Die Bilder einer Rauchsäule aus dem polynesischen Inselstaat Tonga begleiteten die Medienlandschaft seit dem vergangenen Wochenende. Ein kurzer, aber extrem energischer Vulkanausbruch auf der zu Tonga gehörenden Insel Hunga Tonga-Hunga Ha'pai führte zu katastrophalen Schäden und temporärer Funkstille zwischen dem pazifischen Königreich und dem Rest der Welt. Für die Bevölkerung könne man dennoch von Glück im Unglück sprechen.

Über dem Vulkan Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai steigt eine große Asche-, Dampf- und Gaswolke über dem Meeresspiegel auf.
Über dem Vulkan Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai steigt eine große Asche-, Dampf- und Gaswolke über dem Meeresspiegel auf. | Bild: Tonga Geological Services/ZUMA Press Wire Service/dpa

Druckwelle erreichte auch Karlsruhe

"Natürlich darf man die Tragödien, die den Menschen dort widerfahren sind, nicht schönreden", sagt Andreas Schäfer, wissenschaftlicher Mitarbeiter für allgemeine Geophysik und forensische Katastrophenanalyse am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). "Aber im Direktvergleich ist der Ausbruch sogar recht glimpflich verlaufen - und das trotz dem Tsunami, der dadurch erzeugt wurde."

Andreas Schäfer tritt für die Partei der Humanisten bei der Landtagswahl 2021 an.
Andreas Schäfer, wissenschaftlicher Mitarbeiter für allgemeine Geophysik am Geophysikalischen Institut des KIT. Außerdem Koordinator für forensiche Katastrophenanalyse. | Bild: Schäfer

Aktuell liege die Zahl der Todesopfer nämlich im einstelligen Bereich. "Das auf Tonga installierte Tsunami-Frühwarnsystem hat funktioniert und minimierte die Todesopfer. Leider hatten einige Schwimmer in Peru nicht so viel Glück. Der Tsunami erreichte sie, während sie sich im Wasser befanden, worauf sie ertranken", sagt Schäfer.

Und während der Wirkungsbereich der Eruption schon gewaltig wirkt, wenn er sich über den gesamten Pazifik erstreckt, war er sogar noch weitreichender. Die Druckwellen des Ausbruchs beispielsweise rollten durch die gesamte Erdatmosphäre - inklusive über den Südwesten Deutschlands und damit auch über Karlsruhe.

"Ein Beben, das durch die Welt ging"

Eine ganze Hemisphäre von Tonga entfernt - in der Fächerstadt selbst - seien die Auswirkungen des Vulkanausbruchs noch immer messbar gewesen, wie Schäfer erklärt: "In Karlsruhe wie in ganz Deutschland konnte die Druckwelle an den meteorologischen Stationen nachgewiesen werden", so der Geophysiker. "Sie erreichte uns von beiden Seiten des Globus - nicht gleichzeitig, da Tonga ja nicht exakt auf der anderen Seite der Welt liegt - und erhöhte blitzartig den Luftdruck."

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Ähnliche Phänomene seien durch die seismischen Erschütterungen aufgetreten, die der Vulkanausbruch verursachte. "Forscher in den USA haben berechnet, dass der Ausbruch auf Tonga eine Magnitude von 5,8 hatte - das entspricht in etwa einer äußerst starken Wasserstoffbombe. Die Vibrationen, die dadurch ausgelöst wurden, durchdrangen sowohl durch den Erdkern als auch die Erdoberfläche. Wir sprechen hier von einem Beben, das durch die ganze Welt ging."

Kurzzeitfolgen für das Klima möglich

Dieses Beben sei auch in Karlsruhe nachgewiesen worden, allerdings nur mithilfe seismographischer Messinstrumente. Für Menschen seien die äußerst feinen Erschütterungen nicht wahrnehmbar, so Schäfer. Außerdem seien Druckwelle und Beben viel zu schnell wieder weitergezogen, um größere Eindrücke als nur eine Spitze in den Messdiagrammen zu hinterlassen. Anders sehe es aber mit den ausgestoßenen Aerosolen aus.

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"Die vom Vulkan in die Atmosphäre gewirbelte Asche und die Aerosole könnten Kurzzeitfolgen auf das Klima haben, die wir derzeit noch nicht abschätzen können", so Schäfer. "Schon in der Vergangenheit gab es große Vulkanausbrüche, die das Klima der Welt massiv beeinflussten, etwa 1991 in Pinatubo oder 1815 in Tambora - das darauffolgende Jahr 1816 ging weltweit als das berühmte Jahr ohne Sommer in die Geschichte ein."

Könnte gar der Sommer in Karlsruhe ausfallen?

Dass der Karlsruher Sommer im Jahr 2022 aufgrund des Vulkanausbruchs ausbleibt, halte Schäfer aber für äußerst unwahrscheinlich. "Es war eine sehr heftige, aber kurze Eruption, bei der sich der Ausstoß von Partikeln noch in verhältnismäßigen Grenzen hielt", meint Schäfer. "Auf das globale Wetter, sowie den menschengemachten Klimawandel, werden sie aller Wahrscheinlichkeit keinen Einfluss nehmen."

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Langzeitfolgen seien in Karlsruhe also kaum zu befürchten. "Auch die längerfristigen Auswirkungen des Vulkanausbruchs in Tonga werden in Deutschland vermutlich so gering sein, dass sie sich nur mit empfindlichen Messgeräten erfassen lassen."