Das Kreiswehrersatzamt Karlsruhe hat bis Freitag 71 sogenannte "Mitteilungen zum Dienstantritt des neuen Freiwilligen Wehrdienstes" - früher Einberufungsbescheid - versandt. Darunter befindet sich eine Frau. Das teilte die Wehrbereichsverwaltung Süd auf ka-news-Anfrage mit.

"Seit bekannt ist, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wird, erklären sich weniger Personen für den Wehrdienst bereit", sagt Thorsten Beller, Leiter des Auskunfts- und Beratungszentrums des Kreiswehrersatzamtes Karlsruhe, gegenüber ka-news. Während bis zum 31. Dezember 2010 täglich etwa 70 bis 80 junge Menschen im KWEA gemustert wurden, seien es seither nur noch sieben bis acht Bewerber pro Tag, so  Beller.

Wird Standort Karlsruhe geschlossen?

Zum Kerngeschäft des Kreiswehrersatzamtes zählte bisher die Musterung und Einberufung wehrpflichtiger Männer. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht sind nun etliche Aufgaben wie Beratungsgespräche, Eignungstests und Untersuchungen weggefallen. Bereits im Januar befürchtete Beller im ka-news-Gespräch, dass die rund 120 Mitarbeiter des KWEA künftig wesentlich weniger zu tun haben.

Die Mitarbeiter der Ämter sollen nach Auffassung des Ministeriums daher neben der Beratung und Berufsförderung von Soldaten verstärkt Freiwillige rekrutieren. Doch nicht alle Kreiswehrersatzämter werden zu Werbezentren der Bundeswehr umgestaltet. Nach Informationen der Deutschen Presseagentur (dpa) könnte die Hälfte aller 52 Ämter in Deutschland geschlossen werden. "Das ein oder andere Amt wird  nicht bestehen bleiben", glaubt auch Beller. Ob allerdings der Standort Karlsruhe davon betroffen sei, dass könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. "Das ist eine politische Entscheidung, da haben wir keinen Einfluss", so Beller. Der Verteidigungsminister habe eine Standortentscheidung für den kommenden Herbst angekündigt.

Musterung war Kerngeschäft

Bis dahin werden die Angestellten des KWEA verstärkt junge Männer für den Freiwilligendienst werben. Auch mache man sich Gedanken darüber, wie junge Menschen für die Bundeswehr am Besten begeistert werden könnten, so Beller. Kürzlich habe man daher bei einem KSC-Heimpspiel einen Informationsstand vor dem Stadion aufgebaut, um das Interesse junger Männerzu wecken. Aber auch auf Ausbildungsmessen und in Schulen sei man verstärkt aktiv.

Im Zuge der Bundeswehrreform werden wehrpflichtige Personen ab dem 1. Juli nicht mehr von Kreiswehrersatzämtern erfasst. Dennoch sind die Meldebehörden verpflichtet dem Bundesamt für Wehrverwaltung den Familiennamen, Vornamen und die aktuelle Anschrift von Frauen und Männern mit deutscher Staatsangehörigkeit zu übermitteln, die im darauf folgenden Jahr volljährig werden.

Die Daten verwendet das Bundesamt für Wehrverwaltung, um Informationsmaterial zur Bundeswehr an die jungen  Bürger zu versenden. Interessierte bekommen im Anschluss eine Beratung und werden Eignungstests unterzogen. Diese finden wie gehabt in den Kreiswehrersatzämtern statt. Wer nicht will, dass seine persönlichen Daten an das Bundesamt für Wehrverwaltung weitergegeben werden, kann der Datenübermittlung widersprechen.

8,3 Millionen Männer haben Pflichtdienst geleistet

Der neue freiwillige Wehrdienst dauert bis zu 23 Monate und steht auch Frauen offen. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums beginnen am Montag bundesweit rund 3.419 freiwillige Rekruten ihren Dienst bei der Bundeswehr. Hinzu kommen 5.700 Wehrpflichtige, die länger bei der Bundeswehr bleiben.

Die Wehrpflicht wurde in der Bundesrepublik im Juli 1956 per Gesetz eingeführt, die ersten 10.000 jungen Männer wurden zum 1. April 1957 eingezogen. Seitdem haben insgesamt 8,3 Millionen junge Männer ihren Pflichtdienst geleistet. Die letzten 12.000 Wehrpflichtigen wurden zum 3. Januar dieses Jahres einberufen. Ihre sechsmonatige Dienstzeit endete am Donnerstag. Die Wehrpflicht bleibt allerdings im Grundgesetz verankert und kann bei Bedarf mit einfacher Mehrheit in Bundestag und Bundesrat wieder eingeführt werden.

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