Das nächste Karlsruher Großprojekt kommt in Schwung: Die Karlsruher Stadträte stimmten in ihrer Sitzung am Dienstagabend mit deutlicher Mehrheit (3 Enthaltungen) grundsätzlich einer Generalsanierung und Erweiterung des Staatstheaters zu.
62,5 Millionen Euro zahlt die Stadt
Die aktuell von der Stadtverwaltung angenommenen Gesamtbaukosten liegen hierfür bei rund 125 Millionen Euro (Darin enthalten: Sanierung des Bestands mit rund 60 Millionen Euro, Neubau des Schauspielhauses mit rund 45 Millionen Euro). Die Kosten werden je zur Häflte von Land und Stadt übernommen. 62,5 Millionen Euro werden demnach vom städtischen Haushalt getragen. Aufgrund der langen Planungs- und Bauzeit wurde zudem vereinbart, dass die Kosten ab dem Vorliegen des Wettbewerbsentwurfs der Baupreisentwicklung (Index) anzupassen seien.
Die Sanierung und Erweiterung soll in mehreren Abschnitten erfolgen. Auf diese Weise soll "den begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten von Land und Stadt und der Forderung nach einem weitgehend unterbrechungsfreien Betrieb ohne größere Provisorien und Ausweichmöglichkeiten während der Bauzeit Rechnung getragen werden", hieß es in der Beschlussvorlage.
Staatstheater sanierungsbedürftig: "40 Jahre auf dem Buckel"
Oberbürgermeister Frank Mentrup bezeichnete bereits vor der Debatte die Abstimmung über die Zukunft des Staatstheaters als einen "ganz wichtigen Schritt". Das Staatstheater habe bereits "40 Jahre auf dem Buckel" und sei "dringend sanierungsbedürftig". Zu den Kosten sagte Mentrup: Der Gemeinderat könne mit "gutem Gewissen" zustimmen. Die finanzielle Belastung sei zumutbar, da die Summe über einen längeren Zeitraum in Raten zu erbringen sei. Bei einer angenommen Bauzeit von zehn Jahren wären das rund sechs Millionen Euro pro Jahr.
Kulturbürgermeister Wolfram Jäger erklärte, dass die Sanierung und Erweiterung in mehreren Modulen sattfinden solle. Als erstes Modul sei der Bau des Schauspielhauses vorgesehen. Danach folgten die musikalischen Apparate und Werkstätten und dann in einem dritten Modul die Sanierung des Bestands. Die konkrete Architektur soll im Rahmen eines Planungswettbewerbs gestaltet werden.
Eintrittspreise: Erhöhung nach Robin-Hood-Prinzip
CDU-Stadtrat Albert Käuflein erklärte in der Debatte: "Das Staatstheater und das ZKM sind die großen Aushängeschilder für die Kultur in dieser Stadt." Man dürfe diese beiden Einrichtungen nicht "gegeneinander auspielen". Der Sanierungsbedarf beim Staatstheater sei unbestritten. "Die CDU unterstützt beide Kultureinrichtungen und stimmt der Grundsatzentscheidung zum Staatstheater zu", so Käuflein. Auch sollten die Theaterbesucher an den Kosten beteiligt werden. Daher habe man im Verwaltungsrat eine "moderate Erhöhung der Preise nach dem Robin-Hood-Prinzip beschlossen" - teure Karten werden teurer, günstigere Karten behalten ihren Preis. Denn Kultur dürfe nicht "am Geldbeutel scheitern", so der CDU-Stadtrat.
Ute Leidig von den Karlsruher Grünen sieht ebenfalls eine "Sanierung als notwendig". Umkleiden, Flure, Werkstätten: Beim "Blick hinter die Kulissen sind dort Arbeitsbedingungen vorzufinden, die nicht gesund seien können". Eine Sanierung reiche nicht aus. Um die betrieblichen Abläufe zu verbessern, sei auch eine Erweiterung erforderlich. Die Grünen begrüßen den "modularen Umbau", auch die Summe sei "bewältigbar". Ute Leidig: "Es kann losgehen." Die Grünen stimmten der Beschlussvorlage zu.
SPD-Stadrätin Elke Ernemann sprach von einem "großen Tag für die Karlsuher Kultur und das Badische Staatstheater". Die SPD forderte aber, dass der Planungs- und Bauprozess für die Bürger transparent dargestellt werde. Die Bürger sollen nach Meinung der Sozialdemokraten mit einer ausführlichen Öffentlichkeitsarbeit über den aktuellen Stand informiert werden. Sanierung und Erweiterung: "Die SPD steht voll dahinter".
FDP-Stadträtin Rita Fromm betonte: "Wir vergeuden kein Geld für unnütze Sachen." Die FDP stimme der geplanten Sanierung und Erweiterung zu, "weil der Bedarf begründet ist". Das zeigten die hohe Auslastung und der gute Ruf des Staatstheaters.
