Die Bedrohlichkeit eines Alfred-Hitchcock-Films mögen die Aufgebote an Tauben, die sich am Kronenplatz tummeln, vielleicht nicht haben - aber dennoch wurden sie bereits seit längerer Zeit zum Problem. Zum Problem, für das die Karlsruher Fraktion der Grünen Lösungsbedarf sieht. 

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(Symbolbild) | Bild: pixabay.com © peggy_marco

"Wir beobachten immer wieder, dass sich an verschiedenen Plätzen Karlsruhes regelrechte Taubenhotspots bilden", sagt Stadtrat Michael Borner dazu. "Am stärksten betroffen sind etwa der Stephanplatz, der Europaplatz und natürlich auch der Kronenplatz. Hier sitzen die Tiere meist im gesamten Areal verteilt und hinterlassen Kotspuren oder sonstigen Unrat."

Das "Augsburger Modell" als Vorbild

Einzelne Beschwerden verschiedener Gewerbebetreiber habe es dahingehend schon gegeben. Gemeinsam mit der Grünen-Fraktion plant Borner daher, eine Lösung auszuarbeiten, um dem Problem, das die wachsende Taubenpopulation darstellt, Herr zu werden.

Michael Borner Grüne
Michael Borner, Stadtrat der Fraktion der Grünen Karlsruhe. | Bild: Grüne Karlsruhe

"Allerdings möchten wir tunlichst vermeiden, die Tiere zu verletzen oder gar zu töten", sagt Borner. "Nicht umsonst bekennt sich Karlsruhe seit 2018 zum sogenannten 'Augsburger Modell', das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Tauben gewaltlos umzusiedeln, zu versorgen und ihnen einen sicheren Lebensraum zu bieten. Dabei sollen auch die Geburten kontrolliert werden, indem die Eier der Weibchen durch Attrappen ersetzt werden."

"Wir wollen bestehende Ressourcen nutzen"

Solch ein Vorhaben klingt im ersten Moment nach einem allzu großen Projekt. Allerdings müsse man dieses Projekt auch nicht gesondert umsetzen, sondern könnte es in die bereits festeingeplante Stadtentwicklung einfügen, wie Borner weiter erklärt. "Zunächst einmal muss man anmerken, dass die Stadt schon viel für den Tierschutz leistet. Aber spezifisch für Tauben eröffnen sich die nächsten Jahre günstige Gelegenheiten."

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Immerhin werde die Kaiserstraße derzeit für eine großflächige Sanierung vorbereitet. "In diesem Zuge wird die Stadt Fördermittel erhalten, die wir teilweise auch für die Taubenumsiedelung nutzen können. Dabei werden wir darauf achten, bestehende Räume und Ressourcen zu verwenden, um so auch Kosten zu sparen."

Fünfstellige Folgekosten?

Verschiedene Dachgeschosse und -verschläge rund um die Kaiserstraße eigneten sich laut Borners Einschätzung bestens, um den Vögeln zukünftig als Lebensraum zu dienen. "Die Heinrich-Meidinger-Schule in der Bertholdstraße würde sich zum Beispiel als naheliegende Option für einen Taubenschlag eignen. Genauso das staatliche Schulamt in der Blumenstraße", so Borner.

Tauben in Karlsruhe
Taubenschläge könnten sich bald innerhalb Karlsruhes vermehren (Archivbild). | Bild: Stadt Karlsruhe

"Natürlich werden dennoch Folgekosten entstehen, man benötigt immerhin Futter, Stromanschlüsse, Eierattrappen und auch Reinigungspersonal - immerhin soll der Taubenkot nicht ins Mauerwerk einziehen. Wir können die Kosten nicht genau vorhersagen, rechnen aber mit einer fünfstelligen Summe. Im Gegenzug hätte man eine von Tauben freie Innenstadt ohne die Vögel gewaltsam zu entfernen", erklärt der Stadtrat.

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Wann genau die ersten Taubenschläge gebaut werden könnten, stehe aber ebenso wenig fest. "Wir werden diesen Antrag zunächst dem städtischen Ausschuss für Umwelt und Gesundheit vorlegen. Was danach folgt, hängt von der Stadtverwaltung ab. Wir sind aber zuversichtlich, grundsätzlich auf Wohlwollen zu treffen - immer hat die Stadt dem Augsburger Modell ja zugestimmt", so Borner.