Eine besorgte ka-Reporterin meldete sich am Montag bei der Redaktion von ka-news.de. Wie sie erklärt war sie am Wochenende nach langer Zeit mal wieder auswärts frühstücken. Die Karlsruherin besuchte eine Freundin in Speyer, dort ging es dann auch an das Frühstücksbuffet.

Rheinland-Pfalz geht einen Schritt weiter 

Was die beiden Damen aber wunderte: Im gesamten Restaurant trug niemand eine Maske. Von einer Angestellten kam sogar der Hinweis, dass sie keine Maske tragen müsse, wenn sie es nicht wolle. Denn im Gegensatz zu Baden-Württemberg gilt in Rheinland-Pfalz die Maskenpflicht in Innenräumen nicht mehr, sofern die 3G-Regel eingehalten und kontrolliert wird. In Baden-Württemberg sollen am 2. April sogar beide Corona-Regeln fallen.

Ein Aufkleber an einer Glastür weist auf das Tragen einer Maske hin.
Ein Aufkleber an einer Glastür weist auf das Tragen einer Maske hin. | Bild: Felix Kästle/dpa/Symbolbild

Die ka-Reporterin befürchtet, dass mit den Lockerungen die ohnehin aktuell hohen Corona-Infektionen weiter nach oben gehen, damit auch die Belastung der Krankenhäuser wieder steigt und schlussendlich wieder ein Lockdown - auch für die Gastronomie droht. "Hat man den in den letzten zwei Jahren nichts gelernt? Es ist wie als hätte es den Virus nie gegeben.", meint sie.

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Sie ist der Meinung, man sollte Maßnahmen wie Maskenpflicht und 3G weiter beibehalten bis die Zahlen - wie in den vergangenen Jahren, mit steigenden Temperaturen - deutlich sinken. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte die Regelungen des Bundes bereits mehrfach kritisiert und mehr Handlungsspielraum für die Länder gefordert.

Karlsruher Dehoga-Chef: "Wir wollen auch keine hohen Infektionszahlen, aber...

Treibt sich die Angst vor steigenden Zahlen und einem neun Lockdown auch in der Karlsruher Gastronomie um? ka-news.de hat bei Gastronomen in der Fächerstadt nachgefragt.

"Wir wollen auch keine hohen Infektionszahlen und alles, was perspektivisch zu einem Lockdown führen könnte, wollen wir auch nicht. Doch aus unserer Sicht kann es nicht die Lösung sein, Restaurants und Gastronomie für immer geschlossen zu halten", meint Michael Kant, Geschäftsführer der Dehoga-Geschäftsstelle in Karlsruhe. Aus diesem Grund wünscht sich der Karlsruher-Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes eine liberale Corona-Politik. 

Michael Kant, Geschäftsführer der Dehoga-Geschäftsstelle in Karlsruhe.
Michael Kant, Geschäftsführer der Dehoga-Geschäftsstelle in Karlsruhe. | Bild: Dehoga/Kant

"In Baden-Württemberg hat sich durch die neue Corona-Verordnung nichts verändert und wir als Verband tragen alle Maßnahmen mit, sofern sie infektiologisch nötig erscheinen. Was jetzt möglich erscheint oder nicht, ist eine rein politische Entscheidung. Wir freuen uns aber über eine liberale Regelung", so Kant weiter.

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Das Beispiel anderer Bundesländer - beispielsweise Rheinland-Pfalz - zeige aus Sicht von Kant, dass auch lockerere Regelung möglich seien. "In diesem Sinne begrüßen wir die Regeln ab Anfang April, wenn sie den möglich sind. Das Gastgewerbe war von Anfang an von der Pandemie betroffen und viele Betriebe sind froh jetzt wieder wirtschaften zu können", sagt Kant im Gespräch mit ka-news.de und ergänzt: "Die Wirtschaft muss bald wieder Fuß fassen und jetzt ist dafür nicht der schlechteste Zeitpunkt."

