Mit der "Landesinitiative III Marktwachstum Elektromobilität BW" hat sich das Land Baden-Württemberg beispielsweise erneut für ein Förderungsprogramm von E-Lastenrädern für Unternehmen entschieden. Seit September 2018 können alle im Land ansässigen Unternehmen einen Förderungszuschuss von bis zu 3.000 Euro bei der Anschaffung eines Lastenrades mit Elektromotor beantragen.
Die Besonderheit: Sowohl der Kauf als auch das Leasing eines Cargo e-Bikes oder Elektro-Lastenanhängers werden mit bis zu 30 Prozent der Investitionskosten gefördert, Anträge dafür können bei der L-Bank gestellt werden.
Förderung für Unternehmen und Familien
Diese Förderung gilt explizit nicht für rein privat genutzte Lastenrad. Das hat wiederum die Stadt Karlsruhe auf den Plan gerufen, die nun ein eigenes Förderprogramm schaffen will, um auch die private Anschaffung eines Cargo-Bikes zu subventionieren.
"Lastenräder für Karlsruher Familien" heißt das Ganze, der städtische Planungsausschuss gab unlängst bereits grünes Licht. "Wir leisten auf diesem Gebiet Pionierarbeit", ist sich Bürgermeister Daniel Fluhrer sicher.

Noch 2019 ist die Bezuschussung von bis zu 100 E-Lastenrädern mit einem einmaligen Betrag von jeweils 1.200 Euro geplant, der Kauf von bis zu 100 Lastenrädern ohne E-Unterstützung mit einem Betrag von jeweils 800 Euro. Damit beträgt die Förderquote rund ein Drittel des Anschaffungspreises. Wer durch den Umstieg aufs Lastenrad ein Auto abschafft oder keines besessen hat, erhält nach drei Jahren einen Nachhaltigkeitsbonus von je 500 Euro.
Im Kurzstreckenbereich idealer Autoersatz - aber wo parken?
Auch für größere Familien sind die Lastenbikes ideal: Viele sind mit zusätzlichem mit E-Antrieb ausgestattet, das erleichtert das Vorwärtskommen immens und - je nach Modell - lassen sich bis vier Kinder oder bis zu 100 Kilo Last bequem und günstig am Stau vorbei direkt bis vor die Haustür transportieren.

Das will aber gelernt sein, denn so einfach ist er gar nicht, ein voll beladenes Cargo-Bike sicher zu steuern. Da ist erst einmal üben angesagt. Damit man sich im Alltag sicher im Straßenverkehr bewegt, sollte man lenken, bremsen und ausweichen unbedingt üben, das empfehlen auch die Anbieter.
"Unsere Kunden lernen den Umgang mit den Lastenbikes recht schnell bei einer Probefahrt auf unserem Hof", sagt Michael Lorenz, Inhaber des Lastenfahrrad-Zentrums in Rheinstetten, auf Anfrage von ka-news.de. "Daher bieten wir keine Kurse dafür an!"

Größtes Problem jedoch - und das gerade in der Innenstadt: Wohin mit dem Lastenrad? Der Platz auf den Gehwegen ist begrenzt, von Abstellflächen in der Innenstadt ganz abgesehen. Bereits jetzt sorgen abgestellte Räder auf Gehwegen, an Laternenmasten und Co. für Konfliktpotential zwischen Fußgängern und Radfahrern.

Selbst die einspurigen Exemplare nehmen viel Platz weg, lassen sich nicht mal eben durch den Hauseingang in den Fahrradkeller tragen. Geparkt auf Gehwegen blockieren die Cargo-Bikes durch ihre Größe oft den Durchgang - besonders für Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen, die nicht so einfach ausweichen können. Und im Unterschied zu einem "normalen" Fahrrad, das im Weg steht, lassen sich die Lastenräder nicht einfach mal eben zur Seite schieben.
Sichere Parkmöglichkeiten schaffen
Ausweg aus dieser Zwickmühle kann - sofern die Stadt ernsthaft an dieser Alternative zum Auto interessiert ist - die Schaffung von Fahrradparkplätzen und -parkstationen sein. Diese fordert auch der ADFC in Karlsruhe: "Die Bürger steigen vermehrt auf das Rad und deswegen nimmt die Zahl der aktiv genutzten Fahrräder zu. Zusätzliche Parkmöglichkeiten müssen geschaffen werden. Neue Fahrradparkplätze sollten sicherer und überdacht sein, so dass auch die Nutzung hochwertigerer Fahrräder wie Pedelecs attraktiv wird", sagt Christian Büttner vom ADFC in Karlsruhe.

Laut Stadt Karlsruhe sei das Thema Abstellflächen für die verschiedenen Arten von Rädern ein Dauerthema. "Wir wissen, dass durch die Zunahme der Radnutzung aller Radarten, ob e-Bike, Rad mit Anhänger oder Lastenrad, auch der Bedarf an Fläche steigt", so die Stadtverwaltung auf Nachfrage von ka-news.de.

Daher hat man seitens der Kommune auch reagiert: "In letzter Zeit wurden vermehrt sogenannte Anlehnbügel installiert. Hier können auf Grund des größeren Achsabstandes zwischen 1 Meter und 1,20 Meter generell alle Fahrradtypen angeschlossen werden", so die Stadtverwaltung gegenüber ka-news.de. Laut Aussage der Stadt sollen da zwar die dreirädrigen Cargo-Bikes nicht reinpassen, "die zweirädrigen Lastenräder passen je nach Modell aber auch in diese Ständer".
Fahrradstadt Karlsruhe: Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf? Wo klappt es schon sehr gut? Wo kann die Situation für Fahrradfahrer verbessert werden und so Konfliktlinien mit Fußgängern und Autofahrern entschärft werden?
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