Nach 20 Jahren im idyllischen Grötzingen, kommt im März 2022 plötzlich die Mietkündigung ins Haus. Die Leidtragenden sind Herbert und Bärbel Keinarth. Sie wohnen im ersten Stock des katholischen Pfarrhauses. Jetzt sollen sie bis November ihre Wohnung verlassen, da die Kirchengemeinde, in diesem Fall auch Vermieter, die Wohnung für eigene Zwecke nutzen möchte. Die Familie Keinarth nimmt sich daraufhin einen Anwalt.

"Wir gehen immer vom größtmöglichen Unfall aus"

Sein Name: Ralf Schulze-Steinen, Rechtsanwalt für Mietrecht Mandanten in allen Angelegenheiten des Wohnraum- und Gewerberaummietrechts, des Wohnungseigentums- und Maklerrechts. Er hat mit den Keinarths in einem ersten Kennenlern-Gespräch über den Fall geredet. 

Rechtsanwalt Ralf Schulze Steinen aus Karlsruhe
Rechtsanwalt Ralf Schulze Steinen aus Karlsruhe | Bild: Schulze Steinen

Schulze-Steinen erinnert sich: "Wir haben uns am 8. März bei uns in der Kanzlei getroffen. Die beiden wirkten durchaus angespannt. Aber wenn man nach 20 Jahren die Nachricht erhält, dass man vielleicht seine Wohnung verliert, dann ist das absolut nachvollziehbar."

Er bestätigt auch, dass er dem Paar unter anderem empfohlen habe, sich schon einmal nach einer anderen Wohnung umzuschauen. Diese Empfehlung sei jedoch nicht daran geknüpft, dass er dem Paar schlechte Chancen für einen möglicherweise anstehenden Prozess prognostiziere. "Wir empfehlen das immer. Wir gehen immer vom größtmöglichen Unfall aus und das wäre in so einem Fall ein stattgebendes Räumungsurteil", sagt er im Gespräch mit ka-news.de.

Nur wer eine Wohnung real besichtigt, kann sich einen umfassenden Eindruck von ihr machen.
(Symbolbild) Eine Wohnungsbesichtigung | Bild: Tobias Hase/dpa/Illustration

Auf die Frage, ob die Keinarths tatsächlich Chancen haben, den Fall zu gewinnen, möchte der Anwalt aber nicht genauer eingehen. Ebenso wenig möchte er die rechtlichen Argumente seiner Mandanten darlegen. "Da möchte man sich als Rechtsanwalt nicht zu früh in die Karten schauen lassen", erklärt Schulze-Steinen. 

Anwaltskosten orientieren sich an der Miete und am Gegenstandswert

Doch solche Situationen sind für den Anwalt nicht neu. Im Gegenteil. Tatsächlich flattern Schulze-Steinen, der bei Dr. Schneider & Partner Rechtsanwaltsgesellschaft mbH im alten Schlachthof in Karlsruhe tätig ist, zahlreiche Anfragen auf den Schreibtisch. Dabei sind es sowohl Mieter als auch Vermieter, die seine Hilfe suchen. Keine billige Angelegenheit. Aber wie viel kostet denn so ein Anwaltsbesuch?

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"Bei uns beginnt alles mit einem Erstgespräch. Das kostet maximal 190 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Danach steht es den Mandanten frei, ob sie uns weitergehend mandatieren, sich beispielsweise auf einen Prozess einlassen wollen, wodurch dann weitere Kosten entstehen", so Schulze-Steinen. Gibt der Mandant grünes Licht werden die rechtlichen Schritte in die Wege geleitet und die Kosten für das Verfahren ermittelt. Diese sind sowohl von der Grundmiete des Mieters als auch vom Gegenstandswert der Wohnung abhängig. Im Falle der Keinarths (rund 650 Euro Miete, 8.000 Euro Gegenstandswert) wären zirka 900 Euro an Anwaltskosten angefallen.  

Katholische Kirche "Heilig Kreuz"
Rechts die katholische Kirche "Heilig Kreuz", links das Pfarrhaus, in welchem die Familie Keinarth wohnt. | Bild: Thomas Riedel

Zu den weitergehenden Kosten merkt Rechtsanwalt Schulze Steinen noch an: "Wenn es um eine Kündigung geht, kann man sich eigentlich grundsätzlich merken: je mehr Grundmiete bezahlt wird, desto teurer wird es.“ Außerdem ergänzt er: Die Kosten hängen immer sehr vom Einzelfall und davon ab, was der Mandant mit dem Rechtsanwalt vereinbart. Eine pauschale Antwort kann man da also nicht geben.“

Tipp für Betroffene: Immer mit einem Anwalt darüber sprechen

Doch trotz der hohen Anwaltskosten sieht der Experte es auf jeden Fall als richtig an, bei solchen Situationen immer einen Anwalt hinzuzuziehen. Der Mensch kann nicht einfach seines Wohnraumes beraubt werden. Dazu bedarf es erst einer ordentlichen Kündigung. 

Auf einen Rechtsanwalt muss man sich verlassen können. Daher spielt ein gutes Verhältnis bei der Suche nach einem Rechtsbeistand eine ...
Auf einen Rechtsanwalt muss man sich verlassen können. Daher spielt ein gutes Verhältnis bei der Suche nach einem Rechtsbeistand eine wichtige Rolle. (Symbolbild) | Bild: Christin Klose/dpa-tmn

"Wenn jemand im Kündigungsschreiben einfach nur angibt, 'Hiermit kündige ich wegen Eigenbedarf', dann ist die Kündigung schon formell nicht in Ordnung und unwirksam. Es bedarf nämlich einer hinreichenden Begründung. Bei Geschäftsräumen wäre das was anderes". so der Rechtsanwalt weiter. Ob dies im Fall der Keinarths zutrifft, möchte er nicht kommentieren. Es sei aber eine gute Entscheidung gewesen, dass Sie vorab in die Kanzlei gekommen seien. 

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"Zum Anwalt geht wahrscheinlich niemand gerne, aber meine Erfahrung zeigt, dass vieles, was durch Mandanten zunächst im Alleingang versucht wurde, später oft nicht mehr wettzumachen ist", so Schulze-Steinen abschließend.