Um eine schnelle Überhitzung der empfindlichen Aufzug-Bauteile am Europa- und Marktplatz zu verhindern, wollen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) diese nun umbauen. Die kurzfristigen Maßnahmen: Die betroffenen Elemente an einen "schattigeren Bereich" versetzen, teilt die VBK in einer Pressemitteilung am 9. August mit.

Ingenieur warnt vor "weiterem unqualifiziertem Vorgehen"

Auch wenn sich die Verantwortlichen dadurch lediglich eine Überbrückungslösung erhoffen, hegt Rüdiger Ratzel seine Zweifel. Der pensionierte Diplomingenieur befürchtet, dass unter der intensiven Sonnenstrahlung bereits nachhaltige Schäden an der elektronischen Steuerung eingetreten sind - und das werde sich bemerkbar machen.

Fahrstuhl am Marktplatz (Pyramide).
Auf das Glasdach knallt die Sonne. | Bild: Jeremy Gob

Ratzel wohnt gemeinsam mit seiner Ehefrau in Durlach. Der pensionierte Diplomingenieur arbeitete in seiner Karriere bei Bosch, dem deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und als Dozent an der Fachhochschule Esslingen -  kann also auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. "Ich habe mich sowohl bei der Automobiltechnik, als auch in der Lehre genau mit solchen Themen auseinandergesetzt", erklärt Ratzel. 

Ratzel ist persönlich betroffen

Mit seiner langjährigen Erfahrung konnte Ratzel die Maßnahmen der VBK nicht unkommentiert lassen. Deshalb wendete sich der besorgte Karlsruher in einem Leserbrief an ka-news.de.  "Warnen möchte ich vor weiterem unqualifiziertem Vorgehen", teilt Ratzel in einem anschließenden Telefonat mit der Redaktion mit.

Treppe U-Bahn Kaiserstraße.
Eine Treppe kommt als einziger Weg oft nicht in Frage. | Bild: Jeremy Gob

Die Problematik betreffe den pensionierten Experten auch auf einer persönlichen Ebene. "Meine Frau ist gehbehindert und somit selbst auf die Fahrstühle angewiesen", sagt Ratzel. "Man verlässt sich darauf, dass die Geräte funktionieren - schließlich ist nicht überall eine Rolltreppe verfügbar."

Die Sonne hat die Technik dauerhaft geschädigt

Die Folgen der Maßnahmen ließen sich bereits jetzt vorhersagen, meint der Diplomingenieur. "Vorzeitige, angeblich rätselhafte Defekte werden sich einstellen und die Betriebsbereitschaft der Anlage wird nur sehr vermindert festzustellen sein", befürchtet Ratzel. Selbst wenn die jetzt eingebauten Steuerungen an einem kühleren Montageort dann zunächst noch funktionieren sollten, von langer Dauer werde dies nicht sein.

Verbaute Chips in einem geöffneten Smartphone.
Verbaute Chips in einem geöffneten Smartphone. | Bild: Lino Mirgeler/dpa

Besonders betroffen seien Lötstellen, Kondensatoren und Computer-Chips - wie in den Handys. "Die sind in der direkten Sonne - und hinter Glas - Temperaturen von 80 bis 90 Grad ausgesetzt", erklärt Ratzel. Und diese Bedingungen ändern sich auch nach einem Abschalten der Anlage nicht.

"Einfach Ausbauen und wegschmeißen"

"Selbst als die Fahrstühle ihren Betrieb einstellten blieb die Sonneneinstrahlung bestehen", merkt der Diplomingenieur an. Diese "angegriffenen" Teile nun an eine andere Stelle am Fahrstuhl zu montieren, wäre keine angemessene Lösung.

Fahrstuhl Europaplatz (Richtung Mühlburger Tor).
Fahrstuhl Europaplatz (Richtung Mühlburger Tor). | Bild: Jeremy Gob

Bei den betroffenen technischen Elementen handele es sich, nach Meinung des Ingenieurs, um leicht ersetzbare Steuerungsteile. "Die sind nicht so teuer, im Vergleich zu den mechanischen Bauteilen." Deshalb empfiehlt Ratzel: "Einfach Ausbauen und wegschmeißen."

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Ob die Elemente tatsächlich betroffen seien, ließe sich problemlos feststellen, so Ratzel. In der Regel seien technische Steuerelemente mit einem internen Temperaturetikett versehen. "Das sind kleine, runde, silberne Aufkleberchen, die chemisch so präpariert sind, dass sich ihre Farbe bei zu hohen Betriebstemperaturen ändert." Diese einmalige Farbänderung könne bei Untersuchungen den unumstößlichen Beweis liefern, dass die Bauteile einer zu hohen Temperatur ausgesetzt gewesen sind. 

 
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