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Ettlingen: Mit Inklusion und Nachhaltigkeit zum wirtschaftlichen Erfolg - das Ettlinger Unternehmen AfB zeigt wie es geht

Ettlingen

Mit Inklusion und Nachhaltigkeit zum wirtschaftlichen Erfolg - das Ettlinger Unternehmen AfB zeigt wie es geht

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    Bevor die Daten gelöscht werden, muss die Hardware im System erfasst werden.
    Bevor die Daten gelöscht werden, muss die Hardware im System erfasst werden. Foto: AfB gemeinnützige GmbH

    Seit knapp 15 Jahren kümmert sich AfB (Arbeit für Menschen mit Behinderung) um die Aufarbeitung von gebrauchten IT- und Mobilgeräten von Firmen, Banken und öffentlichen Einrichtungen. "Immer mehr Firmen haben immer mehr Rechner. Es wird viel mehr digitalisiert. Gleichzeitig gibt es neue Technologiesprünge, das heißt, die Firmen müssen irgendwann ihr Technologie austauschen. Und dafür brauchen sie eine sinnvolle Lösung", so AfB-Geschäftsführer Daniel Büchle.

    IT-Recycling: Nachhaltigkeit steht im Fokus

    Der Ablauf sieht wie folgt aus: Die AfB holt mit eigenen Fuhrparks die Hardware von Unternehmen ab. In der nächstliegenden AfB-Filiale wird diese dann zunächst erfasst, getestet und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen eine umfangreiche Datenlöschung vorgenommen. Der Kunde wird online über den Status der Bearbeitung informiert.

    Wird alte Hardware nicht mehr benötigt, kümmert sich AfB um Recycling und Wiederaufbereitung. "Es gibt Kunden, denen es wichtig ist, dass mit der nicht mehr benötigten Hardware, die aussortiert wird, etwas Nachhaltiges passiert", erzählt Büchle. Sobald alle Daten gelöscht sind, wird die Hardware weiterverarbeitet: Sie wird neu aufbereitet, gereinigt und zum Beispiel mit neuer Grafikkarte ausgestattet. Die aufbereiteten Produkte gehen zurück in den Verkauf - entweder im eigenen AfB-Store, zu Betrieben oder zu Vereinen und Schulen. Ziel ist es, so viele Teile wie möglich aus der Hardware weiterzuverwenden,

    Menschen mit Behinderung eine Chance geben

    Neben dem Nachhaltigkeitsaspekt wird auch soziale Verantwortung bei AfB großgeschrieben, Stichwort Inklusion. 45 Prozent der über 320 Mitarbeiter sind Menschen mit Behinderung. Die AfB hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Menschen eine Chance zu geben und sie in ihrem Betrieb zu integrieren: "Das ist unser Alleinstellungsmerkmal", betont Büchle.

    In den AfB-Stores gelangen die wieder aufbereiteten IT-Produkte wieder in den Verkauf
    In den AfB-Stores gelangen die wieder aufbereiteten IT-Produkte wieder in den Verkauf Foto: AfB gemeinnützige GmbH

    "Das Selbstwertgefühl der Menschen steigt"

    Die Idee dahinter entstand durch einen glücklichen Zufall. "Unser Gründer Paul Cvilak hatte vor 15 Jahren Kontakte zu Behindertenwerkstätten. Und die Frage, die beim Abendessen dann aufkam, war: Können in solche Dienstleistungen eigentlich Menschen mit Behinderung einbezogen werden?", so der gelernte Betriebswirt. Die Geschäftsführer wollten genau das testen und haben zusammen mit einigen Computern eine Behindertenwerkstatt in Karlsruhe aufgesucht, um den Menschen dort zu zeigen, wie Daten professionell gelöscht werden.

    "Das waren sehr positive Ergebnisse", blickt Büchle zufrieden zurück. "Wir haben dann schnell festgestellt, dass das Selbstwertgefühl der Menschen sich verstärkt", so Büchle. Daraufhin kam es dann zur Gründung des ersten AfB-Standortes in Ettlingen-West.

    Das Erfolgsgeheimnis ist die Kombination

    Mit Hilfe von Behindertenbeauftragten und Sozialarbeitern sowie regelmäßigen Schulungen für Teamleiter werden die notwendigen sozialen Kompetenzen und Führungsqualitäten vermittelt: "Jeder, der ein Team führt oder hier arbeitet, dem muss klar sein, dass jeder Zweite, den er trifft, jemand mit Behinderung ist. Da dürfen keine Berührungsängste sein", betont Büchle.

    Der Erfolg gibt dem Unternehmen Recht: Im Juni feiert AfB Spatenstich für ein neues Unternehmensgebäude in der Carl-Metz-Straße in Ettlingen-West. Der Neubau schafft 50 zusätzliche Arbeitsplätze und ist gleichzeitig ein Bekenntnis zum Hauptsitz in Ettlingen. Insgesamt hat AfB insgesamt 18 Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Schweiz und Frankreich.

    Spatenstich zum neuen AfB-Hauptgebäude in Ettlingen
    Spatenstich zum neuen AfB-Hauptgebäude in Ettlingen Foto: AfB gemeinnützige GmbH

    Grund für den Neubau ist die wachsende Zahl an Mitarbeitern und Anforderungen und infolgedessen der größere Bedarf an Büroräumen. "Es ist momentan alles ein wenig zerstreut in der Ferdinand-Porsche-Straße. Wir wollen aber wieder alles kompakt in einem Gebäude haben, vor allem kurze Laufwege", erklärt Büchle die Hintergründe.

    Ohne lokale Partner geht es nicht

    Ein Standortwechsel stand bei den Planungen nie zur Debatte wie Büchle gegenüber ka-news versichert: "Wir sind hier in Ettlingen gestartet und haben viel Unterstützung bekommen. Wir haben viele langjährige Kunden, aber auch Partner wie Siemens, 1&1 oder auch Fiducia, die natürlich alle auf den Standort Karlsruhe Wert legen. Da ist es ganz wichtig, bei den Partnern in der Nähe zu bleiben", so Büchle.

    Auch die Treue zu den über 100 hiesigen Mitarbeitern war ausschlaggebend: "Die werden auch nicht einfach in eine andere Stadt umsiedeln können", erklärt Büchle schmunzelnd.

    "Wir wollen 500 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen schaffen"

    Das Erfolgsgeheimnis von AfB, die nach Büchles Aussagen jährlich ein Wachstum von rund 20 Prozent verzeichnet, liegt nach Ansicht des Geschäftsführers vor allem im Konzept aus Datensicherheit, Inklusion und sozial-ökologischer Komponente.

    "Ich glaube, dass diese Kombination bei potenziellen Kunden und Partnern sehr gut ankommt", so Büchle. Über die ambitionierten Ziele spricht der gelernte Betriebswirt ganz offen: "Über allem steht unser Ziel, 500 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung im IT-Umfeld zu schaffen. Davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt", erklärt Büchle abschließend.

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