Herr Eichner, was halten Sie von der Formulierung folgendes Saisonfazits: Ohne Sorgen das Klassenziel erreicht - und zudem im DFB-Pokal positiv überrascht?

Das trifft zu. Dafür gebührt der ganzen Mannschaft und den Mitarbeitern ein großes Kompliment. Zudem muss man bedenken, dass uns das gelungen ist, obwohl wir leider immer wieder verletzungsbedingt längerfristig auf Stammkräfte verzichten mussten.

Marco Thiede (KSC 21) am Ball.
Marco Thiede (KSC 21) am Ball. | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Mit Sebastian Jung, Robin Bormuth und auch Marco Thiede sind uns drei Spieler aus der Viererkette ausgefallen. Das waren Eckpfeiler, die uns über längere Zeiträume weggebrochen sind. Deshalb: Die Aussage von oben kann ich komplett unterschreiben. Das zu erreichen ist keine Selbstverständlichkeit. Man kann einen Haken dahinter machen - mehr aber nicht.

Und warum "mehr nicht"?

Um in der nächsten Saison die gleiche Stabilität zu bekommen, müssen wir dahin kommen, dass wir mit den Spielern, die auf dem Platz stehen, Dinge besser erledigen - beispielsweise besser verteidigen.

Welche Szene, Situation oder Ereignis ist rückblickend sofort in Ihrem Kopf?

Zwei Erlebnisse aus dem DFB-Pokal: Das Weiterkommen beim Favoriten in Leverkusen war eine großartige Leistung und Erfahrung. Gleichzeitig gibt es aber auch eine Negative: der Ausgleich in der 96. Minute in Hamburg. Das hat mich lange beschäftigt, tut es auch heute noch. Ich trauere immer der verpassten großen Chance hinterher.

Das könnte Sie auch interessieren

Gibt es einen Spieler, der Sie in der abgelaufenen Saison überraschte?

Grundsätzlich mag ich diese Einteilungen und Bewertungen nicht, da alle einen großen Anteil haben. Imponiert hat mir Marvin Wanitzek, der nochmals einen absoluten Entwicklungsschritt gemacht hat. Er hat sich zu einem der besten zentralen Mittelfeldspieler der Liga entwickelt. Das war ein Schritt, der in seinem Alter nicht immer zu erwarten ist.

Marvin Wanitzek (KSC 10) schießt den Ball.
Marvin Wanitzek (KSC 10) schießt den Ball. | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Manche dachten, er sei am Zenit seines Könnens. Aber: Dass er sich so entwickelt hat, ist kein Zufall. Was er täglich im Training ablieferte, führte zu den starken Leistungen am Wochenende. Seine Scorerpunkte belegen das auch statistisch.

Ist Wanitzek Ihr Spieler der Saison?

Das kann man genau so sagen.

Und von wem waren Sie enttäuscht?

Es hat keiner über die Maßen enttäuscht, aber sicher gab es Spieler, die nicht an das herangekommen sind, was wir uns erhofft und erwartet haben.

Bei welchen Profis sehen Sie in Zukunft das größte Entwicklungspotential?

Lukas Cueto ist beispielsweise ein Spieler, der den nächsten Schritt vor sich hat. Er hatte ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Er muss verstehen, was für ein außergewöhnliches Eins-gegen-Eins er hat, was er draufhat, und das muss er konstanter zeigen. Er kann für jeden Gegner sehr unangenehm sein.

Lucas Cueto (KSC 17)
Lucas Cueto (KSC 17) | Bild: ka-news.de

Wo offenbarte sich im Kader die größte Baustelle? 

Ganz allgemein: Wir hatten einen guten Saisonstart, aber in der Art, wie wir die Spiele bestritten haben, da hatten wir Luft nach oben. Was die Spezialisten für die Außenbahnen angeht, haben wir in punkto Tore und Vorlagen sowie individuelles Durchsetzungsvermögen extrem Luft nach oben.

Daher haben auf diesen Positionen oft Fabian Schleusener und Kyoung Rok Choi gespielt, die beide torgefährlich waren. Was die Abwehr angeht: Wir müssen als Mannschaft besser verteidigen - das ist unsere Hauptaufgabe! Die Anzahl von Fehlern im mannschaftlichen und individuellen Verteidigen war zu hoch.

Sind Sie zufrieden mit der KSC-Laufleistung? Hier ist Ihr Team in der 2. Bundesliga hinten platziert. Da war schon in der Vorsaison so.

Das hat nur bedingt Aussagekraft über Ergebnisse. Wir sind die Mannschaft in der Liga, die die meisten Rückstände aufholt. Das trifft auf kein Team zu, das wenig läuft. Dieses Kriterium greift dann, wenn wir -zum Beispiel wie gegen Dresden - in der ersten Halbzeit keine Intensität auf den Platz bringen. Das Hauptthema ist aber das bessere Verteidigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Läuft die Mannschaft also nur unter Druck gut?

Zu der Schlussfolgerung kann man kommen. Das ist aber nicht nur auf die Laufleistung bezogen. Generell benötigen Mannschaften auf diesem Niveau eine allgemeine Form von Druck.

Auf dem Gebiet der Tore nach Standards war der KSC hervorragend. Kann man das wiederholen oder gar steigern?

Wir setzen in diesem Bereich auf verschiedenen Ebenen viel Energie ein. Auf dem Platz, mit Videoanalyse und anderem. Großes Kompliment an Zlatan Bajramovic, der einen top Job macht. Ich nenne ihn "Standardkönig Europas" und wir müssen dann beide etwas schmunzeln.

Christian Eichner (KSC Trainer) und Zlatan Bajramovic (KSC Co-Trainer) kommen ins Stadion.
Christian Eichner (KSC Trainer) und Zlatan Bajramovic (KSC Co-Trainer) kommen ins Stadion. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Was diese guten Ergebnisse bei Standards doppelt wertvoll macht: Wir haben an Körpergröße verloren, man denke nur daran, dass uns beispielsweise Lukas Fröde und auch Damian Roßbach verlassen haben. Aber wir haben gezeigt, dass es nicht nur auf Physis, auf Größe ankommt, sondern wichtig ist zu überlegen und umzusetzen, was klappen könnte.