Wart Ihr bei Euren Recherchen selbst überrascht, was filmhistorisch so schon alles in Karlsruhe los war? Die Macher Langewitz und Knobloch antworten: "Wir beschäftigen uns mit dem Filmstandort Karlsruhe ja schon seit Jahren beruflich und hatten so für das Buch eine hervorragende Ausgangsbasis."

Hollywood-Blockbuster in  Karlsruhe

Letztlich seien die Kenntnisse darüber, welche Filme bereits in Karlsruhe gedreht wurden, die Grundlage für die Karlsruher Filmlocation-Tour und diese wiederum für die Publikation gewesen, "da wir in deren Rahmen immer wieder gefragt wurden, ob man diese Informationen irgendwo nachlesen könnte.
Nadine Knobloch
Nadine Knobloch | Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie
Dies war letztlich der Impuls, das Buch zu schreiben und uns intensiver mit den Filmproduktionen zu beschäftigen, insbesondere damit, an welchen Karlsruher Drehorten diese entstanden sind." Hierbei habe man durchaus auch noch ein paar weitere Produktionen entdeckt, "die wir noch nicht auf dem Schirm hatten, gerade ein paar ältere Filmperlen aus den 1960er Jahren haben wir so in den Archiven quasi wiederentdeckt."
 
 
Die beiden Karlsruher Aktivposten waren eigentlich nicht wirklich überrascht, da man ja schon länger wisse, was hier alles gedreht wurde und wird. "Aber was nach wie vor erstaunlich ist, ist die Tatsache, dass quasi direkt vor unserer Haustüre ein Hollywood-Blockbuster mit echten Hollywood-Stars wie Oscar-Preisträger Joaquin Phoenix, 'X-Men'-Darstellerin Anna Paquin oder 'Downton Abbey'-Star Elizabeth McGovern entstanden ist." Und diese seien bis heute richtig gut im Geschäft, auf der ganzen Welt bekannt und spielen immer noch in den großen, erfolgreichen Produktionen mit.

Ausgeprägte Affinität zur Disziplin Film

"Wenn wir nicht wüssten, dass in Knielingen und der Nordstadt gedreht wurde, wäre es schwer zu glauben, dass sich Hollywood gerade diese Stadtteile für großes Popcorn-Kino ausgesucht hat, zumal man die Entstehung solcher Filme doch eher in den großen Studios in Los Angeles erwartet."
 
ID-Festivalleiter Oliver Langewitz
ID-Festivalleiter Oliver Langewitz | Bild: Tim Carmele
 
Auf die Frage, woher denn eigentlich die ausgeprägte Affinität zur Disziplin Film komme, erläutert Langewitz wie folgt: "Das ist natürlich insbesondere beruflich bedingt, wenn man ausgebildete Film- und Theaterschauspielerin sowie Kulturmanager ist. Wobei sich bei uns die Begeisterung für Filme schon sehr früh entwickelt hat und wir spätestens im Teenageralter wussten, dass wir beruflich in dieser Branche arbeiten wollen." Film sei ein Medium, das wie kein anderes die Zuschauer in Fantasiewelten entführen kann – und dann noch im dunklen Kinosaal die Realität ausblenden könne: Was gibt es Schöneres?!

"Karlsruhe ist ein sehr interessanter Filmstandort"

Knobloch führt aus, welches Potenzial Karlsruhe (auch zukünftig) als Fimstadt/-kulisse hat: "Karlsruhe ist ein sehr interessanter Filmstandort fernab der großen Filmmetropolen Berlin und München mit einer Fülle an vielfältigen, unverbrauchten Drehorten." Aber gerade dank der Entwicklungen der Kreativwirtschaft in den letzten 15 Jahre habe sich hier eine spannende Filmszene entwickelt, denn man sollte nie vergessen, dass Filme machen wie kaum ein anderer Bereich der Kreativwirtschaft Teamwork bedeutet und die unterschiedlichsten Gewerke miteinander verbindet.
 
Sie können's mir glauben, Deutschland 1960
Sie können's mir glauben, Deutschland 1960 | Bild: 8_BA_Schlesiger_A7_32_1_34
 
"Ebenfalls zum Potenzial bei trägt die Grenznähe zu Frankreich und auch die Schweiz ist nicht weit, so Langewitz, sodass gerade auch internationale Koproduktionen hier in der Oberrheinregion hervorragend umgesetzt werden können.

"Karlsruhe als Filmkulisse" - ein akribisches Werk 

Weshalb wir uns auch im Interreg-Projekt CinEuro engagieren, dem dreijährigen Nachfolgeprojekt von 'Film am Oberrhein', bei welchem wir die hiesigen Netzwerkstrukturen verbessern und Karlsruhe auch überregional als Produktionsstandort bekannt machen konnten." Die Potenziale seien immens, was man auch an der deutlichen Zunahme an Kinofilm-, TV-Film- und Serienproduktionen sehen kann, die Langwitz und Knobloch betreuen.
 
