Die Zivildienstschule Karlsruhe ist die größte ihrer Art in Deutschland. Seit der Gründung im Jahr 1985 haben hier über 145.000 junge Männer an Lehrgängen zur politischen Bildung teilgenommen. Die Seminare waren dabei verpflichtend. Das Ende des Zivildienstes stellt die Einrichtung nun vor neue Herausforderungen.

Frauen und Männer jeden Alters

Unter dem Namen Bildungszentrum Karlsruhe sollen hier künftig Bundesfreiwilligendienstleistende, sogenannte "Bufdis", unterrichtet werden. Denn auch sie müssen künftig 25 Bildungstage absolvieren. Allerdings nur die unter 27-Jährigen. Älteren Freiwilligen ist es selbst überlassen, ob sie an solchen Seminaren teilnehmen. Die ersten Bufids in Karlsruhe werden im September erwartet. Wie viele es sein werden, weiß die Schulleitung heute noch nicht.

Platz bietet das Gebäude für insgesamt 180 Personen. Während bisher fast ausschließlich junge Männer in dem Gebäude im Stadtteil Weiherfeld-Dammerstock untergebracht waren, werden zukünftig dort Männer und Frauen jeden Alters erwartet. Denn im Unterschied zum Zivildienst und zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) steht der BFD auch über 27-Jährigen offen. Eine Herausforderung für die Dozenten, die Inhalte der Seminare auf die Teilnehmer aus allen Altersklassen und Bildungsschichten anzupassen.

BFD kann Erfolgsgeschichten werden

In der Einrichtung werden die Teilnehmer nicht nur mit Bildung versorgt, sondern auch verköstigt und untergebracht. "Wir waren nie nur eine Schule, sondern immer auch ein Internat", betont James Wimmi, Verwaltungsleiter des Bildungszentrums. 30 Festangestellte vom Dozenten über die Verwaltungsangestellten bis zum Koch seien an dem "Gesamtkunstwerk" beteiligt.

Obwohl der Zulauf beim BFD bisher gering ist - von bundesweit 35.000 angestrebten Bufdi-Stellen sind nach Angaben des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BaFzA) bislang nur etwa 1.500 besetzt - hofft die Schule auf eine Erfolgsgeschichte. Wolfgang Atzesberger, Dozent an der Schule seit der ersten Stunde, erinnert daran, dass der Zivildiensts im Jahr 1961 gerade einmal mit 340 Zivis begann. Im Jahr 1999 waren es bereits 138.000. "Wir müssen abwarten und den Dienst bekannt machen", so Atzesberger. Dann könne auch der BFD ein Erfolg werden.

Keine Kürzungen erwartet

Die Bereitschaft der Gesellschaft etwas Gutes zu tun, gebe es nach wie vor, zeigt sich auch Wimmi optimistisch. "Der Run auf den Zivildienst war ja auch immer da." Allerdings gibt Wimmi zu Bedenken, dass es schwieriger werde, ein bestimmtes Klientel für den BFD zu gewinnen. Auch der stellvertretende Schulleiter Rolf Vogelsberg glaubt an den Dienst, denn seine Erfahrung habe gezeigt, dass die jungen Menschen "keine Generation unpolitischer Egoisten" sei.

Die Zivildienstschule Karlsruhe war eine von 20 Zivi-Schulen in Deutschland. Künftig wird es bundesweit 17 Bildungszentren geben. "Es war immer klar, dass diese Schule in Karlsruhe erhalten bleibt", versichert  Norbert Hasel, Leiter des Bildungszentrums. Derzeit erwartet der Schulleiter auch keine Kürzungen durch das BaFza bei Etat und Personal. Auch führe die Stadt Karlsruhe die seit 1987 bestehende Patenschaft mit dem neuen Bildungszentrum fort.

Der letzte Zivi sagt tschüss

Der 19-Jährige Kay-Eric Steffan ist einer der Zivis, die am Dienstag die letzten Einführungstage in Karlsruhe begonnen haben. "Es ist schon etwas Besonderes zu wissen, dass wir die letzten Zivis sind", erklärt er. Der Ludwigshafener lobt die Seminare an der Schule. "Es war sehr interessant. Ich würde es wieder machen."

Grund für die Schaffung des neuen Dienstes ist, dass nach 55 Jahren die Wehrpflicht - und damit eben auch der bisherige Zivildienst - abgeschafft wird. Der Einsatz kann in sozialen, ökologischen und kulturellen Bereichen sowie im Sport, im Zivil- und Katastrophenschutz oder der Integration stattfinden. Die Freiwilligen sollen 330 Euro Taschengeld bekommen. Der Dienst soll dem Gesetz zufolge ebenso wie der Zivildienst keine regulären Arbeitsplätze kosten, sondern allein unterstützende Tätigkeiten beinhalten. Die Freiwilligen besuchen während ihres Engagement Seminare zur politischen Bildung. Den neuen Dienst dürfen Männer wie Frauen sowie auch ausländische Staatsbürger ausüben. Es gibt keine Altersgrenze.

Weitere Informationen zum BFD finden Sie unter: www.bundesfreiwilligendienst.de

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