Herr Rapp, ging mit dem Wechsel zum KSC ein Wunsch, vielleicht ein kleiner Traum in Erfüllung?

Schon. Ich wollte schon immer in Deutschland in der Bundesliga spielen. Mit der Bundesliga im Fernsehen, Sportschau am Samstagabend, bin ich groß geworden. Dass ich, auch in meinem Alter, die Möglichkeit für einen Wechsel erhielt, ist eine Riesenfreude. Als der Kontakt zum KSC zustande kam, war ich sehr froh. Jetzt heißt es: Konzentration auf das was kommt. Ich weiß, da kommt einiges an Tempo und Härte auf mich zu. Ich bin mir bewusst, was mich da erwartet.

Simone Rapp mit Co-Trainer Sirus Motekallemi.
Simone Rapp mit Co-Trainer Sirus Motekallemi. | Bild: Mia

Sie wurden mehrfach beobachtet. Wussten Sie das? Wann und von wem?

Davon wusste ich nichts. Ich habe mich wie immer auf meinen Job konzentriert.

War es vielleicht gut, dass Sie nichts wussten, dass kein besonderer Druck da war?

Das weiß man nicht. Aber ich will meinen Job immer gut machen, egal wer da zuschaut.

Wo liegen Unterschiede zwischen Vaduz – Karlsruhe, dem KSC?

Zur Stadt kann ich noch gar nichts sagen, ich bin von Vaduz aus direkt nach Österreich ins Trainingslager gefahren, erst danach nach Karlsruhe. Da wir oft trainieren blieb keine Zeit für andere Dinge. Aber klar, es ist eine andere Liga. Ich kenne die Liga vom Sofa, da sieht einiges einfacher aus als es ist. Das habe ich gewusst und im Training bemerkt. Die Qualität des Kaders ist höher als die von meinem Ex-Club. Das ist die Realität, da wird niemand in Vaduz böse sein. Jeder weiß, dass man die zweite Liga in der Schweiz nicht mit der 2. Bundesliga vergleichen kann.

Florian Ballas (ganz links) und Simone Rapp (zweiter von links) mit Fabian Schleusener, Jerôme Gondorf und Marco Thiede.
Florian Ballas (ganz links) und Simone Rapp (zweiter von links) mit Fabian Schleusener, Jerôme Gondorf und Marco Thiede. | Bild: Mia

Trainer Christian Eichner denkt über eine Doppelspitze nach, aber auch ein Ein-Mann-Angriff ist möglich. Was bevorzugen Sie?

Das ist mir wirklich egal. Ich habe in meiner Karriere alleine im Angriff gespielt, mit einem Partner als Doppelspitze, und auch mit einem offensiven Spieler auf der Zehnerposition dahinter. Ich muss meinen Job erledigen - egal in welcher Konstellation.

Sie gelten als Nachfolger von Tormaschine Philipp Hofmann, das ist viel Druck.

Das gehört zu meinem Beruf. Ich weiß, dass Philipp Hofmann über 50 Tore in drei Jahren erzielt hat. Eine unglaubliche Quote. Sensationell. Natürlich ist es mein Wunsch so etwas auch zu machen. Aber mal schauen wie es geht. Ich werde alles geben, jeden Tag, damit der Ball so oft wie möglich ins Tor geht.

Sie wurden für das Tore machen geholt

Richtig, und das werde ich versuchen. Aber ich werde auch viel Laufbereitschaft zeigen, werde versuchen Zweikämpfe zu gewinnen, Bälle vorzulegen und die Kollegen ins Spiel zu bringen. Ob ich oder andere Tore machen, ist schlussendlich egal.

Das könnte Sie auch interessieren

Vergangene Saison waren es 16 Tore. Werden es jetzt mehr?

Jeder Stürmer will mehr, das klappt ab und zu, ab und zu nicht. Ich wäre froh, wenn ich eine konstante Saison abliefern würde. Ob es dann 14, 12 oder acht Tore sind, ist nicht so wichtig. Konstant auf dem Platz meine Stärken bringen, das ist wichtig. Ich will mich nicht auf Tore fokussieren, sondern auf meine persönliche Leistung und auf die der Mannschaft. Wenn das stimmt, kommt alles andere automatisch.

Bleiben wir beim Druck. Sie sind der Spieler mit der höchsten Ablösesumme, die der KSC seit Jahren bezahlt hat. Heißt: Auf diesem Gebiet der teuerste Spieler seit Jahren! Ist das Druck?

Über solche Sachen denke ich nicht nach. Ablöse ist etwas zwischen den Vereinen. Mich interessiert was der Trainer von mir will, was er braucht. Egal was für mich bezahlt wurde: ich versuche einen guten Job zu machen, mich auf meine Aufgabe, auf das was ich auf dem Platz machen muss - und auf nichts anderes - zu konzentrieren.

KSC-Neuzugang Simone Rapp bei der ersten Einheit im österreichischen Trainingslager.
KSC-Neuzugang Simone Rapp bei der ersten Einheit im österreichischen Trainingslager. | Bild: mia

In der Schweiz beschreibt man Sie: Neben dem Platz ein ruhiger aber selbstbewusster Typ, auf dem Platz einer, der aggressiv ist und immer alles gibt, der sehr kopfballstark ist. Passt das?

Ich bin Schweizer - also ruhig. Aber ich komme aus dem Tessin, der italienischen Seite der Schweiz, deswegen bin ich auch auf dem Platz ein bisschen wild.

Haben Sie ein Vorbild?

Ich bin AC Milan Fan und als ich ganz jung war – da war es natürlich Andriy Shevchenko. Jetzt habe ich kein Vorbild mehr. Ich schaue auf alle Stürmer egal in welcher Liga.

Haben Sie den KSC im Fernseher geschaut?

Klar, und ich habe natürlich mit Kollegen, die ich aus gemeinsamen Zeiten kenne, geredet. Mit Miro Muheim vom HSV, mit ihm war ich gemeinsam in St. Gallen, mit Saulo Decarli von Eintracht Braunschweig spielte ich in allen Jugendnationalmannschaften der Schweiz, seit ich 13 Jahre alt war und auch in der Challenge League in Locarno.

Das könnte Sie auch interessieren

Und vom KSC, kennen Sie da jemand?

Natürlich - Philipp Hofmann, wenn auch - wie sonst ebenfalls - nicht persönlich. Lucas Cueto kenne ich vom Namen her, er hat wie ich in St. Gallen gespielt, ist mir von daher bekannt.

Haben Sie ein Hobby?

Ich spiele gerne Gitarre und habe zwei Instrumente zu hause. Ab und zu spiele ich noch, in letzter Zeit leider seltener. In der Schweiz bin ich gerne wandern gegangen - in meiner Heimat, dem Tessin. Aber man hat wenig Zeit oder ist müde. Wenn man gespielt und alles gegeben hat, dann ist wenig Lust zum Wandern da, da liegt man lieber auf dem Sofa.