Nicht nur die Folgen der Corona-Pandemie setzten der Unterhaltungsbranche auch in Karlsruhe mächtig zu. Besonders Musiker sind in der Fächerstadt schon seit einiger Zeit von akutem Mangel an Proberäumen betroffen. Durch ein großes Bauprojekt in der Nordstadt fallen immer mehr Flächen zur Kulturnutzung weg. Das betrifft besonders das Bandprojekt Karlsruhe, das als Netzwerk in der Karlsruher Musikszene fungiert.

BED OF ROSES
Bild: Kammertheater Karlsruhe

Alleine im C-Areal sind in diesem Jahr über 160 Musikschaffende direkt betroffen, davon im Bandprojekt 140 Musiker. Weitere Künstler bangen um ihre Räume, denn auch in den Folgemonaten werden in weiteren Arealen, durch Umnutzung und Sanierung, Räume für Künstler verloren gehen.

Bis 2023 fallen 100 Proberäume weg

Unter den Musikschaffenden sind dabei die Bands besonders unter fehlenden Räumen betroffen. Sie brauchen nicht nur mehr Raum sondern auch einigermaßen schalldichte Einrichtungen. Dabei hatte das Bandprojekt gerade in den letzten Monaten noch Bands aufgenommen, welche ihre Übungsräume bereits verloren hatten, und dabei sogar Veranstaltungsfläche in Proberäume umfunktioniert.

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Alleine für den Kunstbereich Musik rechnet Bluck damit, dass bis Ende 2023 mindestens 100 Räume für ca. 350-500 Musikschaffende fehlen, mit steigender Tendenz, schätzt Bluck. “Wenn wir für die Zukunft keine Ersatzräume bekommen, sieht die Sache schlecht aus.“

Großteil der Karlsruher Musikszene steht vor dem Nichts

In kürzester Zeit wird somit der größte Teil der Karlsruher Künstlerräume verschwinden. Schon lange wird von den Künstlern beklagt, dass Räume fehlen. “Ich würde mir wünschen, dass die Verwaltung schneller reagiert und sich dem Thema Proberaummangel ernsthafter annimmt. Denn das Problem besteht bereits seit vielen Jahren“, so Bluck im Gespräch mit ka-news.

Das Fest Kick off 2020
Bild: Eric Reiff

Auch der Umstand, dass das genutzte Areal bebaut wird, sei ebenso seit Jahren bekannt. Bluck steht auch derzeit in Abstimmung mit der Stadt, um nach Alternativen zu schauen. Hier sei man im Austausch mit dem Kulturamt Karlsruhe und deren Leiterin Frau Dominika Szope.

Bluck: “Bekenntnis der Stadt ist nicht mehr ausreichend“

Trotz Initiativen des Gemeinderats sei in den vergangenen Jahren nur wenig passiert. “Wir sind sehr an einer Zusammenarbeit mit der Stadt interessiert“, betont Bluck. Voraussetzung sei allerdings auch, dass die Stadt ihren Beitrag dazu leiste. “Auch die Fraktionen weisen regelmäßig auf diesen Umstand hin, aber so wirklich und nachhaltig tut sich einfach nichts“, beklagt der Leiter des Bandprojektes.

Das Fest Kick off 2020
Bild: Eric Reiff

“Das reine Bekenntnis der Stadt den Mangel zu kennen, ist nicht mehr ausreichend. Und anstatt sich dem seit Jahren zunehmenden Problem fehlender Kulturräume anzunehmen wird zugesehen wie Jahr für Jahr kulturell genutzte Räume verschwinden.“

“Kulturraummangel hat massive Folgen für die kulturelle Schädigung der Stadt!“

“Die Stadt muss hier gewisse Grundvoraussetzungen schaffen und sich besonders bei der Raumbeschaffung verantwortlich zeigen. Es kann nicht sein, dass sich die einzelnen Initiativen, Vereine oder sogar einzelne Künstler, jeder für sich selbst, um dieses Problem kümmern müssen, sich dabei ungewollt Konkurrenz machen und die Preise hoch treiben“, beklagt der Leiter des Bandprojektes.

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Diese nachwirkende kulturelle Schädigung sei offenbar nur den Betroffenen so eindeutig klar. Bei den Verantwortlichen in Kultur und Politik scheine dies noch nicht richtig angekommen zu sein, empfindet der Leiter des Bandprojektes.

“Künstler wurden lange Zeit sich selbst überlassen!“

“Man hat die Künstler und Musiker viele Jahre sich selbst überlassen. So lange genügend Räumlichkeiten vorhanden waren in Form von alten Industrie- und Gewerbeimmobilien war das kein Problem. So konnten sich Künstler die Räumlichkeiten herrichten und für kleines Geld mieten“, so Bluck.

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Doch inzwischen werde die Situation wird immer prekärer. “Im Sommer des Jahres ist auf dem Gelände des Bandprojektes endgültig Schluss und die letzten Gebäude, und damit alle hier bestehenden Kulturräume, Studios-, Ateliers und Kreativräume, werden endgültig abgerissen.“

Bandprojekt bisher ohne öffentliche Gelder ausgekommen

Das Bandprojekt Karlsruhe habe sich als Institution in sozialer und kultureller Hinsicht als Begegnungsstätte quer durch die Musikszenen bewährt, erklärt Klaus Bluck bei ka-news.

“Übungsräume werden in Wohnzimmerqualität zu bezahlbaren Preisen bereit gestellt, es finden Konzerte statt, junge Bands werden gefördert und unterstützt“. All diese Kulturfördermaßnahmen würden damit wegfallen. Dabei hatte das Bandprojekt schon immer den Anspruch nicht von städtischen Geldern abhängig zu sein und durch die Kombination Eigenbewirtschaftung, Mehrfachnutzung, Veranstaltung und Sponsoring einen sicheren Betrieb für die Künstler zu gewährleisten.

Das Fest Kick off 2020
Bild: Eric Reiff

“Dies war mit Eigeninvestitionen seit dem ersten Tag gelungen und das Bandprojekt kann darauf verweisen, bisher keine öffentlichen Hilfen in Anspruch genommen zu haben. Natürlich ist man seit längerem intensiv auf der Suche nach Räumen und auch bereit Sponsoren und Investoren zu suchen um in geeignete Objekte zu investieren“, erklärt Klaus Bluck. Konkret etwas ergeben hat sich bisher aber nichts.

Das Fest Kick off 2020
Bild: Eric Reiff

“Die Karlsruher Kultur und ihrer Musik Szene ist ein kulturelles Pfand dieser Stadt. Unter den Musikern gibt es viele Profis, auch Musiklehrende und natürlich die Künstler und Bands welche die Kulturszene Karlsruhe überhaupt ausmachen“, appeliert Bluck an die Notwendigkeit des Überlebens dieser Szene.

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Die Hoffnung für viele Musiker doch noch eine Lösung zu finden und zu verhindern, dass am Ende des Jahres hunderte Musikschaffende auf der Straße stehen, hat Bluck aber noch nicht aufgegeben.