"Glücklich, dass wir nun nicht mehr mit den Corona-Regeln leben müssen"

Arya Farman, Inhaber des Oxford Pubs in Karlsruhe, glaubte einen Tag vor der Bestätigung nicht daran, "dass das Land die Maßnahmen wirklich fallen lässt." Umso besser sei es, dass die Regeln nun wirklich stark zurückgefahren werden.

Arya Farman, seit 8 Jahren Betreiber des Oxford Pubs in Karlsruhe.
Arya Farman, seit 8 Jahren Betreiber des Oxford Pubs in Karlsruhe. | Bild: Oxford Pub

"Wir sind sehr glücklich, dass wir nun nicht mehr mit den Corona-Regeln leben müssen"; erklärt Farman dazu. "Um die Risiken machen wir uns überhaupt keine Sorgen. Erstens sind jetzt zur Frühjahrssaison viele Gäste im Außenbereich und zweitens ist die Omikron-Variante einfach ungefährlich genug, dass wir guten Gewissens Lockern können. Nach zwei Jahren kann man damit auch anfangen, denke ich."

"Die Mitarbeiter sollten ihre Freiheit wieder haben"

Auf eine geringere Bedrohung durch die Omikron-Variante beruft sich auch der stellvertretende Filialleiter des Hans-im-Glück-Restaurants in der Karl-Friedrich-Straße am Marktplatz, Long Nguyen. "Corona ist alles in allem nicht mehr so schlimm wie früher", meint er. "Und es ist für unsere Gäste und unser Personal wirklich eine Erlösung, die Masken abnehmen zu können. In der jetzigen Situation finde ich das schon vertretbar", meint er.

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Immerhin musste das Personal der Gastronomie zwei Jahre lang während ihrer gesamten Schicht Maske tragen. "Das war nicht einfach und auch nicht angenehm. Ich finde schon dass unsere Mitarbeiter dahingehend langsam wieder ihre Freiheit haben sollten - ganz zu schweigen davon, dass es ein zusätzlicher Aufwand für Personal und Gäste war, die 3G-Regeln zu überprüfen", sagt Nguyen. "Insofern bin ich zuversichtlich, dass die Öffnung richtig ist. Und wer unsicher ist kann ja weiter Maske tragen."

In der Marktlücke ist man noch skeptisch

Ein wenig skeptischer zeigt sich der Miteigentümer der Karlsruher Marktlücke, Adrian Sanzillo, obwohl auch er grundsätzlich optimistisch ist: "Aus betrieblicher Sicht ist das Ende der Corona-Maßnahmen natürlich sehr gut. Ob es gesundheitlich so gut ist - das werden wir vermutlich erst im Mai wissen." Er sei sich grundsätzlich nicht sicher, ob die Öffnung nicht doch einige Wochen zu früh kommen könnte.

Adrian Sanzillo, Mitinhaber des Karlsruher Restaurants Marktlücke.
Adrian Sanzillo, Mitinhaber des Karlsruher Restaurants Marktlücke. | Bild: Marktlücke Karlsruhe

"Da können wir aber nichts tun, als abzuwarten, wie sich die Inzidenzen entwickeln. Vielleicht haben wir den Peak ja im Sommer schon überwunden und bis dahin, denke ich, können wir unser Möglichstes tun, um weiter zur Sicherheit beizutragen." Ob er sich um die beendete Maskenpflicht sorge, verneint Sanzillo. "Meiner Erfahrung nach schützen Masken nicht so sehr wie Abstand und regelmäßige Belüftung", meint er.

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"Und so lange wir daran festhalten, glaube ich, der Kurs in Richtung Freiheit ist tendenziell der richtige. Wir planen sogar, unseren Club wieder zu eröffnen. Ob es zu früh war - das werden wir sehen", so die Worte des Karlsruher Gastronomen.

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