In den 1950-er Jahren hatte der Berliner Kaufmann Henry Escher die Idee, für die Bundesgartenschau 1959 in Dortmund eine moderne Kleinbahn bauen zu lassen. Er baute vier Züge, bestehend aus jeweils einer Lokomotive im Porsche-Design und drei Waggons. In einem solchen Zug konnten bis zu 90 Personen fahren.

Zwei Kilometer im Uhrzeigersinn

Die Karlsruher interessierten sich auch sehr für eine solche Bahn für einen Rundkurs im Schlossgarten. Diese Kleinbahn sollte an bestimmten Stellen an interessanten Punkten vorbeifahren, die von Hostessen erklärt wurden, die im hinteren Teil des Wagens mit einem Lautsprecher saßen. Insgesamt war die Strecke, immer im Uhrzeigersinn, zweieinhalb Kilometer lang.

Die Schlossgartenbahn in Karlsruhe
Bild: Markus Kümmerle

Am 29. März 1967 war alles fertig und die Bundesgartenschau öffnete am 14. April in Karlsruhe. Im Schlossgarten fuhren vier Züge, bestehend aus je einer Lokomotive und drei Wagen. Die Fahrzeit war zwanzig Minuten und die Zugfolge etwa zehn Minuten – so waren immer drei Züge im Einsatz. Der Ausgangsbahnhof für die Bahn war gegenüber der Badischen Weinstube.

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Danach kam sie in das sogenannte "liebliche Tal", einen künstlichen Geländeeinschnitt mit einer Milchstube, die an heißen Tagen auch Eis verkaufte. Hier waren auch die "Steinerne Säulen", eine Skulptur, die speziell für die Gartenschau errichtet wurde. Dann sah man den Weinbrennertempel – ein Gebäude im griechischen Stil, das bereits 1884 in den Schlossgarten versetzt wurde.

Die Strecke

Am nördlichen Ende des Fasanengartens erreichte die Bahn den achteckigen Teepavillon und danach die Kleingartenanlage, die die Bahn durchfuhr. Anschließend fuhr sie durch den Fasanengarten und dann zum neuartigen Robinson-Spielplatz, der zum Vorbild für künftige Spielplätze werden sollte.

Schlossgartenbahn
Bild: Paul Needham

Nach dieser Strecke fuhr die Bahn zum Hirschbrunnen und durch den "grünen Markt", wo Gärtner während der Bundesgartenschau ihr Obst und Gemüse anboten. Die Fahrt endete nach einer Durchquerung der Schlosswiese wieder bei der Badischen Weinstube. Allerdings war die Landesregierung nach der Bundesgartenschau nicht an einem Verbleib der Bahn im Schlossgarten interessiert.

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Nur dank des Einsatzes des damaligen Oberbürgermeisters Günter Klotz und des Gartenbauamtsleiters Robert Mürb wurde die Betriebsgenehmigung der Bahn bis zum 31. Dezember 1968 verlängert. Etwa um diese Zeit hat Straßenbahnführer Manfred Halle eine kleine schmalspurige Dampflokomotive gekauft, die die gleiche Spurweite – 600 Millimeter – wie die Bahn im Schlossgarten hatte.

1968 kommt die Dampflok in den Schlossgarten

Im Sommer 1968 setzte er seine Dampflok auf den Gleisen der Schlossgartenbahn ein. Diese wurde auf den Namen "Greif" getauft und wurde rein mechanisch mit einer Gewichts-Hebelbremse abgebremst und mit Holz gefeuert.

Schlossgartenbahn
Bild: Paul Needham

Halle fand schnell eine Gruppe junger Menschen, die ihm bei der Pflege der Dampflok unterstützten und die Lok fuhr immer wieder zwischen den Kleinbahnzügen. Die Betriebsgenehmigung für die Schlossgartenbahn wurde bis 31. März 1970 verlängert. Zu diesem Datum jedoch erhielt die Geschäftsführerin der Kleinbahnbetriebe GmbH, die die Bahnen betrieb, einen Zehnjahresvertrag bis zum 31. Oktober 1979. Unter den Bedingungen des Weiterbetriebs gab es deutliche Auflagen.

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Die Bahnen durften keine Werbung mehr tragen und es musste eine neuer Betriebshof gebaut werden – der bestehende Hof befand sich auf dem Gelände der Kleingartenanlage. Die Greif bekam eine Luftbremsausrüstung und durfte somit 1976 zum ersten Mal als Zugfahrzeug mit den Waggons des Porschezugs auf dem Rundkurs durch den Schlossgarten fahren.

1987 übernehmen die VBK das Kommando

Es wurde ein Programm entwickelt, nach dem die Porschelok unter der Woche betrieben und sonntags – bei schönem Wetter – die Greif eingesetzt wurde. Im Jahr 1987 wurde die Kleinbahnbetriebe GmbH aufgelöst und die Bahn durch die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) übergenommen.

Die Schlossgartenbahn.
Die Schlossgartenbahn. | Bild: Verkehrsbetriebe Karlsruhe

Der komplette Zug bekam bereits 1978 eine neue Lackierung in grün und orange. Zwischen 1988 und 1990 wurde die Porschelok rot gestrichen und die drei Personenwagen generell überholt, umgebaut und mit Neulackierung in rot und grün versehen. Integriert in die VBK lehnte sich der Tarif dem der Straßenbahn an. So war es jetzt billiger mit der Schlossgartenbahn zu fahren und ihre Zukunft schien zunehmend sicherer zu werden.

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Danach wurde es jedoch immer schwieriger für die beiden Loks den Verkehr zu bewältigen und die VBK suchte nach einer neuen Akku- oder Diesellokomotive. Schließlich wurde bei einer Ziegelei in Nußloch bei Heidelberg eine passende Diesellok mit Baujahr 1952 gefunden, die komplett umgebaut und 1991 nach Karlsruhe geliefert wurde.

Eine Attraktion bis heute

Im Jahr 1994 konnte Manfred Halle von der Spinnerei Ettlingen noch zwei Wagen erwerben. 2006 wurde die inzwischen nicht mehr funktionsfähige Porschelok komplett restauriert und kehrte kurzzeitig in den Bestand der Schlossgartenbahn zurück. Diese Rückkehr hielt aber nicht lange an und die Porschelok kam wieder in die Abstellhalle.

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Das änderte sich aber 2009 als die Dampflok für einige Zeit wegen Reparaturen ausfiel. Die Porschelok kam wieder zum Einsatz und fand interessierte Anhänger in Internet-Foren. Als Folge wurde die Lok wieder vermehrt eingesetzt und 2011 einer großen Reparatur unterzogen.

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Seit 2012 steht sie wieder mit der Diesellok und der Dampflok Greif im Dienst der Schlossgartenbahn. Im Rahmen des Stadtjubiläums 2015 kaufte die VKB einen fünften Wagen als Reservewagen für die Bahn. Die Greif wurde 2016-2017 grundlegend saniert und renoviert. So ist diese Kleinbahn seit Generationen eine beliebte Attraktion im Schlossgarten.

 
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