Der Trend zeigt in Richtung Online-Shopping, was macht das mit dem lokalen Handel und den Innenstädten? Karlsruhe hat für sich eine Antwort gefunden: Das Einkaufen in der Innenstadt wird zunehmend zum Event-Erlebnis - der verkaufsoffene Sonntag mit angegliedertem Stadtfest oder große Events wie die Schlosslichtspiele zeigen seit einigen Jahren bereits in diese Richtung: Öffentlicher Raum wird zum Erlebnisraum - und wenn man schon mal da ist, kann man auch ein bisschen Einkaufen.

Funktion des Einzelhandels wird weiter schwinden

Bestätigt wird diese Entwicklung durch eine externe Beraterfirma: Kundenbindung wird für den Einzelhandelsstandort Karlsruhe die Herausforderung der kommenden Jahre sein. Man befinde sich in einem Paradigmenwechsel, die Funktion des Einzelhandels wird weiter schwinden, so Christian Hörmann von der Cima Beratung und Management GmbH. Er stellte am Dienstag das entsprechende Gutachten für die Zukunft der Karlsruher City im Rathaus vor. 

Maßnahmen zur Stärkung des Einzelhandels in Karlsruhe bis 2030
Christian Hörmann von der CIMA GmbH. | Bild: Sophia Wagner

Das "Gutachten zur Zukunftsfähigkeit der Karlsruher City als Einzelhandelsstandort 2030" wurde von der Firma Cima GmbH im Auftrag der Stadt Karlsruhe erstellt: Auf über 260 Seiten wurden Stadtentwicklung, Marketing, Regionalwirtschaft, Einzelhandel, Wirtschaftsförderung, Citymanagement, Immobilien, Organisationsberatung, Kultur und Tourismus analysiert.

Auf weiteren 140 Seiten werden entsprechende Maßnahmen präsentiert. "Wir haben kein 2050-Konzept gemacht, weil unser Ziel ist, umsetzbare Maßnahmen zu generieren, die sehr schnell greifen", so Hörmann zum gesetzten Zeitrahmen bis 2030.

Ergebnisse: "Ernüchternd als auch chancenreich"

Zusammengefasst: Es steht nicht allzu schlecht um die Karlsruher Innenstadt, die Kaufkraft wächst, aber das Angebot nicht. Die Fächerstadt läuft daher Gefahr, ihre Einzelhandelsfläche zu verlieren: Eine Prognose besagt, dass bis 2022 etwa vier bis sechs Prozent Fläche entfallen könnte, also 7.000 bis 11.000 Quadratmeter.

Insgesamt befinden sich in der Karlsruher City 581 Einzelhandelsbetriebe mit einer Verkaufsfläche von 179.000 Quadratmetern. Der Einzelhandelsumsatz liegt laut Stadt bei 699,5 Millionen Euro - die Leitbranche ist dabei der Bekleidungsbereich mit einem Verkaufsflächenanteil von 43,4 Prozent.

"Die Ergebnisse sind sowohl ernüchternd, als auch chancenreich", so Frank Mentrup. Der Wandel im Einkaufsverhalten der Kunden stellt ein großes Problem dar. Doch dieses Verhalten kann sich auch positiv auf die Entwicklung auswirken: "Die Wohnungsfunktion in der Innenstadt gewinnt wieder an Bedeutung - unser Wohnanteil in den City-Bezirken bleibt seit Jahren mit 17.000 Einwohnern konstant stabil", sagt Mentrup.

Maßnahmen zur Stärkung des Einzelhandels in Karlsruhe bis 2030
Oberbürgermeister Frank Mentrup. | Bild: Sophia Wagner

Hinzu kommen stadtbedingte Rahmenbedingungen wie die Baustellen der Kombilösung - diese sollen aber bis 2021 abgeschlossen, der Autotunnel unter der Kriegs- und der Straßenbahntunnel unter der Kaiserstraße fertig sein. Neue Aufenthaltsräume werden entstehen: Flanieren, Bummeln, Verweilen ist das Motto für die Zukunft - man will urbanes Flair mit Wohnqualität in der Innenstadt bieten. Wirtschaftlich setzt die Stadt auch auf die Ikea-Eröffnung im Sommer 2020

124 Maßnahmen wurden erarbeitet

Das Gutachten hat sich verschiedene Handlungsfelder angeschaut, darunter auch das Vermarkten der Stadt auf einer gemeinsamen Homepage im Internet, die Aufwertung von verschiedenen City-Bereichen und die Einbeziehung von Events bei Kultur, Sport und Zoo.

Insgesamt 124 Maßnahmen wurden für Karlsruhe erarbeitet und nach Prioritäten sortiert. Darunter auch Aufgabenbereiche, die bereits von der Stadt angegangen wurden, wie beispielsweise die Aufwertung der Östlichen Kaiserstraße oder die neue Homepage "Karlsruhe erleben". Die Maßnahmen werden nun von der Stadtverwaltung priorisiert nach Kurz- Mittel- und Langfristigkeit, der Gemeinderat soll noch im Sommer zur Studie Stellung nehmen können.

 

Was ist bereits in Bearbeitung und wird realisiert?

