Am 24. Februar startete Russland seinen Angriffskrieg auf die Ukraine. Eine neue Eskalationsstufe im seit 2014 schwelenden Konflikt zwischen beiden Ländern. Nun gehört der Krieg seit rund sechs Wochen zum Alltag der Menschen in Europa, seine Auswirkungen sind bis nach Karlsruhe zu spüren.

60 bis 70 Personen kommen jeden Montag

Neben vielen Flüchtlingen, die in der Fächerstadt ankommen, steigen für Verbraucher Sprit- und Energiekosten. Doch auch Organisationen, die im täglichen Leben meist im Verborgenen bleiben, kämpfen mit den Konsequenzen des militärischen Konflikts. Ein Beispiel: Der Verein "Sozial-Treff 88 e.V." in aus Karlsruhe. 

Besuch beim Sozial-Treff 88 e.V.
Bild: Needham/Mohawkvisuals

In den Räumen vom Tagestreff "Die Tür" bieten die ehrenamtlichen Helfer jeden Montag ein warmes Essen für 60 bis 70 Personen an. Dabei handelt es sich um sozial schwache Personen, Bedürftige oder Obdachlose. "In letzter Zeit merken wir, dass immer mehr Menschen zu uns kommen und unser Angebot annehmen. Zu den 60 bis 70 Personen vor Ort kommen noch ungefähr 20 'To-go-Essen", sagt Melanie Hofsäß im Gespräch mit ka-news.de. Das Problem dabei: Die Spendenbereitschaft scheint aktuell extrem zurück zu gehen. 

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Hofsäß ist seit Beginn der Corona-Pandemie eine der ehrenamtlichen Helferinnen und im Vorstand von Sozial-Treff 88. "Wir sind ein gemeinnütziger Verein der auf Spenden angewiesen ist. Und wir merken, dass die Spenden aktuell stark zurückgehen", erklärt Hofsäß.

Ein Beispiel: "Bis vor Kurzem hat uns ein Bäcker seine alten belegten Brötchen gespendet, jetzt verteilt er sie über die App 'to-good-to-go'. Für uns ein ganz großer Verlust", meint die ehrenamtliche Helferin. Woran die ansonsten geringe Spendenbereitschaft läge, könne die Beschäftigte im öffentlichen Dienst nicht sagen. Die Vermutung, dass Spenden eher in Richtung Ukraine gehen, liegt aber nahe.

Weniger Spenden, mehr Menschen die Hilfe brauchen

"Wir machen uns Gedanken, ob die Leute im Moment eher woanders spenden, wo es natürlich auch gebraucht wird, aber wir brauchen Spenden genauso", so Hofsäß und macht klar, dass sie Spenden für die Ukraine keinesfalls verurteile. Ein ähnliches Problem beschrieb Udo Engelhardt, Vorstandsmitglied des Landesverbandes der Tafeln Baden-Württemberg gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur.

Besuch beim Sozial-Treff 88 e.V.
Bild: Needham/Mohawkvisuals

"Die Spenden werden weniger gleichzeitig kommen aber immer mehr Leute montags zu uns", fasst Hofsäß das Dilemma zusammen. "Bisher haben wir es immer hinbekommen und wir schicken niemanden weg." Vorstandskollege Frank Urban ergänzt: "Es gab immer mal wieder Phasen, in denen mal mehr und mal weniger gespendet wurde. Ob es wirklich mit der Ukraine zusammenhängt kann ich aktuell noch nicht sagen, ich denke, es wird sich in den nächsten Wochen zeigen." 

Die Vorstände Frank Urban (mitte) und Melanie Hofsäß im Gespräch mit ka-news.de-Redakteur Carsten Kitter
Die Vorstände Frank Urban (Mitte) und Melanie Hofsäß im Gespräch mit ka-news.de-Redakteur Carsten Kitter. | Bild: Needham/Mohawkvisuals

Ein möglicher Grund für den erhöhten Zulauf in der Kriegsstraße 88: Die steigenden Energiekosten. "Wir als Verein haben damit zum Glück kein Problem, weil wir bei der Diakonie Gast sind, aber die Menschen, die eine Wohnung haben und zu uns kommen, können sich die grundlegendsten Sachen nicht leisten. Strom, Gas, Heizung, die Preise steigen generell enorm und alles wird teurer", erklären Hofsäß und Urban gemeinsam. Es sei also nur logisch, dass Angebote wie diese nun vermehrt wahrgenommen werden.

Auch Ukrainer kommen in die Kriegsstraße

Ein weiterer Faktor: Auch Menschen aus der Ukraine nutzen das Angebot des Vereins. "Letzte Woche ist es uns extrem aufgefallen. Es waren Menschen die aus der Ukraine stammen könnten, die wir vorher noch nie gesehen haben und die auch kein Deutsch sprechen konnten", so Hofsäß. "Ins Gespräch sind wir leider nicht gekommen, aber auch diese Menschen finden Hilfe bei uns."

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Benötigt werden beim Verein jederzeit Geldspenden, um für das wöchentliche Essen einkaufen zu gehen. Auch Sachspenden wie Kleidung, Decken oder Rucksäcke nimmt man in der Kriegsstraße dankend entgegen. Auch Obst oder Lebensmittel können gespendet werden. Infos dazu gibt es unter sozialtreff88.wordpress.com.

Alle Bilder vom Sozial-Treff 88 e.V.

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