem Flächenpotential: Großflächig versiegelte Garagenhöfe oder Parkflächen könnten künftig als Tiefgaragen unter der Erde verschwinden und so Platz für neue Wohnhäuser schaffen.
Doch Fakt ist: "Die Chancen in der Innenentwicklung sind begrenzt", so Storz. Die Herausforderung in der Wohnraumschaffung bleibt, das ausgewogene Maßnahmenpaket aus Sanierung, Neubau und Nachverdichtung für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Karlsruher Einwohner zu finden.
"Wir sind allen Karlsruher Bürgern verpflichtet"
"Wir sind allen Karlsruherinnen und Karlsruhern verpflichtet", sagt Storz im Gespräch. Mehr bezahlbarer Wohnraum ist dabei ein ebenso großes Thema wie sanierungsbedürftigen Bestand an heutige Standards anzupassen, auf demografische Entwicklungen zu reagieren und mehr barrierefreie Wohnfläche zu schaffen.
So sind beispielsweise die Liegenschaften in Oberreut, der Innenstadt-Ost sowie Zeilenhausbebauung aus den 50er und 60er-Jahren (wie in der Waldstadt) derzeit die großen Aufgabengebiete im Sanierungsbereich der Volkswohnung.
Bei der Schaffung von neuem Wohnraum auf dem Gebiet der Stadtentwicklung arbeitet die Volkswohnung eng mit der Stadtverwaltung zusammen: Wöchentliche Treffen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden - aktuell noch Bürgermeister Michael Obert, ab Herbst 2018 Daniel Fluhrer - Vertretern aus dem Stadtplanungs-, Tiefbau-, Gartenbau-, Liegenschaftsamt und weiteren Ämtern sorgen für einen regen Austausch zu aktuellen und künftigen Entwicklungsmöglichkeiten. Jüngstes Erfolgsprojekt der Zusammenarbeit: Die geplante Schaffung von rund 370 neuen Wohnungen auf dem ehemaligen Sportgelände in Daxlanden.

Doch nicht nur mit der Stadt werden Bau- und Sanierungsmaßnahmen abgestimmt, auch mit den Mietern und Bürgern geht die Volkswohnung in die Diskussion: Viele Maßnahmen könnten im bewohnten Zustand durchgeführt werden, so Storz. Bei anderen sei man immer bemüht, Lösungen für die Mieter zu finden, adäquate Alternativen anzubieten und Bürger frühzeitig über Maßnahmen zu informieren.
"Wir verwalten einen Mangel"
Wohnraumschaffung ist und bleibt die Herausforderung der kommenden Jahre: "Wir müssen mehr bezahlbare Wohnungen realisieren und wir wollen wachsen", sagt Storz gegenüber ka-news. Den dringenden Bedarf an Wohnraum bekommen die Verwalter bei der Volkswohnung täglich zu spüren. Derzeit hat die städtische Immobiliengesellschaft einige tausend Bewerber im Pool; es müssen viele Absagen erteilt werden. "Wir verwalten einen Mangel", sagt Storz, "wir haben einen großen Bedarf, den wir derzeit nicht decken können."

Von 2012 bis 2017 hat die Volkswohnung 836 neue Mietwohnungen errichtet - bis 2020 werden weitere 423 fertiggestellt sein. Mehr als die Hälfte der noch ausstehenden Wohnungen sollen der Mietpreisbindung unterliegen. Über 215 Millionen Euro hat die Volkswohnung für diese Maßnahmen der vergangenen fünf Jahre investiert, das geht aus dem aktuellen Geschäftsbericht hervor. Gegenwärtig befasse man sich intensiv mit dem Bauprogramm bis 2030, so Storz im Gespräch.
Noch in diesem Herbst stehen zwei Richtfeste an: im September für eine Kita in Oberreut, im Oktober für das Ortsteilzentrum im Neubaugebiet "Knielingen 2.0". "Wenn man das alles entstehen sieht, ist es der tollste Job, den man haben kann", sagt Storz.
ka-news-Hintergrund
Die Volkswohnung Karlsruhe ist eines der drei großen Wohnungsunternehmen in Baden-Württemberg und der größte Vermieter der Fächerstadt. Als Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Karlsruhe, gegründet 1922, besitzt sie über 13.200 Mietwohnungen und rund 240 Gewerberäume. Als Bauträger hat sie zudem mehr als 3.000 Eigentumsobjekte erstellt und verwaltet für Dritte auch Einheiten in Wohn- und Gewerbeimmobilien. Zur Volkswohnung GmbH gehören zwei Tochterfirmen: Die Volkswohnung Service GmbH und die Volkswohnung Bauträger GmbH. Weitere Beteiligungen hat sie an der Konversionsgesellschat Karlsruhe mbH (KGK), der Karlsruher Energieservice GmbH (KES), der Entwicklungsgesellschaft Cité mbH in Baden-Baden und der Wohnbau Wörth am Rhein GmbH.