  • SOS - Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit
    Hierzu zählen erste Maßnahmen wie die SOKO Schmierfink sowie eine regelmäßigere Reinigung der Fußgängerzonen in der Innenstadt. Am Europaplatz haben sich unabhängig vom aktuellen Gutachten bereits Händler, Unternehmen und Immobilieninhaber in einer eigenen Initiative zusammengefunden und tauschen sich zu potentiellen Maßnahmen aus. Weiterhin hat die Stadt das "Sanierungsgebiet Östliche Kaiserstraße" initiiert, um dort wieder mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. 
  • Schlüsselimmobilien für Stadtentwicklung im Fokus
    Auch hier sei man laut Oberbürgermeister Mentrup bereits aktiv: Immobilien in wichtiger Lage für die Stadtentwicklung beobachte man, um sie bei Verkaufsabsicht zu erwerben. Man stehe mit den Besitzern im Kontakt - im Fokus steht hier insbesondere die "zentrale Achse" zwischen Ettlinger Tor und Karlsruher Schloss.
  • Citymanagement neu strukturieren
    Mit Frank Theurer gibt es seit Februar einen neuen Geschäftsführer der City-Initiative Karlsruhe (CIK) - diese arbeitet nun eng mit der Karlsruher Marketing Event (KME) GmbH zusammen, dort soll der neue Bereichsleiter Citymarketing Dennis Fischer, Bottom-Up-Anregungen aus Dienstleistungen und Handel aus der CIK aufnehmen, in entsprechenden Gremien einbringen und erneut im Top-Down-Prozess an die Akteure zurückspielen.
  • Citybereiche strukturieren (und entwickeln)
    Die Cima GmbH hat die Karlsruher Innenstadt zur Strukturierung ihrer Arbeitsprozesse in verschiedene  Bereiche eingeteilt: Westliche Kaiserstraße bis Stephanienstraße inklusive Kaiserpassage, Zentrale Kaiserstraße, Waldstraße/Karlstraße/Erbprinzenstraße/Herrenstraße, Zentrale Achse (Zirkel, Marktplatz, Ettlinger Tor), Östliche Kaiserstraße und Östliche City. Eine entsprechende Studie der Stadt zur "Innenstadt von Morgen aus der Sicht von Studenten" bestätigt die Entwicklung der zentralen Achse als städtischen Aufenthaltsraum.

Was sind die Empfehlungen?

  • Zentrale Achse - Zirkel/Marktplatz/Ettlinger Tor
    In diesem Bereich sollen Erdgeschosswohnungen genutzt werden. Dabei soll man sich am Publikum orientieren. Die zentrale Achse soll ein durchgängiges Cityerlebnis für Besucher und Kunden werden, insbesondere in Bezug auf die Nord-Süd-Verbindungen und die Funktionalität der Plätze.

    Maßnahmen für 2030: Ein neuer Markt soll auf dem Marktplatz konzeptioniert werden.

  • Zentrale Kaiserstraße
    Auf der zentralen Kaiserstraße soll der Europaplatz aufgewertet werden. Außerdem sollte die Immobilien- und Nutzungsstruktur angepasst werden.

    Maßnahmen für 2030: Eine Immobilieneigentümer-Interessengemeinschaft Europaplatz, sowie die Erstellung einer ganzheitlichen, konzeptionell gestalterischen Idee für den Europaplatz.

  • Östliche Kaiserstraße und östliche City
    Hier sollen weitere Trading-Down-Prozesse verhindert werden und die Lage "Wissenschaft und Gründer" profiliert werden.

    Maßnahmen für 2030: Ein "gewerbliches" Quartiersmanagement "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" mit einem Gebietsmanager, sowie die Erstellung eines Ansiedlungskonzeptes "Kultur- und Kreativschaffende/Gründerszene".

  • Waldstraße/Karlstraße/Erbprinzenstraße/Herrenstraße
    Dieser Teil der Innenstadt soll als durchgängig wertiges Quartier positioniert werden. Der Stephansplatz soll als Scharnier zwischen Einkaufslagen im Citybereich gestärkt werden und die Trennwirkung Karlstraße aufgelöst werden.

    Maßnahmen für 2030: Ein Nutzungs- und Märktekonzept am Stephansplatz.

  • Westliche Kaiserstraße bis Stephanienstraße inkl. Kaiserpassage
    Die Hinterhöfe in diesem Stadtbezirk sollen aufgewertet werden. Hier hätte man die Besonderheit, die Abgeschiedenheit von der großen Einkaufsmeile mit etwas Leben zu vereinen.

    Maßnahmen für 2030: Die Zugänge der Höfe sollen von Verschmutzungen wie Graffiti und Aufklebern befreit werden. Zudem soll im Passagehof und nach Abwägung auch in weiteren Höfen ein Beleuchtungskonzept eingeführt werden.

Eine ausführliche Betrachtung des Gutachten gibt es in weiteren Artikeln auf ka-news. Was interessiert Sie besonders am Thema "Einzelhandelsstandort Karlsruhe City 2030"? Gerne nehmen wir Ihre Anregungen auf: Schreiben Sie uns in den Kommentaren unter diesem Artikel, per Mail an redaktion@ka-news.de oder per ka-Reporter-Formular.

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