Die Film-/Serien-Chronik ist im Buch ja geradezu minutiös aufgeführt, ein allumfassendes, akribisches Werk – das war wohl eine Heidenarbeit. Langewitz bejaht: "Zu Beginn ging es erst einmal darum, die Filmproduktionen zu ordnen und eine gute Struktur für das Buch zu finden. Schnell erkannten wir, dass eine chronologische Ordnung die sinnvollste Art darstellt. Dann ging es darum, an Sichtungskopien der Filme zu gelangen, da es uns wichtig war, die Produktionen im Detail zu kennen und dahingehend zu analysieren, wo die verschiedenen Szenen in Karlsruhe spielen."
 
Die Autoren Oliver Langewitz und Nadine Knobloch
Die Autoren Oliver Langewitz und Nadine Knobloch | Bild: Sebastian Heck mit freundlicher Genehmigung durch die KME
 
Das sei nicht immer einfach gewesen, denn gerade, wenn manche Szenen nur in Nah- oder Großaufnahmen gedreht wurden, bei welchen die Drehorte in der Unschärfe verschwinden, benötige man genaue Ortskenntnisse, um diese identifizieren zu können.

Buch-Zeitspanne von sieben Jahrzehnten

"Zumal sich das Karlsruher Stadtbild in den letzten sieben Jahrzehnten – das ist ja die Zeitspanne, die wir in unserem Buch abbilden – stark gewandelt hat und wir manche Drehorte nur mithilfe von Zeitzeugen rekonstruieren konnten. Dann war es uns wichtig, so Knobloch, auch die Drehorte selbst zu beschreiben, deren architektonische und stadthistorische Besonderheiten mit abzubilden und so nicht nur ein Buch übers Filmemachen, sondern auch über die Stadtgeschichte zu schaffen.
 
Impression "Independent Days"
Impression "Independent Days" | Bild: fugefoto
 
Um Einblicke in die Entscheidungskriterien der Filmschaffenden zu erhalten, warum diese sich für einen bestimmten Drehort entschieden haben, führten Langewitz und Knobloch dann auch noch Interviews mit verschiedenen Beteiligten hinter der Kamera, darunter zum Beispiel Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff, Stuntkoordinator Marko König oder Tatort-Forscher Prof. Dr. Stefan Scherer.

Pandemie hat auch die Filmbranche stark getroffen

Da viele der Filmgespräche dann durchaus mehrere Stunden gingen, dauerte die Transkription sowie deren redaktionelle Bearbeitung ebenfalls sehr lange. "Alles in allem ein sehr komplexer Arbeitsprozess, aber dadurch kann sich das Ergebnis auch sehen lassen", zeigen sich die Autoren zufrieden.
 
Army Go  Home! (Buffalo Soldiers)
Army Go Home! (Buffalo Soldiers) | Bild: Dieter Kisselmann
 
Corona ist ja immer noch präsent - gibt es da schon nächste Projekte? Die beiden Karlsruher führen aus, "wie die Kultur- und Kreativbranche insgesamt hat die Pandemie auch die Filmbranche stark getroffen und diese musste entsprechend schnell umdenken, wie produzieren dennoch weiterhin möglich ist".  So habe man auch Projekte entsprechend ausgerichtet und plane auch wieder eigene Filme.

Nächste "Independent Days" im April 2023 geplant!

Da sich aber zum Beispiel für Kulturveranstalter die Situation aktuell noch sehr unsicher gestalte, "haben wir zum Beispiel entschieden, unser jährliches Festival 'Independent Days' in diesem Jahr auszusetzen und planen dieses für April 2023, wenn Corona tatsächlich endemisch geworden ist und sich auch das Publikum hoffentlich endlich wieder zu Kulturveranstaltungen traut. Daher setzen wir in diesem Jahr verstärkt auf digitale Projekte und entwickeln auch neue Formate", mehr dürfe und könne man derzeit aber noch nicht verraten.
 
 
Zum Schluss versorgen Langewitz und Knobloch ihre potenziellen Leser noch mit relevanten Informationen: "Im Buch finden sich auch Filmtour-Karten, mit deren Hilfe an die Filmstadt Karlsruhe erkunden kann. Für alle, die sich für eine von uns geführte Filmlocation-Tour interessieren, gibt es die Möglichkeit, diese über den Karlsruher Tourismus zu buchen. Diese können einzeln oder auch als ganze Gruppe gebucht werden." Für alle, deren Interesse nun geweckt ist: Die zweite Auflage von "Karlsruhe als Filmkulisse" wird ab dem 30. Januar publiziert!