Friedemann Kalmbach von Gemeinsam für Karlsruhe (GfK): "Die GfK wird zustimmen, aber mit viel Bauchschmerzen." Es handele sich um eine Grundsatzentscheidung mit Vorbehalt. Seine Bedingung: "Wenn sich die Folgekosten weiter erhöhen, dann werden wir Nein sagen". Jürgen Wenzel, Stadtrat der Freien Wähler (FW), bemerkte: "Das Staatstheater ist ein großer Brocken.". Die FW würden das Projekt zwar mittragen, fordern aber eine starke Einbindung der Bürger und eine "Punktlandung" bei den Kosten von 125 Millionen Euro. Auch die Linken untersützten die Sanierung und Erweiterung des Staatstheaters.
KAL übt Kritik
Kritik kam vor allem von der Karlsruhe Liste (KAL). Eberhard Fischer, KAL-Stadtrat: "Ich wäre gerne auf der Insel der Seeligen. So einfach können wir uns das nicht machen." Die angenommene Summe sei "ein Vielfaches von dem, was wir in den letzten 15 Jahren in alle anderen Kultureinrichtungen in Karlsruhe reingesteckt haben." Eine solche Investition sei unfair anderen Kultureinrichtungen gegenüber.
Fischer bemühte das "Prinzip des vorsichtigen Kaufmanns" - man müsse im Interesse der Steuerzahler auch an schlechtere Jahre denken. "Nicht alles, was uns begeistert, ist notwendig und unvermeidbar", so Fischer. Auch die KAL bestreite die Notwendigkeit einer Sanierung und der Erweiterung der Werkstätten nicht. Er stellt aber die Frage: "Ist es nicht nur wünschenswert und wunderbar ein neues Schauspielhaus zu bauen, sondern ist es überhaupt notwendig?" Der KAL-Stadtrat weiter: "Als Stadtrat darf ich nicht nur meinem Herzen folgen, sondern muss die Interessen der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigen." Die KAL enthielt sich bei der Abstimmung
Die Karlsruher Liste (KAL) forderte zudem in einem Ergänzungsantrag eine "belastbare Folgekostenabschätzung". Diese liege bisher "nicht mal ansatzweise vor". Des Weiteren sollten nach Ansicht der KAL alle Beteiligten ein "intensives Bemühen um private Gelder - also Spenden und Sponsoren - zusichern. Denn "viele vermögende Menschen und Gutverdiener aus der Region besuchen das Theater". Die KAL erwarte daher, dass "zum einen Großspender/Großsponsoren angesprochen werden". Außerdem regt die KAL eine Online-Spendenbox nach dem Crowdfunding-Prinzip an, um so viele Stammbesucher für kleinere Spendenbeträge zu gewinnen. Der KAL-Antrag wurde letztendlich mit großer Mehrheit abgelehnt.
Wie geht's weiter?
Wie geht's jetzt weiter? Vermögen und Bau, Amt Karlsruhe bereitet derzeit einen Planungswettbewerb vor. Die Auslobung wurde bereits im Planungsausschuss im Oktober 2013 vorgestellt. Nach endgültiger Verabschiedung der Auslobung durch den Verwaltungsrat soll voraussichtlich ab Mitte Februar 2014 das europaweite VOF-Verfahren, in das der Wettbewerb eingebettet ist, gestartet werden. "Die Wettbewerbsentscheidung wird für Herbst 2014 erwartet. Unter Voraussetzung der entsprechenden Mittelbereitstellung kann von einer Realisierung des ersten Moduls ab Ende 2017 ausgegangen werden", heißt es in der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung.
Das Badische Staatstheater wurde 1975 nach neunjähriger Planungs- und Bauzeit eröffnet. Nach rund 40 Jahren besteht laut Stadtverwaltung ein umfassender Sanierungs- und Modernisierungsbedarf. Neben der Sanierung der Gebäudehülle und aller technischen Anlagen (Haustechnik, Bühnentechnik und -beleuchtung, Medientechnik), der Verbesserung der Raumakustik und des Brandschutzes müssen vor allem erhebliche Flächen- und Strukturdefizite behoben werden, die von Beginn an vorhanden waren.
Das geplante Schauspielhaus wurde damals aus Kostengründen nicht verwirklicht und stattdessen die Schauspielbühne in dem als Probebühne des Großen Hauses vorgesehenen Raumvolumen untergebracht. Durch beengte oder nicht adäquat vorhandene Flächen in allen Bereichen werden die Arbeitsbedingungen und Betriebsabläufe erheblich belastet. Einzelne Teilbereiche sind - verbunden mit großem logistischen Aufwand für den Betrieb - inzwischen extern untergebracht, so zum Beispiel die Probebühnen Oper in der Nancyhalle oder das Junge Staatstheater in der ehemaligen Spielstätte der "Insel".
Gutachten, Anträge und Beschlussvorlage zum Badischen Staatstheater im Wortlaut (Link führt zur Webseite der Stadt Karlsruhe)
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