Am Dienstag, 10. März, ist es bereits das dritte Mal in Folge, dass sich Pegida Karlsruhe für eine Kundgebung am Stephanplatz ankündigt - und mit ihr ein Aufmarsch der Gegner. Seit Ende Februar scheint der Demonstrationstag am Anfang der Woche zur Gewohnheit geworden zu sein. Sehr zum Leidwesen der Karlsruher Einzelhändler.

Kundenrückgang, Umsatzeinbrüche, Vorsichtsmaßnahmen

Die Stimmung in den Geschäften ist schlecht. Die Zahl der Kunden geht neuerdings dienstagabends drastisch zurück, das bestätigt auch eine Sprecherin der Postgalerie. Letztere ist vom Demonstrationsgeschehen besonders stark betroffen, stellt sie doch die Gebäude-Barriere zwischen den Pegida-Anhängern auf der einen und den Gegendemonstranten auf der anderen Seite dar. "Für uns ist die Situation sehr brisant", sagt Kathrin Busch von der Postgalerie - "wir verspüren seit Beginn der Demos große Einschränkungen."

Die Stimmung im Bereich der Postgalerie sei an den Dienstagabenden extrem aggressiv, was sich auch auf das Kaufverhalten der Leute auswirke: "Ab 18 Uhr ist die Postgalerie wie ausgestorben - es wird von Woche zu Woche schlimmer." Der Umsatz gehe an diesen Tagen drastisch zurück.

Und obwohl die Polizei laut Busch sehr präsent sei und eine gute Absprache bestehe, stelle der Zustand die Ladenmieter wie auch das Centermanagement auf eine harte Probe: "Manche Ladenmieter reagieren ängstlich auf die Aggressivität der Leute vor den Schaufenstern, es gibt sogar Vorsichtsmaßnahmen das Personal betreffend", so heißt es weiter. Die Postgalerie selbst habe nun aus eigener Tasche 20 private Sicherheitskräfte eingestellt, um jeglichen Gefahren vorzubeugen.

"Auch uns ist Meinungsfreiheit wichtig, aber die Situation sprengt den Rahmen"

"Teilweise mussten wir schon die Eingänge zum Stephanplatz hin abriegeln, weil uns die Auseinandersetzungen vor der Tür zu heikel erschienen", so Busch weiter. Man habe schließlich auch bei Gruppen, die sich in der Postgalerie aufhalten, nicht immer den Überblick, ob es sich um Kunden oder potenzielle Pöbler handele.

Bisher habe man die Lage, gestützt von Polizei und Sicherheitskräften, im Großen und Ganzen im Griff. Zu konkreten Vandalismus-Delikten oder Bedrohungen sei es noch nicht gekommen. Die Postgalerie betont: "Auch uns ist Meinungsfreiheit sehr wichtig. Es ist gut, dass die Leute auf die Straße gehen." Jedoch sprenge die derzeitige Entwicklung im Bereich der westlichen Innenstadt den Rahmen - "wir hoffen, dass der Spuk in den nächsten Wochen ein Ende haben wird." Der jetzige Stand der Dinge: Man wisse bereits von einer nächsten, für kommenden Dienstag, angekündigten Demo.

Die Stimmung akut, wenige Stunden vor den dritten Demonstrationen in Karlsruhe? "Wir rechnen mit noch mehr Leuten, als bei den letzten Veranstaltungen - stellen uns also auch auf noch mehr Ärger ein." Dennoch "hoffe man natürlich auf das Beste."

ka-news-Hintergrund:

Zu den Pegida-Demos in den vergangenen zwei Wochen versammelten sich jeweils rund 200 Teilnehmer auf dem Stephanplatz. Ihnen gegenüber standen 700 Gegendemonstranten. 

Beim ersten Pegida-Aufzug am Dienstag, 24. Februar, durch die Karlsruher Innenstadt vor zwei Wochen mussten Polizisten die Pegida-Anhänger und Gegendemonstranten trennen. Dabei wurden vier Beamte leicht verletzt. Die Polizisten setzten vereinzelt Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Bei der zweiten Demonstration am Dienstag, 3. März, kam es zu massiven Ausschreitungen. Es wurden Eier und Steine geworfen. Zehn Demonstranten wurden festgenommen.

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