Der Streit um den Lachwald in Stutensee nördlich von Karlsruhe geht in die nächste Runde: Geht es nach der Stadt Stutensee, sollen an dieser Stelle auf einer Fläche von rund sechs Hektar künftig 600 kostengünstige Wohnungen mit einer Durchmischung von Einfamilien-, Reihen- sowie Doppelhäusern und Geschosswohnbauten entstehen. 

Grünes Licht für diese Pläne gibt es bereits vonseiten des Gemeinderats. Dieser legte in seiner Sitzung am 24. April die Suchflächen für die Fortschreibung des Flächennutzungsplans im gesamten Stutenseer Stadtgebiet fest- darunter auch das Plangebiet "Lachwald II". Da für die Neubaupläne etwa die Hälfte des Waldes weichen müsste, plant die Stadt Stutensee "entsprechende Ausgleichsmaßnahmen durch Aufforstung an anderen gut geeigneten Flächen". 

Bürger fürchten um die Zukunft des Lachwalds 

Bereits nach dem Bekanntwerden der Neubaupläne regte sich allerdings Widerstand seitens einiger Bürger. So rief Klaus Gompper eine Petition mit dem Titel "Rettet den Lachwald" ins Leben. Bei spontanen Bürgerinitiativen seien insgesamt 2.500 Unterschriften für den Erhalt des Lachwalds zusammengetragen worden, berichten Gegner der Neubaupläne in einer Mitteilung an ka-news. 

Sie mahnen, dass der Lachwald ein Stück Natur, Naherholung und Klimaschutz für Stutensee bedeute. Darüber hinaus haben sie die Befürchtung, dass durch die Versieglung der Flächen im Bebauungsgebiet "Lachwald II" der verbleibende Teil des Waldes nicht mehr ausreichend Wasser zur Verfügung haben und die Bäume dadurch absterben könnten. Doch auch mit dem Vorgehen der Stadt zeigen sich die Kritiker nicht zufrieden: Sie kritisieren, dass Waldflächen für Wohnung weichen müssen, sondern auch, dass vonseiten der Stadt im Kontakt mit den Bürgern "gemauert und auf Zeit gespielt" werde. 

Thema könnte nochmal im Gemeinderat landen

Nun haben Gegner der Neubaupläne eine Unterschriftensammlung ins Leben gerufen, mit der sie ein Bürgerbegehren anstoßen wollen. Das Bürgerbegehren ist eine Möglichkeit, wie Bürger einen Bürgerentscheid verlangen können. Hierfür benötigen die Initiatoren eines Bürgerbegehrens in der Regel Unterschriften von sieben Prozent aller wahlberechtigten Bürger. Im Falle des Lachwaldes müssen die Gegner rund 1.400 Stimmen in Stutensee sammeln. 

Die Stadt Stutensee wurde nach eigener Aussage von den Initiatoren bereits darüber in Kenntnis gesetzt, dass ein Bürgerbegehren angestrebt werde. Bislang seien aber noch keine Unterschriften eingereicht worden, heißt es auf Anfrage von ka-news. Sollten die Gegner die erforderlichen Unterschriften zusammenbekommen, müsste sich der Stutenseer Gemeinderat noch einmal mit dem Thema befassen und entscheiden, ob ein Bürgerentscheid durchgeführt wird oder nicht. 

Stadt Stutensee wehrt sich gegen Vorwürfe 

Den Vorwurf der Initiatoren des Bürgerbegehrens, man verweigere sich dem Dialog mit den Bürgern, will die Stadtverwaltung allerdings nicht stehen lassen.  So habe man durch Bekanntmachungen im Amtsblatt sowie Veröffentlichungen auf der städtischen Homepage die Bürger regelmäßig informiert. "Daneben diente insbesondere die Informationsveranstaltung am 4. April 2017 unter Beteiligung wesentlicher Experten dem weitergehenden intensiven Austausch", teilt die Verwaltung gegenüber ka-news mit. 

Auch im weiteren Verlauf des Verfahrens will die Stadt nach eigener Aussage die Öffentlichkeit beteiligen. Ende Juli habe der Gemeinderat dazu ein Bürgerbeteiligungs-Konzept verabschiedet, das zeitnah verwirklicht werde. Im Anschluss an eine öffentliche Auftaktveranstaltung sollen interessierte Bürger aller Stadtteile Stutensees im Rahmen einer auf zwei Termine angesetzten Perspektivwerkstatt die Möglichkeit erhalten, "sich mit ihren Ideen, Fragen und Anregungen aktiv in die 'Zukunft Wohnen in Stutensee' einzubringen."

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