Die neue App ist zunächst für ein Testpublikum von 200 bis 300 Personen verfügbar, im Herbst soll sie für Apple und Android verfügbar sein. Am Dienstagmittag hat der KVV die neue App in ihrer Firmenzentrale vorgestellt.
Eigentlich sollte die Testversion bereits im Rahmen der Verkehrsmesse "IT-Trans" der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden - diese wurde jedoch nach Auftreten eines Coronovirus-Falls (2019-nCov) am vergangenen Freitag aus Vorsichtsmaßnahmen abgesagt. Man entschied sich für eine Presserunde.

Die neue App ist Teil des Pilotprojekts "Regiomove" und trägt bislang auch diesen Namen. Nach einem erfolgreichen Launch im Herbst soll sie vor allem eines: Die Leute zum Umstieg bewegen.
"Hürde der Nutzung" nehmen
Man will die "Hürde der Nutzung" nehmen, so Oberbürgermeister Frank Mentrup am Dienstag. Und vielleicht könne man damit auch die Abschaffung des ein oder anderen Zweit-Autos beeinflussen, so Mentrup.

In der App werden individualisierte Angebote erstellt - auf Echtzeitbasis. Die erste Meile zur und die letzte Meile von der Haltestelle soll mit Fahrrädern oder Carsharing jetzt leichter fallen, erhoffen sich die Verantwortlichen.
Eine App für Fahrrad, Auto und Bahn
Momentan sind die Leihräder von "Nextbike" sowie die Leihautos von "Stadtmobil" im App-Angebot vorhanden. Langfristig könnte aber auch E-Scooter, Lastenräder, Blabla-Car oder das Taxigewerbe in der App als Anbieter berücksichtigt werden.

"Menschen können Mobilität völlig anders planen", so Mentrup, eine zu zurücklegende Strecke könne mit der Vernetzung von Angeboten neu gedacht werden. Die Wahl der Verkehrsmittel wird flexibler. Man muss sich nicht vorher entscheiden, ob Hin- und Rückreise mit dem gleichen Verkehrsmittel angetreten werden. Ob Auto, Rad oder Bahn - man kann beispielsweise wetterabhängig entscheiden.
Individuelle Angebote in Echtzeit
Die App soll die Buchung verschiedener Angebote einfacher machen: Nach einmaliger Anmeldung können sämtliche Fahrten mit den Verkehrsmitteln genutzt und bezahlt werden - man benötigt keine weiteren Apps mehr. Auch nicht für externe Anbieter wie Stadtmobil oder Nextbike.

Der Nutzer kann darüberhinaus individuelle Angaben machen, etwa ob er zu Fuß gehen kann oder barrierefreie Angebote benötigt werden, einen Führerschein hat oder im Besitz einer Bahncard ist. Das Preismodell basiert derzeit auf den Preisen der jeweiligen Anbieter sowie der Ticketpreise des KVV.
Luftlinien-Tarif kommt zurück
Zeitnah nach dem Launch der App - im September - will man das Projekt "HomeZone" angehen. In einem individuell gelegten Radius sollen Kurzstrecken anhand eines Luftarifs günstiger werden - ein Nachfolger des Preismodells von "ticket2go". Der Anbieter hatte im Dezember 2019 sein Angebot eingestellt - seitdem gibt es keinen Kurzstreckentarif für Fahrten im KVV-Verbundgebiet mehr.

Und wie funktioniert das nun konkret? Wählt man die App an, sieht man in verschiedenfarbigen Punkten die unterschiedlichen Standorte: Haltestelle, Fahrräder, Autos, Baustellen und in Echtzeit auch Straßenbahnen und Busse.
Verkehrsmittel wird reserviert
"Wenn man die Fahrt antritt, wird das entsprechende Verkehrsmittel reserviert", so Projektleiter Frank Pagel. Die Echzeitfunktion der App zeigt, wo die Fahrzeuge verfügbar sind - und können vor Ort mit der App entriegelt werden.

Zum Launch der App im Herbst sollen an ausgewählten Standorten sichtbare "Regioports" installiert sein: Sie können unterschiedlich gestaltet und je nach Angebot am jeweiligen Standort spezifiziert werden.

Die bunten Dach-Kubus-Würfel nach einem Baukastenprinzip zeigen an, welche Verkehrsmittel an dieser Stelle zu finden sind. Die Standorte der ersten sieben Ports werden sein:
- Bad Schönborn
- Blankenloch Nord
- Karlsruhe Hagsfeld
- Ettlingen
- Rastatt
- Baden-Baden
- Bühl

Wenn die App genutzt wird, will man diese Verknüpfungspunkte deutlich stärken und ausbauen, so Verbandschef Gerd Hager vom Regionalverband Mittlerer Oberrhein.

Das Einzugsgebiet der App ist derzeit das KVV-Verbundgebiet: der mittlere Oberrhein. Das Angebot will man schrittweise ausbauen: "Wir wollen das Ganze auch verbundübergreifend anbieten, in Kooperation mit anderen Verbünden, und damit auch den Verkehrsraum erweitern", so KVV-Chef Alexander Pischon im Gespräch mit ka-news.de.
"Die zweite Stufe, die wir zünden, ist die Homezone-Testversion", so Pischon. "Den entfernungsbasierten Tarif holen wir wieder." Im Frühjahr 2021 soll der neuen Online-Tarif verfügbar sein. Langfristig will man die Regiomove-App auch für den deutschlandweiten Einsatz fit machen - "sodass man mit der Karlsruher App auch mit der Bahn nach Berlin fahren kann", so Pischon.
ka-news.de-Hintergrund
"RegioMove" ist im Dezember 2017 gestartet und gilt als Leuchtturmprojekt der TechnologieRegion: Es will im Einzugsgebiet Mittlerer Oberrhein eine Vernetzung von Verkehrsmitteln schaffen. Bahn, Bus, Leihfahrrad oder Carsharing sowie langfristig weitere Angebote sollen in das bestehende Verkehrsnetz des Verkehrsverbunds Karlsruhe (KVV) integriert werden.
Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 6,6 Millionen Euro. Von Seiten des Landes Baden- Württemberg und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) wird das Pilotprojekt mit rund 4,9 Millionen Euro über drei Jahre gefördert.
Am Projekt beteiligt sind die Partner KIT, Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft, FZI Forschungszentrum Informatik, raumobil GmbH, PTV Group, INIT GmbH, stadtmobil, Regionalverband Mittlerer Oberrhein, Landkreis Rastatt und die Stadt Karlsruhe.