Warum wird überhaupt eine Papiertonne eingeführt?

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat Mitte 2012 eine Änderung im Kreislaufwirtschaftsgesetz beschlossen, die ab Anfang 2015 eine getrennte Sammlung von Altpapier und Wertstoff festschreibt. Diese gründet auf eine ebenfalls neu eingeführte EU-Richtlinie. Die Haushalte sind demnach dazu verpflichtet, ihre Abfälle dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger (Amt für Abfallwirtschaft) zu überlassen, wenn sie nicht in der Lage sind, diese privat zu verwerten. Eine gemeinnützige Sammlung, beispielsweise von Vereinen oder Ehrenamtlichen sowie die Sammlung einer privaten Firma kann dennoch weiterhin erfolgen, soweit die Stadt als Verantwortliche keine Einwände äußert.

Wie ist die Mülltrennung derzeit in Karlsruhe organisiert?

Derzeit werden annähernd 30.000 Tonnen Altpapier pro Jahr im Hol- und Bringsystem erfasst. Der über die Wertstofftonnen und Wertstoffstationen erfasste Anteil beläuft sich auf etwa 17.500 Tonnen. Das restliche Altpapier wird über Vereinssammlungen bzw. eine kleine Menge über eine Privatfirma gesammelt. Bürger haben in Karlsruhe somit unterschiedliche Möglichkeiten, ihr Altpapier abzugeben.

Was genau kommt dann in die Blaue Tonne?

Die Blaue Tonne ist vorgesehen für Altpapier. Unter diesen Begriff fallen unter anderem Kartonagen, alte Zeitungen, Pizzakartons und Briefumschläge. Plastik-, Holz- sowie Metallabfälle werden weiterhin im Wertstoffcontainer gesammelt.

Was kostet die Papiertonne den Bürger?

Der Bürger zahlt weiterhin die Abfallgebühr - diese wird sich mit der Einführung der Papiertonne allerdings nicht erhöhen, es sei denn, er beantragt ein öfteres Abholen des Mülls. Dann würden Mehrkosten für den jeweiligen Haushalt anfallen.

Wie oft werden Wertstoff und Papier künftig eingesammelt?

Sowohl die Wertstofftonne als auch die Blaue Tonne sollen künftig im Vier-Wochen-Rhythmus geleert werden. Dem Bürger steht es dabei jedoch frei, ein öfteres Abholen gegen eine höhere Gebühr zu beantragen.

Was, wenn bei mir vor dem Haus kein Platz für die Papiertonne vorhanden ist?

Die Stadt plant eine Datenerhebung, mit der sie unter anderem herausfinden will, welche Probleme es in Sachen Standplatz geben könnte. Diese will sie im Anschluss an das im Frühling zu erwartende Ergebnis so individuell wie möglich beheben. "Die Transparenz und Absprache mit den Bürgern ist uns bei diesem Thema sehr wichtig", so Bürgermeister Klaus Stapf.

Kann man das Papier auch weiterhin in die vorhandene Wertstofftonne werfen?

Nein, das wird mit Wirkung des neuen Gesetzes ab 2015 nicht mehr erlaubt sein. Altpapier und Wertstoff müssen dann von jedem Bürger getrennt gesammelt werden. "Es gilt ganz klar, im Vorfeld Aufklärungsarbeit zu leisten", so Stefan Kaufmann, Leiter des Amts für Abfallwirtschaft Karlsruhe, "ich bin mir aber sicher, dass sich die Karlsruher an die neuen Regeln halten werden, denn in der Allgemeinheit legen sie ein überdurchschnittliches ökologisches Bewusstsein an den Tag."

Werden die Vereine in das neue System der Stadt weiterhin miteingebunden - und wenn ja, wie?

Bürger haben weiterhin die Möglichkeit, das Altpapier bei Vereinssammlungen abzugeben. Diese Sammlungen koordiniert das Amt für Abfallwirtschaft. Sie sollen Bestandteil des integrierten Sammel- und Verwertungskonzeptes Papier werden. Bei konsequenter Nutzung dieser Möglichkeit ist dann für diesen Personenkreis das Aufstellen einer Papiertonne nicht zwingend notwendig. Dies gilt ebenso für diejenigen, die ihr Altpapier über Wertstoffstationen entsorgen. "Wir wollen die Vereine weiterhin unterstützen. Derzeit sind wir daran, gemeinsam mit ihnen ein endgültiges Konzept zu erarbeiten - dieses wird wahrscheinlich Ende Februar fertig sein", so Stapf. Fest stehe auch, dass man die Einnahmen der Vereine durch die neue Regelung auf keinen Fall drosseln wolle.

Rentiert sich die neue Mülltrennung überhaupt?

Wie eine vom AfA beauftragte Statistik ergab, handelte es sich in der Vergangenheit bei 50 Prozent des in der Wertstofftonne entsorgten Mülls um Altpapier. Durchschnittlich wurden in den vergangenen Jahren 28.500 Tonnen Wertstoffe jährlich erfasst. Zusätzlich wurden 2.000 Tonnen pro Jahr PPK bei den neun städtischen Wertstoffstationen gebührenfrei abgegeben.

Das neue "duale System" (städtische Wertstofftonne und Papiertonne) soll vor allem die Sortierkosten vermindern. Außerdem verspricht man sich durch eine bessere Qualität des Mülls aufgrund von sortenreiner Trennung eine Steigerung der Verkaufserlöse. "Derzeit beträgt der Wert einer gemischten Tonne umgerechnet etwa 63 Euro - künftig rechnen wir mit einem Wert von rund 80 Euro pro Papiertonne", so Kaufmann. Die Anschaffung der neuen Blauen Tonnen trage zwar zunächst einmalige Kosten von etwa 2,5 Millionen Euro mit sich, jedoch rechnet man auf lange Sicht mit Kostenvorteilen von 2,75 Millionen Euro, durch die Einführung der Papiertonne. Die künftigen Logistikkosten - also der Abtransport - unterscheiden sich nicht von den jetzigen, so heißt es seitens der Stadt weiter.

Wie handhaben andere Landkreise die Mülltrennung?

Von insgesamt 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg haben fünf Stadt- und Landkreise keine separate Altpapiererfassung - darunter fällt sowohl Karlsruhe-Stadt als auch Karlsruhe-Land. Somit ist die Mülltrennung in der Fächerstadt unter anderem mit dem System in Ludwigsburg und im Enzkreis aber bundesweit gesehen auch mit Münster, Wiesbaden und Braunschweig zu vergleichen. Wie diese Städte und Kreise die Gesetzesänderung interpretieren und umsetzen werden, ist derzeit noch unklar.

Info-Hotline

Weitere Fragen zur Papiertonne beantwortet das Amt für Abfallwirtschaft unter der Telefonnummer 0721/133-7002. Zusätzliche Informationen gibt es unter www.karlsruhe.de/abfall.

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