Steigende Energiekosten und der Umstieg auf erneuerbare Energien. Themen, die im Moment so aktuell sind wie wohl noch nie. Durch den Krieg in der Ukraine nimmt das Thema mehr und mehr an Fahrt auf und hat nun auch Karlsruhe erreicht. 

Mehr Beratung zum Thema Balkon-Photovoltaik

Ein Faktor in Sachen "grüner Energie" sind sogenannte Balkon-Photovoltaikanlagen. Diese sind im Vergleich zur klassischen Photovoltaikanlage auf dem Dach deutlich kleiner, günstiger, in der Handhabung leicht zu bedienen und auch für Mieter geeignet. Geht es nach der Fraktion der Grünen im Karlsruher Gemeinderat, sollen solche Balkon-Anlagen verstärkt in der Fächerstadt installiert werden.

Selbst auf dem gemieteten Balkon können kleine Solarstromanlagen Platz finden.
Selbst auf dem gemieteten Balkon können kleine Solarstromanlagen Platz finden. | Bild: Jörg Sutter/engfe.de/dpa-tmn/Handout

Mit einem Antrag, der voraussichtlich im Juni auf der Tagesordnung des Stadtparlaments stehen wird, will die Fraktion mehr zu dem Thema informieren und so den Ausbau voranbringen. So soll die Beratung der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) ausgebaut werden und die Balkon-Photovoltaik durch das Förderprogramm "KlimaBonus Karlsruhe" unterstützt werden.

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"Balkon-Photovoltaikanlagen sind eine innovative Möglichkeit, um Bürger aktiv in die Energiewende einzubeziehen. Sie transportieren das Thema der Energiewende und machen bewusst, dass jeder selbst einen Beitrag dazu leisten und sich generell stromsparender verhalten kann", schreibt die Fraktion in ihrem Antrag.

Allerdings fehle es häufig an Wissen um die Rahmenbedingungen wie zum Beispiel die Meldepflicht, das Anmeldeverfahren, eventuell bestehende Auflagen des Denkmalamts, die Genehmigung durch Eigentümer, Sicherheitsaspekte sowie der Aufbau der Anlage.

Grüne wollen finanzielle Förderung 

"Mit dem Antrag wollen wir die Energiewende weiter voranbringen und eine Vereinfachung für Bürger zur Nutzung von Balkon-Photovoltaik schaffen. Uns ist bewusst, dass die volle Konzentration weiterhin auf Dach-Photovoltaik liegen muss, da die wirtschaftliche Effizienz und der Beitrag zur Senkung von CO2-Emissionen erheblich besser ausfallen. Aber wenn viele Bürger sich ein eigenes Balkon-Photovoltaik installieren, ergibt sich ein Sammeleffekt und daneben stärkt es das Bewusstsein für regenerative Energien.", sagt Christine Weber, Stadträtin der Grünen, im Gespräch mit ka-news.de.

Christine Weber ist Stadträtin für die Grünen.
Christine Weber ist Stadträtin für die Grünen. | Bild: Weber

Um die Balkon-Solarenergie weiter schmackhaft zu machen, wollen die Grünen auch eine Förderung durch die Stadt Karlsruhe erreichen. "Bisher gibt es noch keine finanzielle Unterstützung seitens der Stadt Karlsruhe und wir wollen prüfen lassen, ob dies in Zukunft möglich sein könnte. Das bereits existierende KlimaBonus-Förderprogramm der Stadt wäre eine geeignete Möglichkeit, die Balkon-Solaranlagen zu bezuschussen.", so Weber weiter. 

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Zusätzlich soll auch die Beratung rund um das Thema ausgebaut und verbessert werden. "Es fehlt an Wissen über gesetzlichen Rahmenbedingungen und technischen Aufbau und für den Einzelnen ist es nicht ganz einfach sich durch den Dschungel an Regelungen durchzuwühlen.", meint die Grünen-Frau.

