Das Problem existierte bereits bevor Russland seine bedrohliche Attitüde in einen Angriffskrieg verwandelte: steigende Gaspreise für die Kunden der Stadtwerke durch die zugespitzte Situation in der Ukraine und einem Massenbankrott bei sogenannten "Billiganbietern". Wo die Strom- und Wasser- und Fernwärmekosten im Februar noch unangetastet waren, sind sie zum jetzigen Zeitpunkt bereits angestiegen - und könnten noch weiter ansteigen.

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"Wie sich das weiterentwickelt, lässt sich aufgrund starker Schwankungen und vielen Faktoren aber nicht sagen", so ein Sprecher der EnBW. Es sei jedoch stark anzunehmen, dass sich die Preise vermutlich erst auf hohem Niveau einpendeln werden, wie auch die Stadtwerke Karlsruhe bestätigen. "Bei den Gaspreisen ist das bereits der Fall", so der Sprecher der Stadtwerke weiter. "Bei Strom, Wärme und Wasser ist es schon ein wenig unberechenbarer."

Krieg in allen Aspekten

Man müsse bedenken, dass ein Krieg auch im komplexen System der europäischen Wirtschaft auf die verschiedensten Weisen Schaden anrichte: "Die Großhandelspreise für Kohle sind durch den Krieg ebenfalls stark angestiegen. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Strompreise an der Börse. Auch hier ist für die Haushaltskunden mittelfristig mit Preisanstiegen zu rechnen. Durch diese gestiegenen Kosten für Strom werden für die Stadtwerke auch die Pumpstromkosten beim Trinkwasser steigen."

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Auswirkungen auf den Kundenpreis für Wasser seien dabei aber noch nicht zu befürchten. Anders stehen sich die Dinge allerdings mit Fernwärme. "Die Liefervereinbarung der Fernwärme läuft über eine Vereinbarung mit der Ölraffinerie Miro und der EnBW", so der Sprecher weiterhin. Und nicht nur Fernwärme werde laut der EnBW auch in Karlsruhe immer problematischer. Die gesamte Energielandschaft werde voraussichtlich umstrukturiert werden müssen.

Die Energiewende zur Versorgungssicherheit

"Bisher wurde Nachhaltigkeit vor allem mit Klimaschutz assoziiert. Jetzt rückt Versorgungssicherheit mehr als bisher in den Vordergrund", schreibt EnBW auf Anfrage von ka-news.de. Den potenziellen Rohstoffengpässen durch den Krieg müssten also durch sparsamen Verbrauch und einem Wandel der Hauptenergiequellen entgegengewirkt werden.

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"Die Energieversorgung unseres Landes muss stärker und schneller auf erneuerbare Energien und den Einsatz von Wasserstoff ausgerichtet werden. Dies bedeutet in der Konsequenz eine Ausweitung und eine effektive Beschleunigung aller notwendigen Investitionen in die erforderliche Infrastruktur", so die EnBW weiter. Erste Dialoge seien dazu bereits unternehmensintern und in Kooperation mit der Politik geführt worden.

Was bedeutet das für den Kunden?

Wie genau sich die Energiesituation jedoch für die Kunden auswirken werde, sei weder im Zusammenhang mit der EnBW noch mit den Stadtwerken verlässlich prognostizierbar. Das liege auch daran, dass möglicherweise neue Energielieferanten gefunden werden müssten: "Sollte Russland den Gashahn zudrehen, ist dies eine große Herausforderung für die Energieversorgung", sagt der Sprecher der Stadtwerke dazu.

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Für Karlsruhe selbst sei dahingehend aber nichts Unmittelbares zu befürchten. "Wir beziehen seit einigen Jahren das Erdgas für Karlsruhe aus Norwegen und konnten die Lieferverträge für den kommenden Winter auch wieder mit Equinor sichern", so der Sprecher weiter. Das Gas komme über drei Pipelines in die Fächerstadt geliefert und werde von einem staatseigenen Unternehmen geführt. Vorerst sei die Versorgung selbst also gesichert.