"Es ist sicher nicht so, als würde die Stadt nichts für Radfahrer tun", sagt Aljoscha Löffler, Stadtrat der Grünen Fraktion in Karlsruhe. "Beispielsweise verfolgt sie den Ansatz, jedes Jahr 500 neue Parkmöglichkeiten für Fahrräder in Karlsruhe zu installieren", sagt er. Dieses Verfahren sei allerdings mit einem sehr langwierigen Prozess verbunden, sondern berge auch einige Nachteile.

Aljoscha Löffler Grüne
Aljoscha Löffler, Stadtrat der Grünen-Fraktion Karlsruhe. | Bild: Grüne Karlsruhe

"Aus einigen anderen Fraktionen gibt es bei jeder Gelegenheit Gegenwind zu neuen Fahrradständern - und das, obwohl 500 Neue im Jahr kaum reichen", so Löffler.

"Sieht man sich etwa die Südweststadt an, merkt man, dass es dort immer viel zu voll mit Fahrrädern ist und nur wenige einen Ständer oder eine Möglichkeit zum Abschließen findet. Außerdem ist es sehr schwer, den Standort Parkmöglichkeit anzupassen, wenn man sie fest installiert", sagt der Stadtrat.

Weniger Autoparkplätze - mehr Fahrradparkplätze

Gemeinsam mit seiner Fraktion reichte er daher einen Antrag im Gemeinderat ein, um Lösungen für diese Nachteile zu finden. "Wir möchten gerne mehrere Autoparkplätze in Karlsruhe versuchsweise für einen zu Parkmöglichkeiten für Fahrräder umfunktionieren. Damit könnten wir die Radler selbst und auch die Fußgänger entlastet werden, da die Fahrräder dann eine Parkmöglichkeit haben und nicht mehr im Weg herumstehen", meint er,

Fahrrad-Siesta im Schlossgarten.
Manche Räder hängen an Parkbanken. (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Die drei Monate, die dem 9-Euro-Ticket gewidmet sind, halte Löffler dabei für einen günstigen Zeitraum für so einen Versuch. "Viele Menschen werden zu dieser Zeit die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, viele auch mit dem Rad. Gerade an den großen Umsteigeplätzen wie dem Hauptbahnhof, dem Albtalbahnhof und dem Europaplatz rechnen wir mit einem sehr großen Fahrradaufgebot, dem wir mit diesem Versuch beikommen wollen."

"Es bräuchte dafür nicht viele Parkplätze"

Eine experimentelle Herangehensweise mit neuen Parkmöglichkeiten halte Löffler dabei für sinnvoller als einfach die Zahl der festinstallierten Fahrradständer zu erhöhen. "Wenn wir merken, dass wir vielleicht nicht an der richtigen Stelle stehen mit den Probeparkplätzen, verlegen wir sie einfach und sehen, ob es dann besser klappt. Dafür bedarf es nicht einmal besonders vieler Autoparkplätze, die wir umfunktionieren müssen", sagt er.

Fahrradfahrer in Karlsruhe.
Mehr Fahrradständer für Karlsruhe? | Bild: Thomas Riedel

Im Durchschnitt biete ein Autoparkplatz etwa die Fläche für acht bis zehn Fahrradparkplätze. "Nehmen wir also an, wir würden in einer Straße vier Autoparkplätze durch Fahrradständer ersetzen. Dann gäbe es dort schon mindestens 32 Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Damit wäre schon einiges geholfen." Eine Ausnahme bilde allerdings der Hauptbahnhof.

(Symbolbild)
Fahrräder am Hauptbahnhof Karlsruhe. (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

"Wenn wir nicht wollen, dass die vielen Reisenden, die ihr Fahrrad zum Bahnhof mitnehmen, es dort abschließen, wo eben gerade Platz ist, müssen wir dort schon mehr Fahrradabstellplätze installieren. Wie viele genau, das hoffen wir durch den Versuch herausfinden zu können."

"Gibt man 1,5 Millionen für Autofahrer aus, stört es niemanden"

Bei allem Potenzial, das Löffler für diesen Versuch beschreibt, stellt sich aber dennoch die Frage, was er die Stadt kosten soll? Vergleichsweise wenig, wie der Stadtrat erklärt: "Ein einfacher Fahrradständer kostet ein paar Hundert Euro", sagt er. "Und selbst wenn wir eine teure Luxusanfertigung für den Versuch hinstellen würden, wären wir noch immer im fünfstelligen Bereich". Dem stellt Löffler die Ausgaben für Autofahrer gegenüber.

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"Sobald eine Sanierung der Straße - der Autofahrbahn - nötig wird, nimmt die Stadt gerne einmal 500.000 Euro in die Hand. Und das geschieht nur bei der Planung. Bei der Ausführung passiert es gerne, dass sich die Kosten auf 1,5 Millionen Euro häufen. Aber wenn man 1,5 Millionen Euro für Autofahrer ausgibt, stört sich im Nachhinein niemand mehr daran", meint Löffler weiterhin.

"Wir rechnen mit Gegenwind"

Doch obwohl dieser Versuch laut der Grünen-Fraktion sowohl sinnvoll als auch kostengünstig und in optimalen zeitlichen Rahmen ist, sei Löffler eher skeptisch, ob der dazugehörige Antrag vor dem Gemeinderat durchkommt. "Die Stadtverwaltung und die anderen Fraktionen sind meiner Meinung nach nicht sehr fahrradfreundlich", erklärt er.

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"Genau genommen haben wir bereits einen ähnlichen Antrag für einen Versuch im letzten Jahr gestellt. Dieser hier ist eine Version, bei der wir schon einige Kompromisse eingegangen sind. Wir rechnen also mit Gegenwind aus dem Gemeinderat, sind aber auch bereit, den Antrag immer wieder in abgewandelter Form einzureichen", sagt Stadtrat Löffler. Wie mit dem Antrag verfahren wird, entscheidet sich dann in der Gemeinderatssitzung am 28. Juni.

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