Hürden seien zu hoch

Als Beispiel nennt die Stadträtin die Anmeldung der Anlage beim Netzbetreiber und Marktstammdatenregister, Abstimmungsprobleme mit dem Vermieter oder überhaupt erst mal die richtige Anlage zu finden.

Solche Solarzellen wandeln Sonnenenergie in Strom um und haben einen Stecker. Perfekt für den Balkon!
Solche Solarzellen wandeln Sonnenenergie in Strom um und haben einen Stecker. Perfekt für den Balkon! | Bild: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa-tmn/Archivbild

Zwar gäbe es bei der KEK bereits eine umfassende Beratung zu dem Thema, die auch einen großen Zulauf erfahre, doch "wir möchten die Beratung ausbauen und eventuell auch andere Möglichkeiten zur Beratung schaffen. Im Moment gibt es in diesem Bereich noch einige Hürden", meint Weber.

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Die Nachfrage bei der KEK würde laut Weber auch zeigen, wie hoch das Interesse der Bevölkerung in Karlsruhe an den "Mini-Solaranlagen sei. "Im Rahmen einer Veranstaltung von der IZES gGmbH in Kooperation mit dem KIT/ ITAS im April 2022 und Akteuren aus dem Raum Karlsruhe wurde geschätzt, dass bis zu 30 Prozent der Karlsruher Bürger in Zukunft für Balkon PV mobilisiert werden könnten."

Nachteil einer Balkon-Anlage: die Anschaffungskosten und eine relativ lange Amortisationszeit. "Aus diesem Grund wollen wir einen finanziellen Anreiz schaffen, um die Hürde kleiner werden zu lassen", so Weber, die dann auf die Vorteile einer solchen Investition eingeht.

Einfache und schnelle Installation

"Der eigene Strom-Verbrauch wird gesenkt, da der produzierte Strom direkt in den Haushalt eingespeist wird. Und zwar mit dem guten Gefühl regenerative Strom zu verbrauchen und damit die Beschaffung von schädlicher Stromerzeugung zu verdrängen. Auch vor dem Hintergrund immer weiter steigender Energiekosten lässt sich hiermit die Haushaltskasse etwas aufbessern. Wobei die ökologische Motivation, der Wunsch nach Autarkie und Demokratisierung sicher vor den wirtschaftlichen Motiven stehen.“", sagt Weber. 

Christine Weber Grüne
Bild: Grüne Karlsruhe

Und: die Installation einer solchen Anlage sei im Vergleich zu einer herkömmlichen Anlage auf dem Dach einfach. "Es gibt fertige Pakete, die die Module, den Wechselrichter und eine Aufständerung beinhalten und die Installation im Außenbereich beispielsweise auf Balkon, Flachdächern oder in Gärten vereinfachen. Über den Wechselrichter und die mitgelieferten Kabel kann die Anlage direkt an eine geeignete Außen-Steckdose angeschlossen werden. So wird der Strom direkt in den Stromkreislauf eingespeist und der Stromzähler läuft langsamer", erklärt die Stadträtin. 

Einsparung bis zu 15 Prozent

Eine Einsparung von bis zehn Prozent (vier Personen bei zirka 4.000kWh/Jahr) der Stromkosten im Jahr sei so mit zwei Modulen (600 Watt) möglich. Die Kosten für ein Modul mit Wechselrichter würden bei ungefähr 500 Euro liegen. Die Installation könne selbstständig erfolgen, ein Handwerker sei dafür nicht unbedingt nötig, wie Weber meint.

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"Die Balkon-Photovoltaik liegt im Trend und wenn die Bürger Interesse haben einen persönlichen Beitrag zu Energiewende zu leisten, warum sollte man sie nicht unterstützen", fragt sich Weber. "Egal ob in der Beratung oder in einem finanziellem Anreiz. Wir sehen den Bedarf auf jeden Fall."