Neben der Kombilösung war es für Karlsruhe wohl eines der größten Bauprojekte seiner Geschichte: das neue Wohnviertel in der Südoststadt mitsamt Citypark. Dort, wo früher der Güterbahnhof der Stadt Karlsruhe war, entstand ein modernes Wohnviertel mit grünem Park. Getrübt wurde und wird das neue Quartier aber von der Stuttgarter Straße. Beziehungsweise von dem Gelände zwischen Stuttgarter Straße und Bahndamm.

Was bisher in der Stuttgarter Straße geschah

Die Geschichte des Geländes ist lang. Die Historie beginnt mit dem Kauf des Geländes durch die Stadt Karlsruhe im Jahr 2009. Der Plan: Die vorhandenen Kleingärten sollen bleiben, aber in kleinerer Anzahl. Außerdem sollten die ESG Frankonia und der TC Grün-Weiß hier eine neue Heimat finden. Während an der Durlacher Allee Platz für neuen Wohnraum entstehen könnte.

Plangrundlage für Bebauungsplan "Südlich Stuttgarter Straße": Lage im Stadt­ge­biet
Plangrundlage für Bebauungsplan "Südlich Stuttgarter Straße": Lage im Stadt­ge­biet | Bild: Stadt Karlsruhe, Liegen­schaft­samt

2018 dann die Hiobsbotschaft.Das Gelände ist aufgrund der starken Bombardierung im zweiten Weltkrieg Kampfmittel- und Schadstoffverseucht. Außerdem wurde es nach dem Krieg mit Kriegsschutt aufgefüllt. Wie akut dieses Problem ist, zeigte der Fund eines Blindgängers im August 2021.

Erdarbeiten an der Stuttgarter Straße im November 2020.
Erdarbeiten an der Stuttgarter Straße im November 2020. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Hinzu kam: Das Gelände wird von streng geschützen Mauereidechsen bewohnt. Diese mussten zunächst umgesiedelt werden. Die Stadt musste handeln, der Zeitplan wurde durcheinander geworfen und lange sahen die Karlsruhe nur viel Schutt und wenig Fortschritt auf dem Baugelände.

Doch nun kommt langsam wieder Bewegung in das Bauvorhaben und die Stadt stellt einen ersten Zeitplan für die Bebauung und die Umzüge der Vereine vor. In der Sitzung des Planungsausschusses des Karlsruher Gemeinderates am 7. April informiert die Stadtverwaltung über den aktuellen Stand der Arbeiten.

"Bauabschnitte eins und zwei sind abgeräumt und eidechsenfrei

Dort heißt es: "Die Bauabschnitte eins und zwei sind abgeräumt und eidechsenfrei. Hier erfolgt die Aufbereitung des Baugrunds für die spätere Errichtung der Sportanlagen und Kleingärten von März 2022 bis Ende 2023. Beginnen sollen die Arbeiten dann mit der Einrichtung der Baustelle. Unter anderem soll an der Ecke Stuttgarter Straße/Zimmerstraße eine Containerburg aufgestellt werden. 

Stuttgarter Straße Bauarbeiten
Bild: ka-news.de

Das Baugelände soll dann von Westen nach Osten systematisch bearbeitet werden, beginnend im Westen im Bereich der Mittelbruchstraße. "Ab voraussichtlich Herbst 2022 erfolgt die Freilegung der städtischen Grundstücksgrenze durch Abtrag des alten Bahndamms und der zwischen den Bahndämmen vorhandenen Auffüllungen im Südosten des Plangebietes. Mit den Arbeiten zum Boden- und Kampfmittelmanagement wird bereits das Rohplanum für die spätere Errichtung der Sportanlagen und der neuen Kleingartenanlage hergestellt", erklärt die Verwaltung.

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Angestrebt sei dabei ein Massenausgleich innerhalb des Plangebiets. Auf der Stuttgarter Straße soll es zum Schutz der Anwohner keinen Baustellenverkehr geben. Baubedingte Auswirkungen durch Staub- und Lärmemissionen seien aber nicht vermeidbar. Im Bauabschnitt drei sollen die Arbeiten im Jahr 2025 beginnen. Bis voraussichtlich 2028 sollen das neue Vereinsgelände der ESG Frankonia und eine neue Kleingartenanlage entstehen.

Arbeiten haben im Februar begonnen

Wie die Verwaltung weiter erklärt, wurden die Mauereidechsen erfolgreich umgesiedelt.  "Vor der Räumung der Kleingärten in den Bauabschnitten eins und zwei wurden die Tiere in zuvor neu geschaffene Lebensräume umgesiedelt. Mit der Gliederung in drei Bauabschnitte und einem entsprechenden Umsetzungskonzept ist es gelungen, den Bedarf an externen Mauereidechsen-Lebensräumen auf ein Minimum zu reduzieren", heißt es in der Informationsvorlage der Stadt.

Zusätzlich wird auch der Boden für die zukünftige Nutzung des Geländes angepasst und von Kampfmitteln befreit. "Hierbei wird die erforderliche 'Kampfmittelfreiheit mit Tiefeneinschränkung von zwei Meter bis maximal vier Meter unter GOK1945' erreicht. Der Baubereich des Vereinsgebäudes wird mittels Tiefensondierung bis sechs Meter unter GOK1945 untersucht. Für den Bereich des Gebäudes wird somit eine uneingeschränkte Kampfmittelfreiheit erzielt", so die Stadt weiter. 

Die Stuttgarter Straße im November 2019.
Die Stuttgarter Straße im November 2019. | Bild: ka-news.de

Begonnen haben die ersten Arbeiten auf dem Gelände bereits am 15. Februar 2022. Dabei wurden einzelne Kleingartenanlagen zurückgebaut. Ab Herbst 2022 soll dann eine Baustraße für den Materialtransport zwischen den Bauabschnitten eins und zwei entstehen. Anfang März 2022 begannen bereits die Arbeiten zum Boden- und Kampfmittelmanagement zunächst mit Einrichtung der Baustelle.

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Vorgefundene Kampfmittel soll laut Stadt fachgerecht entsorgt und der gereinigte Boden "qualifiziert wiedereingebaut" werden. Ab voraussichtlich Herbst 2022 soll dann die Freilegung der städtischen Grundstücksgrenze durch Abtrag des alten Bahndamms und der zwischen den Bahndämmen vorhandenen Auffüllungen im Südosten des Plangebietes (Bauabschnitt 1) erfolgen.

ESG Frankonia kann wohl erst 2028 umziehen

In ihren Planungen geht die Stadt davon aus, den Großteil des vor Ort vorhandenen Materials wieder einbauen zu können. "Von zirka 300.000 Kubikmeter Material müssen nach jetziger Kenntnislage lediglich zirka 9.000 Kubikmeter nicht wieder einbaubare mineralische Massen entsorgt werden", so die Stadt. 

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Abschließend heißt es: "Die Arbeiten zur Baufeldfreimachung in den Bauabschnitten eins und zwei dauern bis Ende 2023 an. Im Bereich des Bauabschnitts 3 beginnen die Arbeiten im Jahr 2025. Bis voraussichtlich 2028 werden das neue Vereinsgelände der ESG Frankonia und eine neue Kleingartenanlage entstehen."

 
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