Drei Varianten haben sich mittlerweile herauskristallisiert. Drei Varianten, die unterschiedliche Vor- und Nachteile haben, unterschiedlich viel kosten und zudem eine unterschiedliche Realisierungszeit haben. Für die Hagsfelder und Rintheimer scheint es jedoch nur eine Variante zu geben: Die Südumfahrung Hagsfeld beziehungsweise Nordumfahrung Rintheim.

Drei Varianten nicht genug?

Variante 1: Rund einen Kilometer soll die Südumfahrung Hagsfeld um den Karlsruher Stadtteil herumführen. Eine Planungsvariante gibt es hier jeweils mit zwei, aber auch mit vier Spuren. Startpunkt wäre der Anschluss der A5 Ausfahrt Karlsruhe-Nord, von hier wird derzeit der Verkehr über die L560 nach Karlsruhe befördert. Enden würde die Trasse an der Haid-und-Neu-Straße. Für den Anschluss an die Haid-und-Neu-Straße müsste dann die neue Straße tiefer gelegt weden, was den Lärm für Rintheim gering halten würde. 80 Millionen Euro würde die vierspurige Trasse kosten, 65 Millionen Euro die zweispurige. Besonderer Vorteil: Die Planungen sind bereits da, das Baurecht liegt vor.

Variante 2: In der Idee "Südumfahrung-Light" würde die neue Straße nicht tiefer gelegt, was wiederrum den Lärmschutz für Rintheim massiv beeinträchtigen könnte. Die zweispurig geplante Straße hätte entgegen zu Variante 1 auch keine Möglichkeit, einen Anschluss an die Theodor-Heuss-Allee zu bauen. Die Planungszeit wird auf zwei Jahre geschätzt, das Baurecht ist noch nicht erteilt. Die Kosten liegen bei 35 Millionen Euro.

Variante 3: Hagsfeld ließe sich auch im Norden umfahren. Die rund zwei Kilometer lange zweispurige Straße wäre mit 27 Millionen Euro die billigste Variante, würde aber durch Schutzgebiete verlaufen. Auch hier liegt das Baurecht nicht vor und Planungen werden auf bis zu sieben Jahre geschätzt.

Diese drei Varianten wurden den Bürgern von Hagsfeld Ende Februar und den Rintheimern vor wenigen Tagen vorgestellt. Friedemann Kalmbach von der Wählervereinigung GfK hält diese Variantenliste jedoch nicht für vollständig. Laut einer Pressemitteilung bemängelt er in einer Anfrage an die Stadtverwaltung, dass die Möglichkeit einer Brücke über die Bahntrasse überhaupt nicht vorgestellt wurde. GfK ist der Meinung, dass der Bau einer Brücke eine kostengünstige Variante sein könnte.

Doch die dringende Notwendigkeit für die Hagsfelder, die Südumfahrung bald zu realisieren, müsse man beachten. Kalmbach sagte dazu: "Welche Variante auch immer gewählt wird: Wir sind auf jeden Fall der Meinung, dass kreativ und schnell nach einer Lösung für die Verkehrsprobleme von Hagsfeld nach allen Richtungen gesucht werden muss und dies dann auch zügig umgesetzt wird." Nachdem den Hagsfeldern schon schon viel versprochen und nichts eingehalten worden sei, sei es an der Zeit etwas in die Wege zu leiten.

Die Frage der Finanzierung

Bliebe noch die Frage der Finanzierung. Die CDU-Fraktion erwartet laut einer Pressemitteilung, dass auch der Bund und das Land in die Finanzierung mit einbezogen werden. Im Dezember bereits kritisierten die Christdemokraten damit die vom SPD-Landtagsabgeordneten Johannes Stober geforderte Zahlungsverantwortung der Stadt. "Es muss schwarz auf weiß dargelegt werden, welche Rahmenbedingungen für die Finanzierung der Umfahrung gelten und welchen Beitrag die Stadt bei den verschiedenen Varianten leisten müsste. Die verbindliche Zusage über die Höhe und den Zeitpunkt der Förderung muss vorliegen. Der sparsame Einsatz der Steuergelder unserer Bürgerschaft aus dem städtischen Haushalt hat für uns Priorität“, erklärt die Fraktionsvorsitzende Gabriele Luczak-Schwarz.

"Nur durch die Varianten auf bestehendem Baurecht ist eine tatsächliche und schnelle Entlastung der Bürger vom Verkehr möglich", betont Stadtrat Thorsten Ehlgötz. Vorgestellte Alternativrouten außerhalb des bestehenden Baurechts seien daher "ungeeignet". Stadtrat Ehlgötz lenkt den Fokus zudem auf die gesamtstädtische Verkehrsinfrastruktur: "Bei der Entscheidung über den Bau sollten alle jederzeit die Potentiale zur Verbesserung des Verkehrsflusses im gesamten Stadtgebiet durch einen möglichen Ausbau der Umfahrung im Auge haben. Auch ein Stadionneubau im Wildpark muss verkehrlich erschlossen werden." Die Freien Wähler verwiesen auf diese Möglichkeit bereits in der Gemeinderatssitzung im Dezember.

Gute Chancen für eine baldige Umsetzung sieht auch der SPD-Landtagsabgeordnete in einer Pressemitteilung und hat damit auch eine indirekte Antwort auf die Finanzierungsfrage der CDU. Durch die aktuelle Umstrukturierung bei der Verkehrsförderung durch das Land können nun auch wieder Mittel für den kommunalen Straßenbau bewilligt werden. Dieser liege nach Angaben des Landesverkehrsministeriums bei 140 Millionen Euro bis 2019. "Es ist klar, dass wir gegen andere Mitbewerber um diese Mittel für Hagsfeld kämpfen müssen", so Stober.

Ergänzung 25. März:

Mit Erstaunen reagiert dagegen Manfred Groh auf die jüngsten Äußerungen seines Landtagskollegen Johannes Stober (SPD) zum Bau einer Umfahrung von Hagsfeld. In einer Pressemitteilung wundert sich Groh, dass nun Stober öffentlich verkündet, dass er sich dafür einsetze, dass das Land die Südumfahrung Hagsfelds kräftig bezuschusse. Wenn er allerdings ausführe, dass für das Projekt seit 1994 Baurecht bestehe und das Thema Nordtangente "ein für alle Mal ad acta" gelegt werden könne, dann zeige Stober einmal mehr seine "sachliche Unkenntnis", heißt es.

Sachlich richtig ist laut Groh vielmehr, dass der Bebauungsplan von 1994 eigens für die Nordumfahrung von Karlsruhe (Nordtangente) erstellt und höchstrichterlich bestätigt wurde. Nur diese Trasse bringt als neue und tiefer gelegte Umgehungsstraße in Übereinstimmung mit dem bestehenden Bebauungsplan sowohl für Hagsfeld als auch für Rintheim den gewünschten Lärmschutz. Die Politik steht also gegenüber der betroffenen Bevölkerung im Wort diese Straßenbaumaßnahme umzusetzen.

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