In den vergangenen Wochen sorgten mehrere Brände in Textilfabriken in Bangladesch für Aufsehen. Dabei sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen, viele wurden verletzt. Die Katastrophen haben erneut Fragen aufgeworfen, ob in solchen Firmen der Brand- und Arbeitsschutz ausreichend gewährleistest ist. Auch Klamotten, die der irische Mode-Discounter Primark in Karlsruhe anbietet, werden in Bangladesch produziert.

Feuer in Bangladesch: Primark-Produktion nicht betroffen

"Die im Zusammenhang mit den Bränden in Bangladesch genannten Fabriken haben nicht für Primark produziert", versichert Primark auf ka-news-Anfrage. Vor mehr als zwei Jahren habe das Unternehmen bereits mögliche Ursachen für das Versagen von Brandschutzsystemen in Bangladesch untersucht - und in der Folge gemeinsam mit einer örtlichen NGO eine Initiative für ein stärkeres Gefahrenbewusstsein bei den Zulieferern gestartet. "Wir verfügen über ein leistungsfähiges Überwachungssystem, das die Umsetzung aller Maßnahmen und Einhaltung der entsprechenden Vorschriften sicherstellt", so Primark weiter.

Allgemein stellt sich Primark gerne als fairen Arbeitgeber dar. Auf der Firmen-Webseite wirbt Primark offensiv mit seinem Engagement für gute Arbeitsbedingungen bei der Produktion von Textilien und, "dass die Menschen, die sie herstellen, ordentlich behandelt und angemessen bezahlt" werden.

T-Shirts: Fair und sauber für zwei Euro?

Doch kann ein T-Shirt für zwei Euro überhaupt sauber und fair produziert worden sein? Maik Pflaum, Referent für Entwicklungspolitik bei der Christlichen Initiative Romero (CIR), sieht das sehr skeptisch. "Primark bleibt bisher den Beweis schuldig, dass sie menschenwürdige Löhne zahlen", erklärt er im Gespräch mit ka-news. Seine Organisation setzt sich seit 1981 für Arbeits- und Menschenrechte ein.

"Billig verkaufen heißt: die Näherinnen müssen mehr in weniger Zeit herstellen. Das bedeutet Akkord-Arbeit, Überstunden, geringe Löhne", so Pflaum. In Ländern wie Bangladesch werde zwar häufig der staatliche Mindestlohn bezahlt, dieser sei allerdings sehr gering. "Man bräuchte auch in diesen Ländern den vierfachen Mindestlohn, um überhaupt den Grundbedarf für eine Familie zu verdienen", weiß Pflaum. "Im Kampf um den günstigsten Produktionsstandort unterbieten sich die Länder gegenseitig: Bangladesch konkurriert mit Vietnam. Die Mindestlöhne werden gedrückt, um die großen Textilhersteller anzulocken."

Fair für wenig Geld: Für Primark kein Widerspruch

Fair für wenig Geld. Für Primark ist das kein Widerspruch. "Das ist auf jeden Fall möglich. Darüber hinaus teilen wir 98 Prozent unserer Fabriken mit anderen High Street Marken - das bedeutet, die gleichen Fabriken, die gleichen Arbeiter, gleiche Arbeits- und Lohnbedingungen für unterschiedliche Marken aus den verschiedensten Preissegmenten. Primark schafft, es den Kunden ein gutes Preis-Leitungsverhältnis zu bieten, indem wir in großen Mengen bestellen, das Design einfach und die Betriebskosten niedrig halten", so Primark gegenüber ka-news.

Aber auch teure Marken wie Adidas oder Nike seien nicht besser als die "Billigheimer", was faire Löhne und Arbeitsbedingungen angeht, gibt Pflaum von Romero zu bedenken. "Diese investieren einfach mehr in Marketing und Werbung und lassen sich den Markennamen bezahlen." Also egal ob Pulli für 100 oder 10 Euro: Die Näherin in Bangladesch bekomme letztlich von den Mehreinnahmen keinen Cent mehr.

