Gewerkschafter schlagen Alarm: Die Bundespolizei ist in der Flüchtlingskrise stark überbelastet, warnen sie.  Bei Beamten, die an der Grenze zu Österreich im Einsatz seien, hätten sich beispielsweise allein von Mitte September bis Mitte Oktober mehrere Hunderttausend Überstunden angesammelt, berichtet die deutsche Presseagentur (dpa) nach einem Gespräch mit Jörg Radek, Vize-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Radek mahnt: "Die Kollegen sehen keine Entlastung. Dass das System nicht kollabiert, ist dem Einsatz jedes Einzelnen geschuldet."

Eine Einschätzung, der sich auch Ernst Walter, Vize-Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) im Gespräch mit der dpa anschließt. "Schon vor der Flüchtlingskrise war die Lage ziemlich desolat", so Walter. Man könne inzwischen nicht mehr auf große Lagen reagieren und habe bei der Bundespolizei Einsätze in anderen Bereichen bereits herunterfahren müssen, da es an Personal fehle. Vernünftige Grenzkontrollen seien angesichts des enormen Flüchtlingsandrangs gar nicht möglich.

Flüchtlinge und Schleuser halten Beamte in Atem

Auch bei der Bundespolizeiinspektion Karlsruhe sind die Beamten zunehmend mit der Flüchtlingssituation beschäftigt. "Die Maßnahmen an den Bundesgrenzen in Baden-Württemberg wurden bereits seit Ende April 2014 durch die Bundespolizeidirektion Stuttgart intensiviert", schildert Pressesprechern Carolin Bartelt auf Anfrage von ka-news.

Die insgesamt 348 Beamten decken täglich nicht nur eine Vielzahl von Aufgaben, sondern auch ein großes Einsatzgebiet ab. Letzteres erstreckt über 1.000 Quadratkilometer Binnengrenzraum, 150 Bahnhöfe und Haltepunkte sowie über 565 Bahnkilometer. Verantwortlich sind die Karlsruher Beamten dabei für den Stadt- und Landkreis Karlsruhe, die Stadt Heidelberg, die Stadt Mannheim, die Stadt Pforzheim, den Landkreis Rhein-Neckar, den Landkreis Calw sowie den Enzkreis.

Dabei gehen die Karlsruher Beamten grundsätzlich vielfältigen Aufgaben nach: Kontrollen im 30-Kilometer-Grenzgebiet und in Bahnhöfen und der Schutz des Bundesverfassungsgerichtes gehören unter anderem zu ihrem Aufgabengebiet. Allerdings scheint nun zunehmend eine Aufgabe im Mittelpunkt zu stehen: "Die Bundespolizei benötigt alle ihre personellen und materiellen Ressourcen, um den migrationsspezifischen Herausforderungen der Gegenwart entgegen zu treten", erklärt Bartelt.

Im Bereich der Bundespolizeiinspektion Karlsruhe würden die Beamten seit rund zwei Jahren einen Anstieg "von unerlaubt eingereisten Personen" feststellen. Waren es 2013 noch 150 Personen, stieg ihre Zahl im vergangenen Jahr bereits auf 820 Personen an. Bis September dieses Jahres registrierten die Karlsruher Beamten bereits 1.4000 unerlaubt Eingereiste.

Mit steigenden Zahlen von Asylsuchenden ist die Bundespolizei auch zunehmend mit Schleusungskriminalität beschäftigt. Im Zeitraum von Januar bis August hat die Karlsruher Bundespolizei nach eigenen Angaben insgesamt elf Schleuser in ihrem Zuständigkeitsbereich festnehmen können. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 nahmen die Beamten noch sieben Schleuser fest- eine Steigerung von 175 Prozent.

"Wir müssen unserem gesetzlichen Auftrag nachgehen"

Doch nicht nur Überstunden und Wechselschichten belasten die Beamten. "Bilder von Menschen auf der Flucht lassen niemanden kalt", meint Bartelt, "wenn Familien mit kleinen Kindern anreisen und den Beamten schildern, wie schlimm es ihnen ergangen ist, macht das jede Polizistin und jeden Polizisten betroffen." Nichtsdestotrotz müssten die Beamten ihren gesetzlichen Auftrag nachgehen - erkennungsdienstliche Maßnahmen einleiten und Asylanträge entgegennehmen.

Ob die Belastung die Beamten der Bundespolizeiinspektion Karlsruhe inzwischen sogar überfordert, wollte sie auf Nachfrage von ka-news nicht weiter kommentieren. Die Einschätzung der Pressesprecherin: "Auch die Bundespolizeiinspektion Karlsruhe ist durch die illegale Migration hoch belastet. Aktuell ist das Arbeitsaufkommen ohne Unterstützung fremder Kräfte zu bewältigen."

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