Herr Bajramovic, wie lautet Ihr Saisonfazit?

Das Klassenziel wieder erreicht, wieder unter schwierigen Bedingungen, wie schon das Jahr zuvor. Und: unter großem Verletzungspech. Trotzdem: Wir haben den einen oder anderen Punkt zu wenig verbucht, vor dem Hintergrund, was wir investiert haben. Vor allem gegen Ende der Runde.

Ist das nicht auch eine Frage der Qualität des Kaders?

Zum Teil ganz bestimmt. Wahr ist ganz einfach auch: Mehr Qualität kostet mehr Geld und das haben wir derzeit nicht.

Für Christian Eichner ist Marvin Wanitzek der Spieler der Saison. Für Sie auch?

Ja.

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Warum? Und wie steht es mit Tim Breithaupt? 

Marvin hat eine positive Entwicklung genommen. Auch Tim macht es super, aber er muss erst einmal zwei, drei Saisons gut spielen, muss mehr Vorlagen geben, mehr Tore schießen. Das macht Marvin. Er ist weiter, er führt das Team mit. Marvin ist ein Spieler, der zuhört, der immer besser werden will - wie auch Tim. Die nehmen beide schnell etwas auf und setzen dies um. Dadurch wird es immer besser.

Die Zusammenarbeit mit Christian Eichner klappt hervorragend. Warum? Weil sie so unterschiedlich sind?

Eigentlich sind wir uns sehr ähnlich. Vielleicht nicht in den Details der Gespräche. Unsere Herangehensweise ist ähnlich, aber etwas unterschiedlich in der Wortwahl. Aber wir sehen den Fußball gleich. Wir sind beide von der alten Schule geprägt und wollen dazu viel Neues reinbringen. Ich gehöre einen Tick mehr zur alten Schule als Christian Eichner.

Links Christian Eichner (KSC Trainer) mit Zlatan Bajramovic (KSC Co-Trainer)
Christian Eichner (KSC-Trainer, l.) mit Zlatan Bajramovic (KSC-Co-Trainer). | Bild: Carmele/TMC-Fotografie.de

Sie waren als Profi erfolgreicher als Eichner. Haben Sie kein Problem damit, dass er in der Öffentlichkeit steht und Sie weit weniger?

Überhaupt gar nicht. Wir beide bringen unsere jeweiligen Stärken ein und die Grenzen von Cheftrainer und Co-Trainer sind fließend. Das ist eine Anerkennung für mich. Die Öffentlichkeitsarbeit ist zum Beispiel eine von vielen Stärken, die Eiche hat, während ich gar nicht gerne in die Öffentlichkeit will.

Jetzt kommt ein zweiter Co-Trainer. Ist das eine Entlastung? Eine Qualitätssteigerung? 

Zunächst einmal: eine Bereicherung. Man hat eine neue Meinung und etwas Neues kann sehr wichtig sein. Und wir können in den Trainingseinheiten mehr individualisieren, mehr Einzelarbeit machen.

Sie sind dafür verantwortlich, dass dem KSC in der vergangenen Saison zehn Treffer nach Eckbällen gelungen sind - Ligabestwert. Jetzt können Sie noch mehr individualisieren. Heißt das, der Standard-Wert wird noch besser?

Wir arbeiten daran. Aber: Wenn man an Körpergröße verliert, wird es schwierig. Mit Philipp Hofmann und Robin Bormuth verlieren wir an Größe. Davor waren es Roßbach und Fröde. Um nach Standards zu treffen, muss vieles passen. Ich merke, dass die Jungs daran Spaß haben, wenn wir gewisse Sachen ausarbeiten. Wir bleiben dran.

Zlatan Bajramovic (KSC Co-Trainer) im Zweikampf mit Lukas Fröde (KSC 4)
Zlatan Bajramovic (KSC-Co-Trainer) im Zweikampf mit Lukas Fröde (KSC 4). | Bild: Tim Carmele

Hofmann zu ersetzen ist fast unmöglich, oder?

Es macht keinen Sinn, in diese Richtung zu denken. Zudem wäre es Unsinn, einem Spieler diese Bürde aufzuladen. Wir brauchen einen Stürmer - das steht außer Frage. Wenn wir einen für uns passenden und möglichen Spieler gefunden haben, sehen wir weiter.

Es wird darüber nachgedacht mit einer Dreierkette zu spielen. Müsste da nicht noch ein Innenverteidiger kommen? 

Wir haben schon noch Spieler, mit denen man Dreierkette spielen kann.

Zum Beispiel Tim Breithaut?

Auch Tim kann in einer Dreierkette spielen. Das haben wir noch nicht probiert. Wir sind flexibel. Wir werden testen, schauen, wie es funktioniert. Es wird nicht einfach, weil wir nach den Veränderungen Ruhe in die Mannschaft bekommen müssen. Wir hatten oft zu viel Hektik im Spiel gegen den Ball. Die Jungs sind sehr, sehr gierig nach schnellen Ballgewinnen, das muss nicht immer zum Vorteil sein.

Zlatan Bajramovic (KSC Co-Trainer) schießt den Ball.
Zlatan Bajramovic (KSC-Co-Trainer) schießt den Ball. | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Der KSC hat die letzten sieben Ligaspiele nicht gewonnen. Ist das ein Rucksack für die kommende Saison?

Das interessiert mich gar nicht, das habe ich schon wieder vergessen. Wir haben das in Videoanalysen aufgearbeitet. Wir haben darauf hingewiesen, was in dieser Liga dazugehört, zu gewinnen. Das vergisst der eine oder andere immer mal wieder. Die Grundtugenden gilt es permanent umzusetzen. Und: Wir verlieren auch Mentalität im Training. Was Bormuth und Hofmann da brachten, war schon etwas Besonderes.

Für Christian Eichner ist das Saisonziel ein Altbekanntes: Er will eine sorgenfreie Saison spielen. Deckt sich das mit Ihrer Ansicht?

Er drückt es - wie so oft - nett aus. Ich kann die Erwartungshaltung der Fans verstehen, ich weiß, dass der KSC mehr Strahlkraft hat als viele andere Zweitligisten. Aber: Andere Zweitligisten haben eine monetär bessere Ausgangslage, haben schlicht mehr Geld zur Verfügung.

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Kommen wir zu Neuzugängen. Mit Marcel Franke wurde ein Innenverteidiger verpflichtet. Für welche Position sollen Neue kommen?

Dass wir einen Stürmer brauchen, ist klar. Aber auf Positionen, die den Unterschied ausmachen, ist es nicht leicht Spieler zu bekommen. Das sind nun mal Offensivspieler. Da haben wir, aufgrund unseres Budgets, nicht die besten Karten. Wir schauen überall, aber nochmals: Es ist nicht leicht.

Was war die größte Freude in der vergangenen Saison?

Ich gehe immer sehr gerne zur Arbeit. Wir haben extrem viel Spaß bei der Arbeit und das ist mir enorm wichtig. Das ist meine größte Freude. Bei den Spielen habe ich mich am meisten über den Sieg auf Schalke gefreut.

Zlatan Bajramovic (KSC Co-Trainer) und Christian Eichner (KSC Trainer) kommen ins Stadion
Zlatan Bajramovic (KSC-Co-Trainer) und Christian Eichner (KSC-Trainer) kommen ins Stadion. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Ein Wunsch für die nächste Saison?

24 Feldspieler zur Verfügung zu haben. Wir sollten nicht von Anfang an flicken müssen. Lieber ein Luxusproblem haben und dem einen oder anderen sagen müssen 'Es reicht nicht', als zu wenig Auswahl zu haben.