Primark verweist zudem auf die Ethical Trading Initiative (ETI), zu der das Unternehmen gehört. Die ETI wurde 1998 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, NGOs und Gewerkschaften. ETI hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, bessere Sozialstandards in den Textilfabriken umzusetzen und Probleme bei den Zulieferern zu lösen. Primark orientiert sich eigenen Angaben zufolge an dessen Grundsätzen. Die ETI habe laut Primark "grundsätzlich festgehalten, dass Fast Fashion nicht automatisch eine unethische Herstellung impliziert."

Menschenwürdige Löhne: Primark bleibt Beweis bisher schuldig

"Das ist erst einmal sehr gut, wenn sich ein Unternehmen der ETI anschließt", lobt Pflaum. Doch ein Unternehmen müsse auch zeigen, dass es die Bemühungen ernst meine. Viele Unternehmen würden sich auch nur aus Marketing-Gründen einer Initiative anschließen, die sich für die Belange der Arbeitnehmer einsetzt."In solchen Zusammenschlüssen gibt es nämlich Vorreiter und welche, die sich eher langsam bewegen. Primark ist bisher nicht durch großes Engagement aufgefallen", so Pflaum.

Auch die Kampagne "Labour Behind the Label", die weltweit Textilarbeiter im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen unterstützt, hat Primark unter die Lupe genommen und auf einer Skala von eins bis fünf mit der Note drei bewertet. Denn die Kampagne sieht das Geschäftsmodell von Primark durchaus kritisch. Primark müsse erst noch beweisen, dass das Handelsmodell sich nicht negativ auf die Löhne der Textilarbeiter auswirke oder die Löhne dadurch gar gedrückt würden, heißt es in einem Report der Initiative.

Trend: Viele Kleider, wenig Geld

Aber warum fahren die Menschen so auf Primark ab? Wie ist dieser Hype zu erklären?  "Wir beobachten einen Trend: Die Menschen wollen mehr Kleider kaufen, aber für weniger Geld", erklärt Entwicklungsexperte Pflaum. Es sei aber nicht nur ein Zeitgeist, sondern dieses Gefühl werde von der Industrie bewusst gefördert. "Die unselige Werbekampagne 'Geiz ist geil' ist nachhaltig in das Bewusstsein der Konsumenten eingedrungen. Man will alles: Hauptsache billig, aber ohne menschenrechtliche oder ökologische Aspekte zu hinterfragen." Da die Kleider heutzutage so gut wie nichts mehr kosten, würden sie schneller ausgetauscht und weggeschmissen.

Diesen Trend bestätigen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Während im Jahr 2004 82.400 Tonnen Textilmüll von den öffentliche-rechtlichen Entsorgen verwertet wurden, waren es 2010 schon 100.300 Tonnen. Mit niedrigen Preisen ist der irische Mode-Discounter gerade auch für Jugendliche interessant. Hosen, Westen oder Jacken gibt es bei Primark für unter 20 Euro. Nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts Iconkids & Youth geben die jungen Konsumenten in Deutschland pro Jahr 5,2 Milliarden Euro Taschengeld für Bekleidung, Modeartikel und Schmuck aus - und wahrscheinlich ist es sogar noch mehr, wenn man bedenkt, dass Jacken oder Jeans häufig von den Eltern bezahlt werden.

Im November hat die erste Filiale des irischen Modekonzern in Baden-Württemberg eröffnet. Und zwar mitten in der Karlsruher Innenstadt in der Post Galerie.

Welche Modefirma handelt ökologisch korrekt und fair? Infos dazu hat die Romero-Inititaive auf der Webseite www.gruenemode.org zusammengefasst.

Siehe auch:

Primark-Rummel in Karlsruhe: Wo bin ich hier gelandet?

Primark-Eröffnung in Karlsruhe: Massenandrang in Post Galerie

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