Wenn man sich die Lage vor Augen führt, wirkt sie auf den ersten Blick recht simpel: Sehr viele Menschen suchen eine Wohnung und viele denkmalgeschützte Gebäude stehen leer. Warum also nutzt man sie nicht einfach als Wohnraum? Die Landesregierung Baden-Württemberg stellte sich diese Frage ebenfalls, denn das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen hat dazu nun ein Sonderkonzept ausgearbeitet.

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"Unter Ministerin Nicola Ravazi ist es uns ein Anliegen, Wohnraum zu schaffen und Denkmale zu erhalten", sagt ein Sprecher des Ministeriums auf Nachfrage von ka-news.de. "Das Programm 'Wohnen im Kulturdenkmal' richtet sich vor allem an Eigentümer von denkmalgeschützten Gebäuden - etwa leer stehende Gasthöfe, Bauernhöfe mit dazugehörigen Scheunen, alte Bahnhöfe, ehemalige Rathäuser oder Schulgebäude - als Wohnraum zur Verfügung zu stellen."

"Das eigene Haus pflegt man grundsätzlich"

Auf diese Weise erhoffe sich das Ministerium nicht nur eine Abfederung des mangelnden Wohnraumes, sondern auch eine Erleichterung der Denkmalpflege durch die Einwohner. "Das eigene Haus pflegt man immerhin meist grundsätzlich", so der Sprecher weiter.

Ob der Wohnraum dabei verkauft oder vermietet wird, hänge vom Eigentümer ab - ebenso, wer die möglichen Kosten einer Sanierung trägt. Teilweise sollen diese Kosten aber auch von der Landesregierung aufgefangen werden.

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"Der Landtag von Baden-Württemberg hat für die Jahre 2022 und 2023 jeweils eine Million Euro an Landesmitteln für das von der Landesdenkmalpflege konzipierte Sonderprogramm bereitgestellt", so der Sprecher gegenüber ka-news.de. "Vorgesehen sind sogenannte 'Konzeptgutscheine' in Höhe von 5.000, 10.000. 15.000 oder 20.000 Euro - je nach Höhe der Ausgaben."

Werden Karlsruher Denkmäler bald zu Wohnungen?

Anträge auf Förderung und Angebote für denkmalgeschützten Wohnraum könne man seit dem 6. März im Regierungspräsidium Stuttgart stellen. Dabei richte sich der Aufruf des Ministeriums sowohl an private Anbieter als auch an Städte, Gemeinden und Landkreise. Eine Pflicht sei aber an keiner Stelle vorgesehen.

Abschied Feuerwache
Die alte Feuerwache in der Ritterstraße steht unter Denkmalschutz. Allerdings erfüllt sie noch immer einen Zweck. | Bild: Lars Notararigo

Kann es also sein, dass Karlsruhes denkmalgeschützte Räumlichkeiten bald als trautes Heim bezeichnet werden können? Wohl eher nicht - zumindest nicht vonseiten der Karlsruher Stadtverwaltung: "Im Besitz der Stadt Karlsruhe befinden sich aktuelle insgesamt 157 denkmalgeschützte Gebäude. Keines davon steht leer und ein Großteil davon sind Verwaltungs-, Schul- und Veranstaltungsgebäude", erklärt ein Sprecher auf Nachfrage der Redaktion.

Die Gebäude in Wohnraum umzuwandeln, sei daher kaum möglich. Ob allerdings private Eigentümer aus Karlsruhe bald ihre denkmalgeschützten Fassaden in den Wohnungsmarkt integrieren werden, liege laut Verwaltung in deren eigenen Ermessen.